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Dresden: Neumarktquartier Schlosseck wächst

Ende 2021 soll nicht nur ein großes Restaurant einziehen. Wie die fünf Häuser auf engstem Raum im Zentrum entstehen, ist eine logistische Meisterleistung.

Andrea Strümpel leitet das Projekt Schloßeck, eines der letzten Neumarktquartiere in Sichtweite zum Schloss.
Andrea Strümpel leitet das Projekt Schloßeck, eines der letzten Neumarktquartiere in Sichtweite zum Schloss. © Sven Ellger

Dresden. Passanten bleiben vor den abgehängten Fassaden an der Schloßstraße stehen. Die Transparente zeigen, wie die Häuser später aussehen sollen. Dahinter wird angepackt. Zwischen 50 und 60 Arbeiter sind parallel auf der Baustelle zwischen  Schloßstraße, Sporer-, Schösser- und Rosmaringasse im Einsatz, wo die Firma Baywobau einen Komplex aus fünf Häusern errichtet. In ihm sind das Caesarsche und das Fürstliche Haus als Leitbauten nach historischem Vorbild integriert sowie moderne Gebäude. 

Es ist eines der letzten Quartiere, die auf dem Neumarkt entstehen. "Während des Lockdowns im Frühjahr haben sich fast drei Monate Zeitverzug angestaut, auch weil polnische Mitarbeiter nicht kommen konnten. Doch inzwischen liegen wir wieder ganz gut im Zeitplan", sagt Andrea Strümpel, die Projektverantwortliche der Baywobau. 

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Warum das Richtfest auf das Frühjahr verschoben wird

Im kommenden Monat soll der Rohbau aller fünf Häuser stehen. Das ist eine Herausforderung, denn jedes Haus hat nicht nur eine unterschiedliche Fassade, sondern auch andere Deckenhöhen. Hinzu kommt, dass die Arbeiten auf engstem Raum erfolgen müssen, denn das Grundstück wird bis zu jeder Grenze bebaut. "Wir sind also auf die Straßen und Fußwege der Stadt angewiesen, um von dort arbeiten zu können", sagt Strümpel. 

Doch viel Platz ist dort auch nicht, außerdem sind viele Passanten unterwegs. Die Anlieferung der Materialien ist eine logistische Meisterleitung. Eigentlich wäre auch ein zweiter Kran erforderlich, doch für den ist kein Platz. Der einzig mögliche ist in der zweiten Etage der Tiefgarage verankert. Nach Fertigstellung des Rohbaus muss er anmontiert und die Decke dort eingefügt werden. "Wir sind sehr dankbar, dass unsere Nachbarn den Lärm ertragen. Aber ein Ende ist absehbar", sagt die Projektleiterin. 

Schon in der kommenden Woche soll der erste Dachstuhl entstehen. "Eigentlich hätten wir im Dezember Richtfest gefeiert, aber das müssen wir aus infektionstechnischen Gründen auf das Frühjahr verschieben."

Wie historische Bauteile verwendet werden

Im Lapidarium der Stadt und im Stadtmuseum sind bis dato einige Teile eingelagert und ausgestellt, die nun wieder in die Fassaden integriert werden sollen. Allerdings nicht die Originale, sondern Abgüsse von ihnen. Da ist zum einen das Erkerrelief des Kurfürstenpaars, das im Fürstlichen Haus eingebunden wird. Es zeigt Christian II. mit seiner Ehefrau Hedwig von Dänemark. Im Sockel waren die Wappen des Herzogtums Sachsen-Wittenberg, das Kurwappen und rechts das dänische Wappen zu sehen. 

Die Fassade des Caesarschen Hauses soll ein Abguss eines hebräischen Schriftzuges schmücken, wie im Original. Die Empfangshalle des Caesarschen Hauses wird außerdem mit einem Renaissanceportal in einer der Nischen geschmückt. "Wir arbeiten mit hervorragenden Handwerkern zusammen, die das perfekt umsetzen", sagt Strümpel. 

So könnten durch die aktuellen  Bauanforderungen nicht die Originalstärken der Schmuckelemente verwendet werden, weil dahinter Dämmmaterial angebracht werden muss. Die Baywobau lege jedoch großen Wert darauf, keine Altlasten mit ihren Bauten zu produzieren und verwendet nur mineralisches Material statt Styropor, sagt Strümpel. 

