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Schlägereien und Schnittwunden

Ein 23-jähriger, vorbestrafter Rechtsextremer soll Ausländer geschlagen haben. Er macht Notwehr geltend.

Ein 23-Jähriger steht nun wieder vor dem Amtsgericht Gericht Dresden. Er soll im März vergangenen Jahres in einem Club in der Neustadt Ausländer geschlagen haben.
Ein 23-Jähriger steht nun wieder vor dem Amtsgericht Gericht Dresden. Er soll im März vergangenen Jahres in einem Club in der Neustadt Ausländer geschlagen haben. © Symbolbild: Marion Doering

Dresden. Ein 23-jähriger Dresdner soll sich in und vor einem Club in der Neustadt zweimal mit Ausländern geprügelt haben. Seit Montag steht er dafür vor dem Amtsgericht Dresden und macht für beide Vorwürfe eine Notwehrsituation geltend. Als Beobachter mag sich mancher fragen, was einen stadtbekannten Angehörigen der rechtsextremen Szene in einen Club in dem alternativ geprägten Ausgehviertel treibt.

Der junge Mann, ohne Berufsausbildung und Job, ist ein alter Bekannter der Justiz. Obwohl seine eigenen Prozesse meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hatten, gab es Anlass, darüber zu berichten. Im Herbst 2017 etwa wurde er zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt, weil er sich unter anderem im August 2015 an den schweren Ausschreitungen vor einer Asyleinrichtung in Heidenau beteiligt hatte, weil er im Januar 2016 an dem Überfall von mehr als 200 Rechtsextremen und Hooligans im Leipziger Stadtteil Connewitz teilnahm und weil er auch im August 2016 auf dem Dresdner Stadtfest mindestens einen Ausländer tätlich angegriffen hatte.

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Die Generalstaatsanwaltschaft zählte der 23-Jährigen damals mit zum Umfeld der „Freien Kameradschaft Dresden“ (FKD), mehrfach wurde der Mann als Zeuge in verschiedenen Prozessen vernommen, meist mit mäßigem Erfolg.

Die hartgesottenen Angehörigen der FKD wurden inzwischen auch als Mitglieder beziehungsweise Rädelsführer einer kriminellen Organisation verurteilt. Die braune Truppe hatte sich in der Flüchtlingskrise 2015 am Rande von Pegida-Demos gefunden und war gezielt gegen Ausländer, Polizisten und Andersdenkende vorgegangen. Die schwerste Tat der FKD war wohl der nächtliche Überfall auf ein alternatives Wohnprojekt in Übigau unter der Führung der rechtsterroristischen „Gruppe Freital“.

Eskalation vor der Toilette

Bei dem 23-jährigen Angeklagten geht es nun jedoch ausschließlich um Vorwürfe aus dem vergangenen Jahr. In dem Club auf der Louisenstraße soll er am 15. März gegen drei Uhr einen Ausländer nach einem verbalen Streit die Faust ins Gesicht geschlagen haben. Danach soll er dann vor dem Club einen weiteren Ausländer zu Boden gebracht und ihn geschlagen haben. Als sich zwei Zeugen einmischten, habe er sich den Gürtel ausgezogen und damit um sich geschlagen. Zwei Menschen habe er mit der Schnalle am Kopf verletzt.

Der 23-Jährige räumte ein, in dem Club gewesen zu sein. Beim Anstehen vor der Toilette sei er zunächst geschubst worden und als sich dann ein Wortgefecht entwickelte, sei er von dem Mann mit einem Messer bedroht worden. Er habe dann zugeschlagen, um sich zu verteidigen. Das sagte Verteidiger Mario Thomas.

Dann sei sein Mandant von der Security aus dem Club geworfen worden. Draußen sei eine andere Person auf in zugegangen, den er mit dem Messermann vor der Toilette verwechselt habe. Wieder habe es eine Auseinandersetzung gegeben. Dabei seien ihm zwei Schnittwunden mit einem Messer zugefügt worden, sagte der Angeklagte. Er habe sich den Gürtel herausgezogen, um die Angreifer auf Abstand zu halten.

Zwei Zeugen, die berichteten, von den Gürtelhieben des Angeklagten verletzt worden zu sein, stellten den Ablauf jedoch komplett anders dar. Auch von einem Messer oder den angeblichen Schnittwunden, von denen der Angeklagte berichtete, berichteten weder die Zeugen, noch sollen sie in Polizeivernehmungen eine Rolle gespielt haben. Nun soll die Freundin des Angeklagten die Verletzungen bestätigen.

Das Gericht sieht sich mit einer mehrtägigen Beweisaufnahme konfrontiert. Der Prozess wird fortgesetzt.

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