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Neue Angebote und höhere Ticketpreise bei den DVB

Ein Gutachten verlangt, bei den Dresdner Verkehrsbetrieben zu sparen. Das Unternehmen macht Gegenvorschläge - und stellt Neues vor.

Berlin hat bereits eine Kleinbusflotte, wie sie Dresden für die Mobishuttles plant. In der Bundeshauptstadt heißt das Angebot BerlKönig.
Berlin hat bereits eine Kleinbusflotte, wie sie Dresden für die Mobishuttles plant. In der Bundeshauptstadt heißt das Angebot BerlKönig. © BVG/Jules Esick

Dresden. Die Landeshauptstadt hat Leihfahrräder und dafür zig Ausleihpunkte. Mehr als 50 sollen es bis zum nächsten Jahr sein. Zu diesen sogenannten Mobibikes und Mobipunkten kommen Anfang 2022 noch Mobishuttles. Das sind Elektroautos in Transportergröße mit Platz für etwa zehn Personen. Auch ein Kinderwagen oder ein Rollstuhl passen in diese Fahrzeuge.

Die Mobishuttle werden zunächst in Klotzsche, Pieschen und der Neustadt unterwegs sein und kommen nach Buchung per Internet. Die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) wollen damit erreichen, dass letztlich mehr Fahrgäste die Busse und Straßenbahnen der Stadt nutzen. Die Kleinbusse sollen sie nicht ersetzen, sondern dort ergänzen, wo der Weg bis zur nächsten Haltestelle etwas weiter ist und wo Querverbindungen zwischen den DVB-Hauptstrecken nötig sind. Sie halten dazu an "virtuellen Stationen", erklärt Unternehmensvorstand Andreas Hemmersbach. Das sind Haltestellen, die es nur im Internet gibt, für die also keine großen Bauten nötig sind.

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Hemmersbach spricht von "rufbasierten Bussen", die nur dann fahren, wenn sie wirklich gebraucht werden. Auch für eine einzelne Person, allerdings nicht rund um die Uhr. In der "schwarzen Nacht", also wenn die meisten Dresdner schlafen, sollen sie nicht fahren. Dann müssen die Akkus geladen, die Autos gereinigt und notfalls auch repariert werden.

Mit fünf Fahrzeugen soll es Anfang 2022 losgehen, bis zu zwölf werden es am Ende sein. Drei Jahre lang wollen die DVB die Mobishuttles testen und dann entscheiden, ob es damit weitergeht. Das kostet reichlich sieben Millionen Euro. Knapp die Hälfte dieses Geldes stammt aus Fördertöpfen, unter anderem vom Bund.

Drei Szenarien für die Finanzierung der DVB

"Wir haben alle keine Idee, ob das funktioniert", sagt Hemmersbach über dieses Projekt. Mit "alle" meint er nicht nur seine Kollegen bei den Verkehrsbetrieben, sondern auch die bei anderen deutschen Verkehrsunternehmen. In Berlin gibt es zum Beispiel ein solches Angebot, doch anders als in der Bundeshauptstadt sollen die Dresdner Mobishuttles nicht in der Innenstadt unterwegs sein. Sind sie erfolgreich, könnten Autos mit Fahrern langfristig auch durch autonom fahrende Minibusse ersetzt werden, meint der DVB-Vorstand.

Dieses Angebot versteht Hemmersbach auch als Antwort auf das Geheimgutachten der Technischen Werke Dresden (TWD), das im Frühsommer bekannt wurde und über das die SZ damals exklusiv berichtete. Darin geht es um Angebotseinschränkungen, Personalabbau und höhere Preise. Der Hintergrund: Der Zuschussbedarf der Verkehrsbetriebe steigt, auch ohne Corona-Folgen.

Drei Szenarien stehen zur Diskussion und sollen am Donnerstag Thema im Aufsichtsrat der Verkehrsbetriebe sein: Ein Zuschuss von 55 Millionen Euro pro Jahr, wie aktuell von der TWD-Geschäftsführung avisiert. Das wäre nur möglich, wenn die Verkehrsbetriebe ihr Geschäft runterfahren. Hemmersbach spricht von einer "Dämpfung", bei der die auch von der Stadt avisierten Klimaziele nicht erreicht würden, die soziale Gerechtigkeit durch steigende Fahrkartenpreise gefährdet wäre und die "interne Motivation" der Mitarbeiter leiden würde.

Autos werden für Busse und Bahn ausgebremst

Variante 2: 65 Millionen Euro Zuschuss pro Jahr. Das entspräche dem aktuellen Stand, ist den TWD aber laut dem Geheimgutachten zu viel. Variante 3 sind 75 Millionen Euro. Ein Betrag, bei dem laut Hemmersbach auch Investitionen möglich sind, die letztlich dazu beitragen, die Verkehrswende in Dresden voranzubringen und die Klimaziele der Stadt zu erreichen. So laute auch der Auftrag des Stadtrats an die Verkehrsbetriebe. Demnach sollen Bus und Bahn in knapp zehn Jahren 25 bis 30 Prozent des gesamten Dresdner Verkehrs ausmachen. Ein "Wachstumsszenario", so Hemmersbach.

In genau diese Richtung denken die Verantwortlichen bei der Einführung der Mobishuttles. Dabei wissen sie Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn auf ihrer Seite, der als Grüner voll davon überzeugt ist, dass die Klimaziele nur erreicht werden können, wenn auch die Verkehrswende gelingt.

Geld sparen könnten die DVB bei einem Vorhaben, das ebenfalls zum "Wachstumsszenario" gehört und über das in Dresden schon oft diskutiert wurde: Busse und Bahnen sollen schneller und damit auch zuverlässiger werden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Bahnen beträgt in der Stadt rund 20 Stundenkilometer, die der Autos 27 Stundenkilometer. "Kluge Investitionen" seien nötig, um den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) schneller zu machen, meint Kühn. Und er spricht dabei auch von "Vorrang an Kreuzungen". Das heißt, Busse und Bahnen fahren zuerst, bekommen Vorrechte, Autos werden dafür ausgebremst. Das ist eine Verkehrspolitik, die in Dresden bisher nicht durchsetzbar war.

Fahrkartenpreise sollen steigen

Wenn am kommenden Dienstag der Aufsichtsrat der TWD tagt, könnte das Geheimgutachten freigegeben werden für die Öffentlichkeit. Darauf setzen Hemmersbach und Kühn, die dann für die DVB und mehr ÖPNV in Dresden argumentieren wollen. "Sonst sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen", sagt Kühn. Im schlimmsten Fall müsse die Stadt einspringen, wenn es finanziell zu eng wird für die DVB. Kühn nennt das "Haushaltsfinanzierung bestimmter Elemente". Welche Elemente das sein könnten, ist noch ungeklärt. Sicher ist aber: Im schlimmsten Fall geht es um 20 Millionen Euro.

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Dazu kommt eine bittere Pille, die die Dresdner voraussichtlich im nächsten Jahr schlucken müssen. Anders als in vorangegangenen Jahren plädieren die Verkehrsbetriebe klar für höhere Fahrkartenpreise. Im Dezember wird der Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe darüber entscheiden. Danach steht fest, welche Fahrkarten teurer werden sollen und wie stark die Preise steigen.

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