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Brauchen wir dieses Jahr einen Striezelmarkt?

Im November ist er abgesagt, ob und wie er im Dezember stattfinden kann, steht noch in den Sternen. Was die Dresdner von den Striezelmarkt-Plänen halten.

So sah der Striezelmarkt im vergangen Jahr aus. Diesen Anblick wird es dieses Jahr so nicht geben können.
So sah der Striezelmarkt im vergangen Jahr aus. Diesen Anblick wird es dieses Jahr so nicht geben können. © Sven Ellger

Dresden. Am Dienstagvormittag schallt Musik aus den Wipfeln der 20 Meter hohen Fichte, die seit dem Wochenende den Altmarkt ziert. 

Keine Weihnachtsmusik allerdings; einige Mitarbeiter sind dabei, die drei Kilometer lange Lichterkette am Baum zu befestigen. Doch die Meinungen über den Baum gehen auseinander:

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"Der Baum steht etwas schief!" "Hässlich, der sieht so nackig aus. In den letzten Jahren war er viel prachtvoller!" "Ein wenig kahl, etwas zerrupft unten rum." "Die Nadeln hängen so schlaff." "Etwas unfrisch." "Für einen Baum aus der Dresdner Heide ganz passabel." "Hatten schon Schlechtere."

Am Dienstag wurde die drei Kilometer lange Lichterkette um den neuen Baum gelegt.
Am Dienstag wurde die drei Kilometer lange Lichterkette um den neuen Baum gelegt. © Tim Ruben Weimer

Weihnachtsfichte als Hoffnungsträger in einer traurigen Zeit

Die 43-jährige Steffi und die 37-jährige Diana sind da ganz anderer Meinung: "Der Baum sprüht förmlich Optimismus aus! Es ist doch momentan so eine traurige Zeit. Die Corona-Beschränkungen, Terror-Anschläge. Da gibt der Striezelmarkt ein wenig Hoffnung." Ein Jahr ohne Striezelmarkt könnten sich die beiden nicht vorstellen. "Er gibt dem Jahr Struktur, man lebt richtiggehend auf ihn hin."

Sollte der Striezelmarkt im Dezember stattfinden können, dann auf jeden Fall nicht in gewohnter Form. Bis hinunter ans Terrassenufer soll der Markt entzerrt werden, damit sich die Besucher nicht auf dem Altmarkt drängeln.

Steffi freut sich auf diese neue Art des Striezelmarktes. "Am Besten lassen sie nur zehn Personen pro Stunde rein, dann wird das ein Weihnachtsmarkt, wie man sich ihn wünschen würde." Die starke Frequentierung des Marktes in den letzten Jahren hat die Vorfreude bei einigen Besuchern gedämpft.

Striezelmarkt war immer zu überfüllt

Sebastian und Sandra, die sich am Altmarkt eine Pizza gönnen, hoffen deswegen lieber auf den Mittelalter-Weihnachtsmarkt im Stallhof. "Der Striezelmarkt ist immer so voll, nicht nur mit Touristen, sondern auch mit Dresdnern." 

Das sieht auch ein älteres Ehepaar so: "Bei diesem Gerangel hat mir der nie gefallen." Ihr Vorschlag: Der Striezelmarkt sollte eingezäunt werden und einen zentralen Ein- und Ausgang haben.

Klaus und Waltraud Richter finden, die Veranstalter sollten sich ein Vorbild an den Weihnachtsmärkten auf Prager Straße und Hauptstraße nehmen. Dort würden die Stände nicht so eng beieinander stehen.

"Zumindest einmal würden wir ihn dann besuchen", sagen die 80- und 82-Jährigen, "aber ansonsten traut man sich momentan kaum aus dem Haus, weil man Angst hat, sich anzustecken."

Der Plan, den Striezelmarkt zu entzerren, trifft am Dienstagvormittag auf viel Zustimmung. "Ohne Maßnahmen würde ich nicht hingehen wollen, das wäre mir zu riskant", sagt die 24-jährige Marie-Christin Saalbach, in ihrer Familie habe es bereits einen Coronafall gegeben. 

Man hätte in der Planung aber den Postplatz mit einbeziehen sollen, sagt eine andere Frau. "Und unten am Terrassenufer will doch kein Schausteller stehen", meinen Hanna und Peter Ehnert.

Braucht es den Striezelmarkt in diesem Jahr?

Braucht es den Striezelmarkt deshalb in diesem Jahr überhaupt? "Nein", sagt Igor, "ich kann ja auch mal irgendwo kurz reingehen, um einen Glühwein zu trinken." "Ich privat brauche den Striezelmarkt auch nicht", sagt Kathleen Tomaszewski, "wegen dem ganzen Kommerz. Dennoch finde ich, dass er stattfinden sollte. Mir tut die ganze Situation für die Händler, für die Kinder und für die Touristen einfach leid."

"Ja", sagen die 20-jährige Cora und die 18-jährige Emily. "Der Striezelmarkt gehört zur Weihnachtszeit dazu. Wenn er ausfällt, werden die Leute nur noch trauriger." 

"Die Weihnachtsatmosphäre in der Stadt würde mir fehlen", sagt auch der 88-jährige Hans-Dieter Funke. "Sie vermittelt ein Gefühl des Vertrautseins mit der Stadt. Es geht einem dabei das Herz auf."

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"Wir können uns momentan schlecht vorstellen, ob der Striezelmarkt leer sein wird, wenn er so entzerrt wird", erklärt eine Frau. Aber gerade am Neumarkt sei die Stimmung mit den Herrnhuter Weihnachtssternen vor der Frauenkirchenkulisse immer sehr heimelig gewesen. "Das ganze Jahr war schon so anstrengend, da freut man sich auf die Einstimmung zur Weihnacht."

Und auch die 41-jährige Alissar Almaleh, die vor zweieinhalb Jahren von Syrien nach Dresden kam, würde den Striezelmarkt in diesem Jahr sehr vermissen. "It's the spirit of christmas that lives here"; es sei der Geist der Weihnacht, der hier lebt. Und wenn die drei Kilometer lange Lichterkette um den Baum dann endlich brennt, findet der Geist der Weihnacht auch in einer "zerrupften" Fichte aus der Dresdner Heide seinen Platz.

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