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Stauwagen hat sich in Dresdens Unterwelt bewährt

Für einen schwierigen Abschnitt des Altstädter Abfangkanals musste eine besondere Technik entwickelt werden. Jetzt kommt sie in die Neustädter Röhre.

Diesen Super-Stauwagen hatte die Stadtentwässerung mit Spezialisten der TU Dresden entwickelt. Mit einer zusätzlichen Spitze am Schiebeschild können große Ablagerungen im Altstädter Hauptkanal gelockert werden.
Diesen Super-Stauwagen hatte die Stadtentwässerung mit Spezialisten der TU Dresden entwickelt. Mit einer zusätzlichen Spitze am Schiebeschild können große Ablagerungen im Altstädter Hauptkanal gelockert werden. © Frank Grätz

Dresden. Eine gewaltige Aufgabe musste die Dresdner Stadtentwässerung im Altstädter Abfangkanal lösen. „Dabei ging es um den Abschnitt zwischen dem Kanalnetzstützpunkt neben der Yenidze und dem Flügelweg, wo das Abwasser durch einen Düker unter der Elbe hindurch zum Klärwerk Kaditz fließt“, erklärt Teamleiter Thomas Würfel.

Die Jahrhunderthochwasser 2002 und 2013 hatten Kies und Geröll in den Kanal gespült. Wahrscheinlich kam auch viel aus dem Freitaler Hauptkanal, der dort einmündet. „Die Steinchen waren bis zu vier Zentimeter groß und hatten sich im Laufe der Jahre fest auf der Kanalsohle abgesetzt“, erzählt er. Die alten Stauwagen waren überfordert, diese Ablagerungen zu beseitigen. Zwar wurde dies mehrfach versucht. „Sie wurden aber immer wieder darüber geschoben“, berichtet Würfel.

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Hinzu kam, dass bei einer Reinigung Hochdruck-Saug- und Spülfahrzeuge auf der stark befahrenen Kreuzung Magdeburger/Weißeritzstraße und an weiteren Stellen der B6 eingesetzt werden müssen. Und dafür wären Vollsperrungen nötig.

An dem Wagen staut sich das Abwasser und schiebt ihn weiter durch den großen Hauptkanal. Damit werden die Ablagerungen aus der Röhre entfernt.
An dem Wagen staut sich das Abwasser und schiebt ihn weiter durch den großen Hauptkanal. Damit werden die Ablagerungen aus der Röhre entfernt. © Frank Grätz

Da hatte Kanal-Abteilungsleiter Frank Männig die Idee, das über 100 Jahre alte bewährte System für diesen Fall zu perfektionieren und einen neuen Stauwagen zu konstruieren. Also wurde ein solches Gefährt gemeinsam mit Spezialisten der Technischen Universität Dresden entwickelt. Gebaut wurden Modelle. „An ihnen untersuchten die Experten die physikalischen Abläufe“, erklärt Würfel. So wurden verschiedene Formen von Stauschildern am Wagen untersucht, bis die optimale Konstruktion gefunden war. Gebaut wurde er von der Dresdner Spezialstahlbaufirma WKS.

An diesem Super-Stauwagen gibt es mehrere Neuerungen. „So hat er Bremsen, damit der Wagen bei Starkregen oder Gewitter durch das viele Wasser nicht zu schnell und somit zur Gefahr wird“, erläutert Würfel. Für solche Fälle verfügt die Konstruktion auch über eine Klappe, die bei zu starkem Druck umklappt, sodass das Wasser ungebremst abfließen kann. Außerdem wurden Schilder für die verschiedenen Kanalprofile gebaut, ein gerades und ein halbrundes mit jeweils zehn Zentimeter Abstand zur Sohle.

Die besondere Neuerung ist ein zusätzliches Schiebeschild mit einer Spitze vorm Stauwagen. Damit können große Ablagerungen gelockert werden. „Das hat den Erfolg gebracht“, erklärt Würfel. Gegenüber den alten Stauwagen ist die neue Konstruktion aus Edelstahl allerdings ein Schwergewicht. Bringt die alte Technik rund 350 Kilogramm auf die Waage, so wiegt das moderne Gefährt etwa 1,5 Tonnen. Im November 2015 wurde begonnen, den Altstädter Abfangkanal ab der Weißeritzstraße zu beräumen. Stück für Stück ist der Stauwagen nach vorn gerollt und hat den Berg vor sich hergeschoben. „Pro Tag ist er etwa 1,5 Meter vorangekommen“, sagt Würfel.

So ist es bis Februar 2016 gelungen, den knapp drei Kilometer langen Abschnitt des Abfangkanals von Kies und Geröll zu reinigen. Die Betonröhre ist in dem Stück zwischen 2,9 und 3,2 Meter hoch. Am Ende des Abschnitts ist vor dem Düker am Flügelweg ein Kanalnetzstützpunkt. Auf dem gibt es einen tiefen Sandfang, in dem solche Ablagerungen gesammelt werden, damit sie nicht in den Düker kommen. „Dort haben wir sie mit einem großen Bagger herausgeholt“, berichtet der Teamleiter. Insgesamt mussten 70 Tonnen Kies und Geröll abtransportiert werden.

Teamleiter Thomas Würfel vor dem neuen Super-Stauwagen. Künftig soll ein etwas kleinerer, neuer Stauwagen auch im Neustädter Hauptkanal eingesetzt werden.
Teamleiter Thomas Würfel vor dem neuen Super-Stauwagen. Künftig soll ein etwas kleinerer, neuer Stauwagen auch im Neustädter Hauptkanal eingesetzt werden. © Peter Hilbert

Damit konnte die Stadtentwässerung erheblich sparen. Denn es hätte auch die Möglichkeit gegeben, den Kanal in diesem Abschnitt mit einem großen Saug- und Spülfahrzeug von den Geröllbergen zu befreien. „Mit dem neuen Stauwagen haben wir aber 70.000 Euro gegenüber dieser Variante eingespart“, rechnet Würfel vor.

„Nach den guten Erfahrungen wollen wir jetzt einen neuen Stauwagen für den Neustädter Abfangkanal bauen lassen“, sagt der Teamleiter. Da der etwas kleiner ist, wird auch der Wagen mit seinem Schiebeschild entsprechend kleiner. Gebaut werden soll er auch von WKS. Geplant ist, ihn erstmals Ende 2021 einzusetzen. Würfel rechnet damit, dass er für die 4,5 Kilometer lange Reinigungstour durch den Neustädter Abfangkanal von der Marienbrücke bis zum Klärwerk etwa vier Wochen braucht.

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