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Dresdner Parkplatzposse geht in nächste Runde

Rentner Jürgen Mütze versorgt eine allein lebende Seniorin mit Lebensmitteln. Doch vor ihrem Haus wird sein Auto immer wieder abgeschleppt.

Jürgen Mütze hilft einer betagten Freundin und erledigt ihre Einkäufe. Dafür muss er direkt vor ihrem Haus in der Grunaer Straße parken - und wurde dort viermal abgeschleppt.
Jürgen Mütze hilft einer betagten Freundin und erledigt ihre Einkäufe. Dafür muss er direkt vor ihrem Haus in der Grunaer Straße parken - und wurde dort viermal abgeschleppt. © Archiv: Sven Ellger

Dresden. Seit mehr als zwei Jahren beschäftigt Jürgen Mütze diese Geschichte nun schon - und er kommt nicht zur Ruhe. Dabei will er ja nur Gutes tun, denn er versorgt eine ältere Dame, die in einem Hochhaus an der Grunaer Straße in Dresden wohnt. Sie ist 92 Jahre alt, verlässt die Wohnung kaum noch und freut sich, dass Jürgen Mütze sich um sie kümmert. Mit 80 ist auch er nicht mehr der Jüngste, lange Wege zu Fuß und dann womöglich noch mit schweren Einkaufsbeuteln sind für den Dresdner einfach nicht mehr drin.

Deshalb fährt Jürgen Mütze, der selbst nicht in dem Hochhaus wohnt, regelmäßig in den Supermarkt, holt Lebensmittel und Wasserflaschen für seine Bekannte. Die Seniorin hat einen Anwohnerparkplatz, der mit einer Schranke gesichert ist. Damit Mütze die Einkäufe von diesem Stellplatz aus nicht so weit tragen muss, parkte er stets für wenige Minuten auf einem markierten Parkplatz direkt am Eingang. Was jahrelang funktionierte, endete 2018 mit zwei teuren Rechnungen vom Abschleppdienst.

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Nach zwei Jahren rückt Abschleppdienst wieder an

Auf Nachfrage der SZ konnte das Problem, das nicht nur Jürgen Mütze, sondern auch etliche Mitarbeiter von Pflegediensten hatten, vor zwei Jahren gelöst werden. Der Vermieter Vonovia übernahm letztlich sogar die Abschleppkosten in Höhe von knapp 700 Euro und richtete außerdem zwei Kurzzeitparkplätze direkt am Hauseingang ein. Seitdem stellt Jürgen Mütze sein Auto wieder dort ab, wenn er die Einkäufe nach oben bringt. Die Geschichte schien ein versöhnliches Ende zu haben. Bis zu diesem Frühjahr.

Denn plötzlich ist der Abschleppdienst wieder da und kassiert den Pkw von Jürgen Mütze erneut ein. Wieder zweimal. "Ich wusste sofort, was das bedeutet, als mein Auto weg war." Fast schon routiniert ruft er bei der Polizei an, fragt sich durch, wo sein Auto gelandet ist, löst es beim Abschleppdienst aus. Kostenpunkt jedes Mal: rund 400 Euro.

Doch auch dieses Mal will Jürgen Mütze das nicht einfach hinnehmen. Er verklagt eines der beiden Abschleppunternehmen, sein Anwalt sei in dieser Angelegenheit optimistisch gewesen. Schließlich ist mit Vonovia alles geklärt. Damals räumte der Vermieter ein, dass Bewohner des Hauses den Abschleppdienst rufen durften, was eine Mieterin auch mehrmals getan hatte. Nach dem Vorfall mit Mütze reagierte Vonovia und versicherte gegenüber der SZ, dass nur noch Mitarbeiter den Abschleppdienst verständigen dürfen. Und zwei Jahre störte sich niemand daran, dass er die Kurzzeitparkplätze nutzte.

Richter entscheidet gegen den Helfer

Doch nun kam das für Mütze überraschende Urteil des Richters, der dem nicht folgen konnte und den weiten Weg mit schweren Einkaufsbeuteln als Argument nicht gelten ließ. Der Rentner muss die Abschleppgebühren zahlen. "Ich begreife es einfach nicht", sagt Jürgen Mütze.

Er hofft dennoch, dass Vonovia - wie schon 2018 - auch dieses Mal einsichtig ist und die Abschleppkosten doch noch übernimmt. "Gerade jetzt, in der Corona-Zeit, ist es wichtig, dass man sich gegenseitig hilft", sagt Mütze mit Blick auf die ältere Dame, der er nicht nur die Einkäufe bringt, sondern auch Gesellschaft leistet.

Auf SZ-Anfrage teilt Vonovia-Sprecher Matthias Wulff nur mit, dass die Sache noch nicht abschließend geklärt und man noch im Gespräch mit Jürgen Mütze sei. Das Gerichtsurteil wird dem Helfer wohl allerdings wenig weiterhelfen.

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