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Helfen die Corona-Hilfen?

Nur 75 von 200 Millionen Euro wurden abgerufen. Fünf Dresdner Profiklubs berichten über ihre Pläne und Hoffnungen.

Unter der Maske in der leeren Halle kaum zu erkennen: DSC-Volleyballchef Jörg Dittrich. Der deutsche Meister ist wohl weiter auf Coronahilfen angewiesen.
Unter der Maske in der leeren Halle kaum zu erkennen: DSC-Volleyballchef Jörg Dittrich. Der deutsche Meister ist wohl weiter auf Coronahilfen angewiesen. © Archiv: Lutz Hentschel

Dresden. Die Nachricht klingt überraschend. Im vergangenen Jahr haben Deutschlands Profivereine nur 75 Millionen Euro aus den Corona-Hilfsprogrammen abgerufen. Nur. Insgesamt standen 200 Millionen Euro zur Verfügung. Erhalten können die Gelder Vereine aus den jeweils ersten drei Ligen im Volleyball, Handball, Basketball und Eishockey, der drei höchsten Fußball-Ligen der Frauen sowie der 3. Fußball-Liga der Männer. Auch höherklassige Klubs aus anderen Sportarten dürfen Anträge stellen.

Die Nothilfe sieht vor, vor allem ausbleibende Zuschauereinnahmen durch die Folgen der Corona-Pandemie zu kompensieren. Der Bund verlängerte die Frist für die Hilfsprogramme nun bis zum Ende des Jahres. Insgesamt 325 Millionen Euro stehen den Klubs für 2021 bereit.

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Das führt zur Frage, wie Dresdens Profivereine damit umgehen - und zwar die Eislöwen, die DSC-Volleyballerinnen, die Handballer vom HC Elbflorenz, die Basketballer der Titans und die Footballer der Monarchs.

Welche Hilfssummen haben Dresdner Klubs beansprucht?

Offenbar haben alle Vereine zumindest ihre Möglichkeiten ausgereizt. Eishockey-Zweitligist Eislöwen hat beim Bund eine Summe nahe am Maximalbetrag von 800.000 Euro beantragt (November- und Dezemberhilfe) und zudem ein Darlehen in Höhe von 187.000 Euro vom Land erhalten. „Der maximale Erstattungsanspruch ist aktuell nicht erreicht, aber alle Bescheide wurden eingereicht und bewilligt“, sagt Geschäftsführer Maik Walsdorf.

„Wir haben selbstverständlich geschaut, dass wir die zur Verfügung stehenden Hilfen ausnutzen“, erklärt DSC-Geschäftsführerin Sandra Zimmermann. Der Volleyballmeister hat ebenfalls das Soforthilfe-Darlehen Sport der SAB und die Corona-Überbrückungshilfe des Bundes für den Profisport beantragt. „Dabei ist eine Lücke bei der beantragten und bewilligten Summe für die Überbrückungshilfe für Ticketing-Verluste entstanden. Unser Umsatzverlust ist nicht in voller Höhe bewilligt worden“, sagt Zimmermann. Die Final-Heimspiele gegen Stuttgart wurden beispielsweise nicht angerechnet.

"Ohne Nothilfen hätten wir als Klub niemals überlebt", sagt Eislöwen-Geschäftsführer Maik Walsdorf.
"Ohne Nothilfen hätten wir als Klub niemals überlebt", sagt Eislöwen-Geschäftsführer Maik Walsdorf. © Archiv: Ronald Bonß

Auch die Elbflorenz-Handballer haben die Hilfen vom Land Sachsen und vom Bund beantragt, die Bundeshilfe konnte dabei nicht ans Maximum heranreichen. Basketball-Drittligist Dresden Titans hat die Corona-Hilfe-Profisport-Pakete 1 und 2 für die Kompensation von Ticketverlusten aus 2020 und 2021 sowie November- und Dezemberhilfen beantragt. „In Anspruch genommen wurden die möglichen ansetzbaren Kompensationen“, teilt Geschäftsführer Rico Gottwald mit.

Die Erstliga-Footballer der Monarchs haben ebenfalls Hilfe bekommen, wenngleich die nicht olympische Sportart erst spät als förderfähig eingestuft worden war. Die Saison 2020 wurde in der German Football League komplett abgesagt.

Wie wichtig waren die Förderprogramme für die Vereine?

Für alle Klubs existenziell wichtig. „Ohne Nothilfen hätten wir niemals spielen können und hätten es als Klub nicht überlebt. Dies gilt aber auch für unsere Sponsoren, Fans und Zuschauer, die treu geblieben sind“, unterstreicht Eislöwen-Geschäftsführer Walsdorf.

