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Wann beginnt der Ausbau der Königsbrücker Straße?

Seit 1996 gibt es Sanierungspläne für die Königsbrücker, fast 20 Ausbauvarianten liegen vor. Doch die Stadt hat keine guten Nachrichten.

Von Kay Haufe & Juliane Just
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Der Belag der Königsbrücker Straße in Dresden sorgt für großen Lärm. Er wird noch eine Weile liegen müssen.
Der Belag der Königsbrücker Straße in Dresden sorgt für großen Lärm. Er wird noch eine Weile liegen müssen. © Archiv/Sven Ellger

Dresden. Sie als Moloch zu bezeichnen, ist nicht übertrieben. Täglich rumpeln rund 21.500 Fahrzeuge vom Bischofsweg zum Albertplatz weitgehend über Kopfsteinpflaster, welligen Untergrund und eingefallene Schachtabdeckungen. Entsprechend hoch ist der Lärmpegel mit tagsüber bis zu 75 Dezibel, auch nachts sinkt er nur auf 60 bis 65 Dezibel ab. Belastend für die Menschen, die an der Straße wohnen und arbeiten. Schon lange warten die meisten darauf, dass die Verbindungsstraße vom Dresdner Norden ins Stadtzentrum endlich saniert wird.

Was ist bisher passiert?

Nach der Wende wurden 1996 zum ersten Mal Pläne erarbeitet, aber wechselnde Mehrheiten im Stadtrat und Diskussionen über die verschiedenen Ausbauvarianten - insgesamt waren es etwa 20 - verhinderten immer wieder einen Beschluss. 2016 wurde schließlich ein Kompromiss zwischen einem großen, vierspurigen und einem schmaleren Umbau gefunden. Derzeit läuft ein Baugenehmigungsverfahren für den Abschnitt zwischen Albertplatz und Stauffenbergallee.

Wie weit ist der Bearbeitungsstand der Pläne?

Die Pläne für den Ausbau des Abschnittes sind zur Kenntnisnahme für Anwohner und sogenannter Träger öffentlicher Belange im Rahmen des Genehmigungsverfahrens ausgelegt worden. Es gab darauf zahlreiche Reaktionen. "34 Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange und 332 Einwendungen Privater, davon eine Masseneinwendung, wurden abgegeben", sagt Simone Prüfer, die Leiterin des Straßen- und Tiefbauamts (STA).

Die Einwendungen und Stellungnahmen wurden von der Landesdirektion Sachsen (LDS), die das Baugenehmigungsverfahren verantwortet, an die Dresdner Stadtverwaltung zum Zwecke der Erwiderung übersandt hat. "Die Stadt hat ihre Erwiderung der LDS inzwischen vorgelegt. Es gibt Einwendungen von rund 300 Einwendenden sowie eine Sammeleinwendung mit rund 5.000 Unterschriften", sagt Ingolf Ulrich, der stellvertretende Pressesprecher der LDS.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Landesdirektion Sachsen muss jetzt einen Erörterungstermin durchführen, bei dem die Einwände abgewogen werden, ob sie schwerwiegend sind oder keinen Einfluss auf die geplante Sanierung der Straße haben. Dieser Termin wird wegen der steigenden Zahl an Corona-Infektionen und dem damit verbundenen Infektionsrisiko als eine Online-Konsultation nach dem Planungssicherstellungsgesetz vorbereitet, sagt Ingolf Ulrich. "Details hierzu werden demnächst öffentlich bekannt gemacht."

Wann könnte der erste Abschnitt gebaut werden?

Beim jetzigen Verfahrensstand könne noch nicht abgeschätzt werden, wann der Genehmigungsbeschluss gefasst werden könnte, sagt der Pressesprecher. Die Stadt verweist auf die Landesdirektion. Den erforderlichen zeitlichen Rahmen bestimme die Behörde, sagt Simone Prüfer. Doch erst, wenn der notwendige Beschluss vorliegt, können die Ausführungsplanungen beginnen und später die Bauleistungen ausgeschrieben werden. Dafür würden rund zwei Jahre benötigt. Mit anderen Worten: Frühestens 2024 könnten dort Bagger rollen. Wie hoch die Kosten sein werden, dazu will sich die Stadt nicht äußern.

Wie weit sind die Pläne für die nächsten Abschnitte?

Für den Abschnitt von der Stauffenbergallee bis zur Fabricestraße gab es einen Variantenvergleich, der abgeschlossen ist, sagt STA-Chefin Prüfer. "Aktuell warten die Planer auf die Prognosezahlen 2035, die Ende dieses Jahres vorliegen sollen. Die verkehrstechnischen Untersuchungen könnten dann im 1. Quartal 2022 abgeschlossen werden."

Für den Abschnitt von der Fabricestraße bis zur Brücke über die Gleisanlage am Industriegelände ist für die stadteinwärts führende Radverkehrsführung ebenfalls ein Genehmigungsverfahren bei der Landesdirektion erforderlich. Die umfangreichen Planunterlagen dazu müssen erst noch erstellt werden, so Prüfer.

Was heißt das für die neuen Straßenbahnen?

Für den Einsatz der neuen Wagen auf der Linie 7 und 8 sind etwas auseinander gerückte Richtungsfahrbahnen notwendig, weil die neuen Bahnen breiter sind als die bisherigen. Auf der Königsbrücker Straße gibt es die auseinander gerückten Gleise noch nicht. Deshalb können auf beiden Linien auch noch keine neuen Wagen eingesetzt werden, sagt Falk Lösch, der Sprecher der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). Dabei wären die neuen Bahnen, die mehr Fahrgäste aufnehmen können, vor allem auf der Linie 7 erforderlich. Ist sie doch mit über 50.000 Fahrgästen am Tag eine der nachgefragtesten in Dresden. "Und natürlich sorgt der Gleiszustand der Bestandsanlage Königsbrücker Straße bei uns zusätzlich für große Sorgenfalten. Das betrifft alte wie neue Fahrzeuge."