Auch die modernen Fassaden erhalten Verzierungen, darunter ein mit farbigem Glas gestaltetes Erdgeschoss und Treppenhaus vom Künstler Michael Freudenberg, oder weiße Keramikfliesen. Andere sind aus Sichtbeton gestaltet oder werden mit Sandsteingewänden und -sockeln geschmückt. 

Das Erkerrelief des Kurfürstenpaares Christian II. und seiner Frau Hedwig von Dänemark soll die Fassade des Fürstlichen Hauses scmücken.
Das Erkerrelief des Kurfürstenpaares Christian II. und seiner Frau Hedwig von Dänemark soll die Fassade des Fürstlichen Hauses scmücken. © Baywobau

Wie es im Innern weitergeht

Spannend ist die Baustelle vor allem vom Innenhof aus betrachtet. Hier sieht man bereits die verschiedenen Fenster- und Balkonformen, manche sind als Bögen gestaltet. Später sollen hier ein Spielplatz und zwei Hochbeete entstehen. Neugierige sollen durch zwei Tore ins Innere blicken können. "Aber wir wollen den Bewohnern auch ihre Ruhe sichern, draußen ist ringsum schon genug Trubel", sagt Strümpel. 

Die Arbeit im Innern der Häuser ist generalstabsmäßig organisiert. Auf einem großen Plan ist festgelegt, welches Gewerk zu welchem Zeitpunkt wo arbeitet. Um Ausfälle durch Corona-Infektionen zu minimieren, haben sich die Arbeiter in Trupps aufgeteilt. Einer könnte dann weitermachen, wenn ein anderer ausfällt. 

Der Generalauftragnehmer Dreßler Bau habe zudem mehr Leute eingesetzt. Die Tiefgarage ist bis auf wenige Restarbeiten fertiggestellt. Sie verläuft unter allen Gebäuden, hier sind auch die Technikräume für alle Häuser untergebracht. In einigen Ecken sind historische Keller erhalten, aber zugebaut, um sie für die Nachwelt zu schützen. 

Eng und kaum Platz: Diese Neumarkt-Baustelle hat ihre Tücken.
Eng und kaum Platz: Diese Neumarkt-Baustelle hat ihre Tücken. © Sven Ellger

Welche Mieter bereits feststehen

An der Ecke Schloßstraße/Rosmaringasse wird das Restaurant Platzhirsch einziehen. Dafür sind im Inneren bereits große Lüftungsanlagen eingebaut. "Unser Ziel ist es, dass das Lokal im Herbst 2021 eröffnen kann, um auf jeden Fall das Weihnachtsgeschäft mitnehmen zu können", sagt die Projektleiterin. 

Auch ein Eiscafé, ein Kindermodeladen und ein Kunsthandel stehen als Mieter bereits so gut wie fest. In wenigen Tagen sollen die Mietverträge unterzeichnet werden. Zwei der insgesamt 49 Wohnungen sind bereits reserviert, auch einen Interessenten für eine Praxis gebe es, sagt Strümpel. 

Zudem entstehen zwölf Büros. Zunächst waren 54 Wohnungen geplant, weil einige aber keinen Balkon haben, hat man sich entschieden, diese in Büroflächen umzuwandeln. der Dresdner Baywobau-Chef Berndt Dietze sprach in einem früheren Interview von Wohnungsmieten, die ab 11,50 Euro pro Quadratmeter beginnen.  

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Der Zeitplan ist eng gestrickt, im vierten Quartal 2021 soll der gesamte Komplex fertig sein. Das ist natürlich abhängig von den Temperaturen des Winters und davon, wie sich die Coronasituation entwickelt. "Beim Innenausbau sollen auch die Wünsche der Büromieter berücksichtigt werden. Doch Strümpel ist heute voller Zuversicht, dass alles funktionieren wird. Letzte Details werden ständig mit den Verantwortlichen der Stadt abgesprochen. Immerhin wird das Schloßeck ein besonderes Quartier, wie alle am Dresdner Neumarkt. 

Einblicke in eine Wohnung zur Schloßstraße. Die Fassadenabhängung lässt derzeit nur wenig Licht hinein.
Einblicke in eine Wohnung zur Schloßstraße. Die Fassadenabhängung lässt derzeit nur wenig Licht hinein. © Sven Ellger

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