merken
PLUS Dresden

Fahrscheine in Dresden werden deutlich teurer

Noch bis Dezember laufen Beratungen über die neue Preisrunde. Die Untergrenze der Preissteigerung steht aber schon fest.

2014 kostete eine Einzelfahrt in Dresden noch 2,20 Euro. Inzwischen gab es vier Preiserhöhungen, jetzt sind 2,50 Euro fällig. Die nächste Preisrunde steht bevor.
2014 kostete eine Einzelfahrt in Dresden noch 2,20 Euro. Inzwischen gab es vier Preiserhöhungen, jetzt sind 2,50 Euro fällig. Die nächste Preisrunde steht bevor. © Archiv/Sven Ellger

Dresden. Dieses Mal wird es besonders bitter. Wenn im Dezember die Verantwortlichen des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) in Weinböhla zusammenkommen, werden sie unter anderem neue Fahrkartenpreise beschließen. Das ist sicher, nicht zuletzt, weil die Zuschüsse aus den Corona-Rettungsschirmen nicht ausreichten, um die Einnahmeverluste und die zusätzlichen Kosten, etwa für Extra-Fahrzeugreinigungen wie in Dresden, damit komplett auszugleichen. Die neue Preisrunde trifft auch die Dresdner. Das heißt, voraussichtlich ab August 2022 kosten Fahrten mit Bahn und Bus in der Landeshauptstadt deutlich mehr als bisher.

Unternehmen haben Geldprobleme

Im Oktober 2020 haben die Mitarbeiter der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) gestreikt, erst vor rund fünf Wochen ging die letzte Streikrunde der Lokführer zu Ende. Immer ging es um mehr Geld. Das Ergebnis, das auch die DVB betrifft, waren laut der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi unter anderem 600 Euro Corona-Prämie, gestaffelt mehrere Lohnerhöhungen und ab 2021 ein Tag mehr Urlaub für die Bus- und Straßenbahnfahrer. Christian Schlemper, der Sprecher des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO), zu dem auch die DVB gehören, sagt, nicht nur das Personal, auch Energie und Kraftstoff seien deutlich teurer geworden. Das alles muss bezahlt werden und dafür brauchen auch die DVB mehr Geld.

Anzeige
Unser Datenschatz, zukunftssicher gemacht
Unser Datenschatz, zukunftssicher gemacht

Das Verwahren, Strukturieren und Transparent machen von Forschungsergebnissen auf nationaler Ebene ist ein Mammutprojekt – bei dem die TU Dresden ganz vorn mit dabei ist.

Fahrgeldeinnahmen allein reichen nicht

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) gehört zur Daseinsvorsorge, also zu den Dingen, die eine Kommune haben muss, weil daran ein allgemeines öffentliches Interesse besteht. Er ist aber ein Zuschussgeschäft, also nicht finanzierbar allein aus den Fahrgasteinnahmen. Obwohl die DVB seit Jahren zu den Unternehmen mit einem vergleichsweise hohen Kostendeckungsgrad gehören, brauchen auch sie jedes Jahr Finanzhilfe. Der Kostendeckungsgrad beschreibt, welchen Anteil ihres Geldes die Verkehrsbetriebe selbst erwirtschaften. Das waren im ersten Corona-Jahr 2020 knapp 70 Prozent und im Jahr vor dem Pandemiebeginn fast 80 Prozent der Gesamtausgaben. Die DVB rechnen vor: Soll - auch mit Blick auf die Verkehrswende - weiter in den Dresdner ÖPNV investiert werden, brauchen sie künftig 75 Millionen Euro Zuschuss. Soll es ohne Weiterentwicklung weitergehen, reichen gerade noch 65 Millionen Euro. Im Raum steht aber, dass die DVB als Teil der Technischen Werke Dresden künftig mit 55 Millionen Euro klarkommen sollen.

Rechenbeispiele für höhere Fahrpreise

Im VVO arbeiten die DVB mit mehreren anderen Nahverkehrsunternehmen zusammen, unter anderem mit der Bahn, die die Dresdner S-Bahnen betreibt. Zur Vorbereitung auf die nächste Entscheidung der Verbundverantwortlichen am 1. Dezember haben Fachleute mehrere Vorschläge zu Preiserhöhungen durchgerechnet. Fest steht bisher nur: ohne höhere Preise geht es nicht.

