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Die Corona-Terminhatz der Dresdner Eislöwen

Fünf Spiele in neun Tagen wird der Eishockey-Zweitligist am Sonntag in den Knochen haben, dazu tausende Autobahn-Kilometer. Das wird zum Balance-Akt.

Die Dresdner Eislöwen hetzen derzeit von einem Spiel zum nächsten. Fünf Spiele in den ersten neun Tagen stehen für die Sachsen jetzt an.
Die Dresdner Eislöwen hetzen derzeit von einem Spiel zum nächsten. Fünf Spiele in den ersten neun Tagen stehen für die Sachsen jetzt an. © Jürgen Lösel

Dresden. Trainer Rico Rossi hat offenbar ganz genau auf die Uhr geschaut. „Heute", sagt der Trainer des Eishockey-Zweitligisten Dresdner Eislöwen am Donnerstag, „haben wir genau 58 Minuten gearbeitet, um ein bisschen frischer zu sein." Der Mittwoch davor war sogar trainingsfrei. Die Zeiten und die Umstände sind gerade besondere. 

In den sechs Tagen nach dem offiziellen Start der DEL2 haben die Sachsen bereits drei Spiele in den Knochen und dazu knapp 2.000 Autobahnkilometer zurückgelegt. Am Sonntagabend, nach dem Heimspiel gegen Frankfurt und zuvor dem Auswärtsauftritt in Crimmitschau am Freitag werden es fünf Partien in neun Tagen sein. Das erfordert einen Kraft- und auch Balance-Akt zwischen Regeneration und leichten Trainingseinheiten. 

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Den bewältigen die Eislöwen bislang mit dem nötigen Langmut. "Grundsätzlich macht es uns Sportlern mehr Spaß zu spielen als zu trainieren", sagt Verteidiger Alexander Dotzler mit einem breiten Schmunzeln. "Die Zeit zwischen den Spielen nutzt man eben, die Kräfte, die man gelassen hat, wieder aufzufüllen. Mit Essen und Schlafen, um wieder fit zu sein für die nächste Partie", erklärt der 36-jährige Routinier. "Um das gut wegstecken zu können, trainieren wir im Sommer. Damit man eben nicht in so einer intensiven Phase nach dem zweiten oder dritten Spiel schon keine Kraft mehr hat. Ich bin da guter Dinge, wir haben alle gut trainiert im Sommer", sagt Dotzler. 

Irgendwann schlafen alle Spieler auch im Bus

Der Akku sei freilich auch jetzt schon hin und wieder leer, "wenn man in jedem Spiel alles gibt. Am Anfang der Saison steckt man das natürlich leichter weg", unterstreicht der Siegtorschütze des bislang einzigen Ligaerfolgs der Eislöwen am vergangenen Sonntag gegen Weißwasser. "Wenn man länger auf der Straße ist, so wie wir jetzt am Dienstagabend von Bietigheim aus, dann schlafen irgendwann doch alle bereits im Bus. Dem einen fällt das leichter, als dem anderen", sagte Dotzler. Die 1:4-Niederlage beim Mitaufstiegsfavoriten Bietigheim ist mittlerweile verarbeitet, in erster Linie mental. 

Für viel mehr als die Arbeit in den Köpfen, bleibt momentan ohnehin sehr wenig Zeit. "Wir haben sicher im Moment weniger Eiszeit, wir wollen die Jungs auf dem Eis nicht überlasten", bestätigt Trainer Rossi. Der Italo-Kanadier investiert dafür mehr Zeit in die Videoaufarbeitung und in persönliche Gespräche. 

Routinier Alexander Dotzler weiß genau, wie man den Akku schnell wieder auflädt. Für den 36-Jährigen gehört auch gesunde Ernährung dazu.
Routinier Alexander Dotzler weiß genau, wie man den Akku schnell wieder auflädt. Für den 36-Jährigen gehört auch gesunde Ernährung dazu. © Matthias Rietschel

Allerdings können die Eislöwen ihre Trainingszeiten derzeit auch flexibler gestalten, weil die Nutzung der Eisfläche in der Energieverbund-Arena derzeit nur Profis und Kadersportlern gestattet ist. Nach ihrem  Auftaktspiel in Kaufbeuren sind die Dresdner erst am Samstagfrüh, 5.30 Uhr, aus dem Bus geklettert. Normalerweise hätten die Zweitliga-Profis dann am Mittag bereits wieder zu einer Lockerungseinheit antreten müssen. "Das wäre zu taff gewesen", sagt Rossi. 

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Aufgrund der heruntergeschraubten Auslastung der Eishalle konnte er diese Einheit beispielsweise auf 15 Uhr verlegen. "Das war gut für die Jungs und ihren Schlafrhythmus", sagte Rossi. Den Beleg dafür traten seine Schützlinge am darauffolgenden Sonntag daheim beim 5:4-Derbysieg über Weißwasser an.  Bei der Bewältigung dieser Verschleißphase hilft auch die eine oder andere Einstellung, die Dotzler in eine altbekannte Phrase kleidet: "Das nächste Spiel ist immer das Wichtigste", sagt der erfahrene Bayer, ehe er nachdenklich anfügt: "Wir genießen jetzt jeden Moment, den wir trainieren oder spielen können." 

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