Auch seine Kollegin Zimmermann bestätigt den Ernst der Lage: „Wie bei allen anderen Vereinen wären wir ohne die Coronahilfen in wirtschaftliche Schieflage geraten, die finanziellen Sorgen wären um ein Vielfaches größer gewesen. Wir sind auf diese Hilfen angewiesen.“

Sehen die Klubs weitere Hilfen überhaupt als notwendig an?

Das ist von den Rahmenbedingungen abhängig. Wie die aussehen, kann derzeit noch niemand seriös bewerten. „Ich hoffe nicht, dass Hilfen notwendig sind“, sagt Walsdorf, schränkt seinen Optimismus aber ein. „Es ist möglich, dass wir nicht sofort mit Saisonbeginn unter Vollauslastung planen können, sodass Coronahilfen unumgänglich wären“, meint er.

Auch die Zweitliga-Handballer vom HC Elbflorenz glauben an eine bessere Besucherauslastung. „Wir hoffen, dass wir mit den Ticketeinnahmen in der kommenden Spielzeit wieder rechnen können und deshalb keine weiteren Hilfen benötigen werden“, sagt Geschäftsführerin Cathleen Rupprecht.

HC Elbflorenz Geschäftsführerin Cathleen Rupprecht hofft, "dass wir mit den Ticketeinnahmen in der kommenden Spielzeit wieder rechnen können und deshalb keine weiteren Hilfen benötigen werden".
HC Elbflorenz Geschäftsführerin Cathleen Rupprecht hofft, "dass wir mit den Ticketeinnahmen in der kommenden Spielzeit wieder rechnen können und deshalb keine weiteren Hilfen benötigen werden". © Archiv: Ronald Bonß

Die Titans planen die neue Saison „ohne zusätzliche Mittel der öffentlichen Hand“, erklärt Geschäftsführer Gottwald, und er sagt: „Es wird sehr ambitioniert, den Geschäftsbetrieb wieder auf einen regulären Betrieb umzustellen. Dennoch kann man nicht erwarten, dass die Nothilfen für die nächsten Jahre pauschal weitergezahlt werden. Sicherlich wäre es von Vorteil, dass es wieder Nothilfen gibt, sollte es zu einem erneuten Lockdown kommen.“

Die DSC-Volleyballerinnen sind der Ansicht, auf weitere öffentliche Hilfen angewiesen zu sein. „Wir wissen nicht, was passiert und wie es weitergeht. Wir wissen nicht, unter welchen Bedingungen und mit wie vielen Zuschauern Heimspiele stattfinden können. Dennoch sind wir zuversichtlich“, erklärt Zimmermann.

Unterdessen gehen die Monarchs davon aus, dass es in der zweiten Saisonhälfte der bis in den Oktober laufenden Saison kaum mehr Beschränkungen geben wird und mithin keine Hilfen mehr nötig sind.

Ab welcher Besucherzahl würden Heimspiele wieder Gewinn erzeugen?

Das ist so pauschal nicht zu beantworten. „Die Wirtschaftlichkeit eines Heimspiels hängt nicht nur davon ab, wie viele Fans zugelassen sind, sondern auch von den Vorschriften, die erfüllt werden müssen. Deren Umsetzung mit den neuen Rahmenbedingungen bedeuten zusätzliche Kosten“, verdeutlicht Zimmermann. Die Zusatzkosten sind nicht kalkulierbar. Die DSC-Volleyballerinnen waren vor der Pandemie mit durchschnittlich 2.600 Besuchern der Zuschauerkrösus der Bundesliga.

Vage bleibt deshalb auch der Eislöwen-Geschäftsführer. „Wir benötigen die Perspektive, in der Saison wieder vor 100 Prozent genesenen, geimpften oder getesteten Zuschauern spielen zu können“, sagt Walsdorf. Der HC Elbflorenz würde erst ab einer Auslastung von 75 Prozent Gewinn machen. Die zuletzt zugelassenen 956 Zuschauer reichen da nicht. Die Titans rechnen mit einer Auslastung von 1.000 Zuschauern, um ein Heimspiel in der Margon-Arena kostendeckend zu gestalten.

Der HC Elbflorenz durfte in den letzten beiden Heimspielen der abgelaufenen Saison wieder 956 Zuschauer in die Halle lassen.
Der HC Elbflorenz durfte in den letzten beiden Heimspielen der abgelaufenen Saison wieder 956 Zuschauer in die Halle lassen. © Archiv: kairospress

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