Zuletzt stiegen die Ticketkosten 2020, damals um durchschnittlich 3,9 Prozent. Davor waren es 2,1 Prozent im August 2018, davor wiederum 1,9 Prozent (August 2017) und 1,6 Prozent (November 2015). Die aktuellen Überlegungen, auch mit Blick auf gesunkene Einnahmen wegen Corona: Die neue Preisrunde wird heftiger als alle vorangegangenen.

Zum Vergleich: In Leipzig kostet eine Einzelfahrt aktuell 3 Euro, in Dresden sind es 2,50 Euro - ein Unterschied von 20 Prozent. Für eine Tageskarte müssen in Leipzig 8 Euro bezahlt werden, in Dresden sind es 6,50 Euro. Eine Monatskarte kostet in Leipzig 82,10 Euro, am Automaten in Dresden 63,60 Euro.

Die 20 Prozent, die eine Leipziger Einzelfahrt mehr kostet als eine Dresdner, werden es nicht werden, versichert VVO-Sprecher Christian Schlemper. Eine zu drastische Preiserhöhung könnte schließlich auch dazu führen, dass die Fahrgäste nicht mitmachen und dann weniger Bus und Bahn fahren. Aber deutlicher als alle vorangegangenen wird der hiesige Preissprung werden. Also werden es im Schnitt mehr als vier Prozent - aber weniger als zehn, glaubt Schlemper.

Nicht alle Fahrpreise steigen um den Durchschnittswert

Welche Tickets teurer werden und um wie viel, ist noch nicht entschieden. Dazu wird es vor der Sitzung am 1. Dezember im Zentralgasthof Weinböhla noch Absprachen geben, unter anderem im Hauptausschuss des VVO. Der setzt sich zusammen aus Politikern und Verwaltungsvertretern der Stadt Dresden, der Landkreise Meißen, Bautzen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie Vertretern der dort tätigen ÖPNV-Anbieter.

Dabei geht es um jede einzelne Fahrscheinart, die Frage, ob jeweils eine Preiserhöhung zumutbar ist und welchen Umfang sie haben soll. Es könnte auch entschieden werden, dass einzelne Tickets nicht angefasst werden, also der Preis unverändert bleibt. Anfang Dezember liegt dann ein Vorschlag auf dem Tisch, über den in Weinböhla abgestimmt werden muss.

Alte Tickets können zurückgegeben werden

Weiterführende Artikel

Österreich führt günstiges Jahresticket für Bus und Bahn ein

Österreich führt günstiges Jahresticket für Bus und Bahn ein

Das neue Klimaticket erlaubt in ganz Österreich die Nutzung aller Bahnen und Busse und kostet deutlich weniger als Jahreskarten etwa in Deutschland.

Neue Angebote und höhere Ticketpreise bei den DVB

Neue Angebote und höhere Ticketpreise bei den DVB

Ein Gutachten verlangt, bei den Dresdner Verkehrsbetrieben zu sparen. Das Unternehmen macht Gegenvorschläge - und stellt Neues vor.

DVB: Schwarz gefahren? Protest gegen Strafe

DVB: Schwarz gefahren? Protest gegen Strafe

Meistgelesen: Kleingeld haben sie nicht, die zwei Studenten wollen während der Fahrt durch Dresden übers Handy Tickets kaufen. Doch die Kontrolleure sind schneller.

DVB beenden mobilen Begleitservice

DVB beenden mobilen Begleitservice

Die Helfer begleiten Menschen, die in Bussen und Bahnen allein nicht zurechtkommen. Doch das Ende steht fest. Wie es danach weitergehen könnte.

Voraussichtlich ab Sommer 2022 gelten dann die neuen Fahrpreise. Alte Fahrkarten werden damit nicht automatisch ungültig, sondern können in der Regel noch eine Weile lang genutzt werden. Parallel dazu gibt es einen Zeitraum, in dem sie dann nicht mehr erlaubt sind, aber zurückgegeben werden können, wobei die Kunden das dafür gezahlte Geld zurückbekommen. Für Besitzer von Dauerfahrkarten, die über den Preiswechsel hinaus gültig sind, legen die Verantwortlichen Sonderregeln fest, sodass auch sie problemlos weiter Bus und Bahn fahren können - auch mit zuvor gekauften Fahrkarten.

Mehr zum Thema Dresden