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Politiker will Dresdens Orang-Utan-Haus verhindern

Demnächst fällt die Entscheidung, ob Dresdens Zoo ein neues Haus für die Menschenaffen bekommt und diese züchtet. Die Kritik daran wird lauter.

Zur Zukunft des Orang-Utan-Hauses im Dresdner Zoo gibt es unterschiedliche Meinungen im Stadtrat.
Zur Zukunft des Orang-Utan-Hauses im Dresdner Zoo gibt es unterschiedliche Meinungen im Stadtrat. © Sven Ellger

Dresden. Die Vorwürfe gegen die Pläne für das neue Orang-Utan-Haus sind harsch. Als "steuerfinanziertes Tierleid" bezeichnet die Tierschutzorganisation Peta diese. Die Tiere hätten zu wenig Platz, das Leid der Gefangenschaft werde nur vergrößert und Millionen Euro "verschleudert".

Dennoch zeichnet sich eine breite Allianz im Stadtrat für das neue Affenhaus ab. Nun macht ein Stadtrat mobil dagegen, fordert, dass Dresden die Orang-Utan-Haltung beendet und versucht, die Zustimmung doch noch zu verhindern.

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Es sind nicht ausschließlich die Experten der Tierschutzorganisation, die sich gegen die Haltung der Menschenaffen in Dresden wenden. Piraten-Stadtrat Martin Schulte-Wissermann hat die erneute Debatte darum überhaupt ermöglicht.

Als der Stadtrat im Dezember den Haushalt beschlossen hat, sollte mit diesem - neben allen anderen Investitionsplänen - auch das neue Orang-Utan-Haus besiegelt werden. Konkret geht es um die Bürgschaft, die die Stadt Dresden übernehmen soll, damit der Zoo als städtische Gesellschaft einen Kredit für die 17-Millionen-Euro-Investition aufnehmen kann. Schulte-Wissermann hat kurz zuvor durchgesetzt, dass der Stadtrat gesondert darüber diskutiert und entscheidet. Das ist nun für Mai geplant.

Der Stadtrat der Piraten-Partei Martin Schulte-Wissermann hat dafür gesorgt, dass das Orang-Utan-Haus im Stadtrat diskutiert wird - er nennt Gründe gegen den Neubau.
Der Stadtrat der Piraten-Partei Martin Schulte-Wissermann hat dafür gesorgt, dass das Orang-Utan-Haus im Stadtrat diskutiert wird - er nennt Gründe gegen den Neubau. © privat

Der Piraten-Stadtrat hat eine klare Meinung zu dem Projekt. "Man muss nicht 17 Millionen Euro, davon einen großen Teil Schulden, investieren, um Menschenaffen einzusperren." Das sei "widersinnig, unethisch und aus der Zeit gefallen".

Schulte-Wissermann bezeichnet die Zucht gar als "widerwärtig". "Da werden Affenbabys für ihr komplettes Leben in den Knast geschickt." Es sei eine "Scheiß-Tradition", sich Menschenaffen anzugucken. "Die sitzen da und starren auf eine Tapete, die ihnen einen Urwald zeigen soll - dabei kennen sie gar keinen Urwald. Das ist keine Attraktion, das ist widerlich."

"Menschenaffen gehören nicht in den Zoo"

Aus der Zeit gefallen sei das Projekt auch wegen der Corona-Krise. "Viele Menschen haben finanzielle Einbußen, wissen nicht wie weiter. Da passen Schulden für so ein Projekt nicht ins Bild. Das Affenhaus macht uns nicht fit für die Zeit nach Corona", sagt Schulte-Wissermann.

Statt das neue Orang-Utan-Haus zu bauen solle der Zoo die bereits im Zoo lebenden Menschenaffen abgeben und die Versorgung auf einem Gnadenhof finanzieren. Das würde auch deutlich weniger kosten. "Menschenaffen gehören nicht in den Zoo", meint Schulte-Wissermann. "Ich bin froh, dass das Thema nun im Stadtrat diskutiert wird." Noch könne der Bau verhindert werden. "Ich bin zuversichtlich, dass die Zucht beendet wird - zumindest mittel- und langfristig, denn die jüngeren Dresdner sind eher dagegen."

Komplett anders sieht das CDU-Stadträtin und Zoo-Aufsichtsrätin Anke Wagner. Die Orang-Utans seien einfach dran, nun endlich bessere Lebensbedingungen zu erhalten. "Wenn sie jetzt abgegeben werden, drohen psychische Probleme oder sogar der Tod, weil sie aus ihrem Umfeld gerissen werden und ihre Pfleger nicht mehr hätten." Der Vorschlag mit dem Gnadenhof sei "zynisch".

Klar sei es wichtig, beispielsweise die Abholzung des Regenwaldes in Sumatra zu verhindern, um den natürlichen Lebensraum von Orang-Utans zu erhalten. "Aber die Affen im Dresdner Zoo sind hier geboren, für sie müssen wir die Lebensbedingungen verbessern", so Wagner.

CDU-Stadträtin Anke Wagner sagt, das Affenhaus nicht zu bauen, sei "Tierquälerei". Sie sieht dringenden Bedarf und verweist auf die Tradition der Orang-Utan-Zucht in Dresden.
CDU-Stadträtin Anke Wagner sagt, das Affenhaus nicht zu bauen, sei "Tierquälerei". Sie sieht dringenden Bedarf und verweist auf die Tradition der Orang-Utan-Zucht in Dresden. © René Meinig

Das neue Orang-Utan-Haus stehe seit fast 20 Jahren im Entwicklungskonzept des Dresdner Zoos, macht Wagner deutlich. "Wir würden also die Entwicklung des Zoos negieren, wenn wir das jetzt verhindern. Der Zoo hat neben der Freizeit- auch eine wichtige pädagogische Funktion mit der Zoo-Schule." Laut CDU-Stadträtin Wagner würde das alles infrage stellen, da das Affenhaus Teil des Gesamtkonzeptes ist und die Zucht lange Tradition in Dresden hat.

Zudem sei der Neubau auch ein wichtiges Signal an die Dresdner, sagt Wagner. Der Zoo würde attraktiver. "Außerdem ist das bisherige Affenhaus in einem sehr schlechten Zustand. Wenn wir das neue Haus nicht endlich bauen - das wäre Tierquälerei."

Wagner sagt, es werde mittlerweile vonseiten der Stadt nicht mehr genug für den Zoo getan. "Bis vor ein paar Jahren gab es pro Jahr vier Millionen Euro von der Stadt für Investitionen in den Dresdner Zoo. Das ist leider in den letzten Jahren nicht gelungen." Mit der Bürgschaft könne ein Zeichen gesetzt werden, dass der Zoo eng zu Dresden gehöre.

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