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Ski-Weltcup: Sicheres Gefühl und klare Botschaften

Auch beim umstrittenen Wettkampf am Dresdner Elbufer fehlen Zuschauer. Für Sportler und Organisatoren sind andere Dinge derzeit wichtiger.

Auch beim Sprung fürs Siegerfoto die Besten: Laurien van der Graaf (Nummer 10-1) und Nadine Fähndrich (Nummer 10-2) aus der Schweiz.
Auch beim Sprung fürs Siegerfoto die Besten: Laurien van der Graaf (Nummer 10-1) und Nadine Fähndrich (Nummer 10-2) aus der Schweiz. © dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Von der gegenwärtigen gesundheitlichen Lage speziell auch in Dresden hat Nadine Fähndrich natürlich erfahren, die besonders hier vor Ort aufgeregt geführte Debatte über Sinn und Unsinn dieses Ski-Weltcups am Elbufer aber kennt sie nicht.

„Es ist alles sehr gut hier, auch die Strecke gefällt mir, ich komme immer wieder gern nach Dresden. Doch dieses Jahr ist alles ein bisschen anders durch Corona“, sagt also die Schweizerin, die aus sportlicher Sicht die gefragteste Frau des Wochenendes ist. Sowohl das Einzel am Samstag als auch den Teamsprint am Sonntag mit ihrer Mannschaftskollegin Laurien van der Graaf hat Fähndrich gewonnen.

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Es waren ihre ersten Erfolge überhaupt im Weltcup, und Kritiker haben ihr sofort entgegengehalten, dass mit Norwegen, Schweden und Finnland drei der Top-Langlaufnationen als Vorsichtsmaßnahme derzeit auf den Start im Weltcup verzichten. Fähndrich lächelt das erst weg, um dann hinterm Mund-Nase-Schutz umso klarer ihre Meinung zu vertreten. „Wir laufen unsere Rennen, egal, wer dabei ist. Und ich kann sagen, die Rennen hier waren auf einem hohen Niveau“, betont die 25-Jährige.

Nadine Fähndrich (rechts) ist die mit Abstand stärkste Langläuferin des Wochenende. Am Samstag gewinnt sie das Einzel, tags darauf dann den Teamsprint mit ihrer Mannschaftskollegin Laurien van der Graaf.
Nadine Fähndrich (rechts) ist die mit Abstand stärkste Langläuferin des Wochenende. Am Samstag gewinnt sie das Einzel, tags darauf dann den Teamsprint mit ihrer Mannschaftskollegin Laurien van der Graaf. © dpa/Sebastian Kahnert

Soll ja keiner behaupten, dieser Wettkampf sei einer zweiter Klasse. Sieg ist Sieg und Fähndrich an diesem Wochenende auf der 650 Meter langen Strecke am Elbufer tatsächlich mit Abstand die Beste unter den insgesamt 45 Frauen, auch verbal. „Es wird gesagt, die Strecke sei einfach. Ich sehe das anders. Es ist nicht der übliche Weltcup, aber es ist schön, diese Diversität zu haben. Denn dann sind auch andere Qualitäten wichtig“, betont Fähndrich, und mit künstlichem Schnee werden schließlich selbst die Weltcup-Strecken in Skandinavien präpariert. „Ich finde es sehr schön, dass man den Langlauf zu den Leuten bringt in die Stadt“, so Fähndrich.

Nur die Zuschauer fehlen und damit die Stimmung, da geht es ihr wie allen anderen Athleten – nicht nur in Dresden. Im Wettkampf sei sie ohnehin immer auf sich und das Rennen konzentriert, im Ziel aber hätte sie gern nicht nur in die TV-Kamera gewinkt. „Ich weiß, dass die Leute alle zu Hause sitzen und Daumen drücken“, meint die Sprintspezialistin.

Die Sportler brauchen Wettkämpfe, notfalls allein

Eines aber stellt sie klar, wenn man so will, ebenfalls stellvertretend für ihre Kollegen am Elbufer sowie für alle anderen Profisportler, die in diesen schwierigen Pandemie-Tagen ihrem Beruf nachgehen dürfen. „Lieber Wettkämpfe ohne Zuschauer als gar keine Wettkämpfe“, sagt Fähndrich. Ihre Argumentation klingt schlüssig: „Natürlich wäre es mit Zuschauern besser, aber wir arbeiten im Training trotzdem hart, und das ist der Lohn dafür.“

Von einem vorfristigen Weihnachtsgeschenk spricht Landsfrau van der Graaf, der neben dem sportlichen Aspekt noch etwas wichtig ist: dass diese Veranstaltung stattfinden konnte. „Es war enorm wichtig, dass die Organisatoren die Mühen und Hürden, die sicher sehr hoch waren, alle genommen haben“, sagt van der Graaf. Nachdem der im norwegischen Lillehammer geplante Weltcup abgesagt wurde, gab es bislang erst Rennen im finnischen Ruka und in der Vorwoche im schweizerischen Davos.

Der Ski-Weltcup in Dresden – das sind auch 650 Meter Kunstschnee und eine Botschaft für die TV-Zuschauer.
Der Ski-Weltcup in Dresden – das sind auch 650 Meter Kunstschnee und eine Botschaft für die TV-Zuschauer. © Christian Juppe

Ähnlich sieht es der Olympiazweite und frühere Weltmeister Federico Pellegrino aus Italien, der das Männerrennen für sich entscheidet und beim Sieg Russlands im Teamsprint mit Landsmann Francesco di Fabiani den dritten Platz belegt. „Es waren perfekte Bedingungen. Mir bleibt nur, Danke zu sagen für diese Organisation.“

Offenbar hat das Hygienekonzept funktioniert, was erst mal nicht mehr als eine derzeit oft gebrauchte Worthülse zu sein scheint. Die Veranstalter registrieren indes keinen einzigen positiven Corona-Test unter den Sportlern, Mitarbeitern und Helfern. „Es ist einfach wunderbar, so eine Nachricht rauszugeben zu können. Auch für mich persönlich“, erklärt Raiko Morales, als Sicherheitsmanager für das Hygienekonzept verantwortlich und damit der gefragteste Mann des Wochenendes. „Wir sind froh, dass wir zeigen konnten, dass Profisportveranstaltungen in dieser Zeit sicher möglich sind“, betont Morales. Auch das ist eine Botschaft, die von Dresden ausgehen soll.

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Nicht minder zufrieden fällt die Bilanz des Weltverbandes aus, der schon freudig aufs Wiedersehen in einem Jahr vorausschaut und durchblicken lässt, sehr gerne den dann auslaufenden Vertrag mit dem Weltcup-Standort Dresden zu verlängern. Sie komme auf jeden Fall gern wieder, erst recht als Titelverteidigern, sagt Fähndrich. Und verabschiedet sich mit einem Satz, der die Sinn-und-Unsinn-Debatte nicht beruhigen wird, aber zumindest aus gesundheitlicher Sicht ein entscheidender ist: „Ich habe mich hier sehr sicher gefühlt“.

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