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Wie es eine Dresdnerin zu den Schwimm-Superstars schafft

Leonie Kullmann startet in einer neuen Profiliga, kann dort erstmals richtig viel Geld verdienen - und sich bestens auf die nächste WM vorbereiten.

Leonie Kullmann beim Heimatbesuch in der Dresdner Halle am Freiberger Platz.
Leonie Kullmann beim Heimatbesuch in der Dresdner Halle am Freiberger Platz. © Matthias Rietschel

Dresden. Im zweiten Anlauf hat es nun geklappt. Vor einem Jahr noch musste Leonie Kullmann ihre Teilnahme an der International Swimming League (ISL) absagen. Der Vertrag mit dem ungarischen Team Iron um Superstar Katinka Hosszu war bereits unterschrieben, doch die Bundestrainer argumentierten, dass dadurch die gezielte Olympiavorbereitung gefährdet sei. Die Dresdnerin strich ihre Teilnahme am mehrwöchigen Event in Budapest – schweren Herzens.

Rückblickend war es sicher die richtige Entscheidung. Souverän qualifizierte sich Kullmann für die Spiele in Tokio, ihre zweiten nach der Premiere 2016 in Rio de Janeiro, als sie mit 16 jüngste deutsche Schwimmerin war. Eine Darmschleimhaut- sowie eine Gehörgangsentzündung unmittelbar vor ihren Einsätzen in Tokio verhinderten Ende Juli eine bessere Platzierung als Rang 18 über 400 Meter Freistil. Mit der Staffel wurde sie im Finale Sechste.

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Viel Zeit, um sich von den olympischen und gesundheitlichen Strapazen zu erholen, blieben der 22-Jährigen nicht. Vor einem Monat startete die ISL-Serie mit der Vorrunde in Neapel. Das Format ist drei Jahre jung, eingeführt vom ukrainischen Milliardär Konstantin Grigorishin. Bei der ISL treten zehn von Sponsoren unterstützte Teams gegeneinander an, entscheidend sind nicht Zeiten, sondern Punkte.

Den Besuch in der Heimat nutzte Leonie Kullmann auch zum Training.
Den Besuch in der Heimat nutzte Leonie Kullmann auch zum Training. © Matthias Rietschel

Der Schwimm-Weltverband Fina versuchte lange, den unliebsamen Konkurrenten auszubremsen, drohte mit Startverboten bei der WM. Vergeblich. Zu verlockend war das Angebot für die Athleten, für die meisten von ihnen ist es eine der seltenen Gelegenheiten, richtig Geld zu verdienen. Auch für Kullmann, die zwar als Matrose bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr ein monatliches Gehalt bekommt, sonst aber weder Sponsoren- noch Startgelder kassiert. Schwimmen ist in Deutschland in den vergangenen Jahren – vor allem aufgrund ausbleibender Erfolge – fast zur Randsportart abgestiegen.

Das zeigt sich auch bei der ISL. Während die Veranstalter die TV-Übertragungsrechte in 140 Länder verkaufen konnten, gab es auf dem deutschen Fernsehmarkt keinen Interessenten. Hierzulande kann man die Rennen lediglich über einen kostenpflichtigen Livestream verfolgen. Kullmann fasziniert am neuen Format „die unheimlich gute Atmosphäre. Es macht mega Spaß und ist mit nichts anderem zu vergleichen“, erzählt sie. Oder doch? Ein wenig erinnern sie die Wettkämpfe an die Duelle zwischen College-Teams, bei denen sie während ihres US-Studiums mitgeschwommen war. „Aber das jetzt ist natürlich auf einem ganz anderen Niveau.“

Um einen der 360 Plätze in der Profiliga hatten sich weltweit 940 Schwimmer beworben, darunter 37 aus Deutschland. Geschafft haben es in eines der Teams lediglich elf – darunter Kullmann. „Es wollten so viele mitmachen, weil es in diesem Jahr wunderbar in die Trainingspläne passt“, erklärt sie. „Man kann das schon als eine Art Auszeichnung sehen.“

Großverdiener kassiert 300.000 Euro

Zumal sie vom Team Cali Condor aus Kalifornien verpflichtet wurde, dem Titelverteidiger. Bei dem ist der US-Amerikaner Caeleb Dressel, siebenmaliger Olympiasieger, der Superstar. Der erfolgreichste Teilnehmer der Spiele von Tokio war im vergangenen Jahr auch der Großverdiener der ISL, kassierte insgesamt 300.000 Dollar.

Ab 11. November Teamkollege von Leonie Kullmann in der Schwimm-Profiliga ISL: Superstar Caeleb Dressel.
Ab 11. November Teamkollege von Leonie Kullmann in der Schwimm-Profiliga ISL: Superstar Caeleb Dressel. © dpa

Kullmann wird am Ende wohl eine Null streichen müssen, doch das wäre immer noch ein stattlicher Betrag. Nach der Vorrunde in Neapel, die gerade zu Ende ging, steht sie bei 12.700 Dollar, das sind umgerechnet rund 10.800 Euro. Bei den Duellen treten jeweils vier Teams gegeneinander an, die punktbeste Mannschaft gewinnt das Match.

Bei allen vier Duellen der Vorrunde war Kullmann dabei, vom 11. bis 28. November werden in Eindhoven nun die Playoffs ausgeschwommen, dann folgt das Halbfinale mit den besten acht und das Finale mit den besten vier Mannschaften. Die Prämien steigen von Runde zu Runde, der punktbeste Athlet im Gesamtklassement kassiert allein 100.000 Dollar.

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Geschwommen wird auf der 25-Meter-Kurzbahn, für Kullmann ist das ungewohnt, „aber auch eine Gelegenheit, um die Wenden zu üben“. Auf ihrer Spezialstrecke, den 400 Metern Freistil, kommen da einige zusammen. Noch vor den Playoffs der ISL startet sie beim Kurzbahn-Weltcup am Wochenende in Berlin und Anfang November bei der Kurzbahn-EM im russischen Kasan. Mitte Dezember fliegt sie dann zur Kurzbahn-WM nach Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate.

Die ISL ist für die Dresdnerin also nicht nur eine gute Gelegenheit, Geld zu verdienen, sondern auch, sich fit zu machen für die Jagd nach Medaillen.

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