merken
PLUS Dresden

Trotz Corona: Gedränge in Dresdner Buslinien?

Die Angst vor einer Corona-Ansteckung fährt in den DVB-Bussen mit. Fahrgäste beschweren sich. Doch das Unternehmen hat Pläne.

Die Busse sind das Fahrgast-Nadelöhr auf der Strecke der Straßenbahnlinie 11.
Die Busse sind das Fahrgast-Nadelöhr auf der Strecke der Straßenbahnlinie 11. © SZ/Christoph Springer

Dresden. Morgens im Bus zur Arbeit oder abends auf dem Heimweg ist es oft eng. Kein freier Sitzplatz, Dicht gedrängt stehen die Menschen in den Fahrzeugen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). Sicher, die Maske ist Pflicht. Trotzdem bleibt die Sorge: Das Corona-Virus fährt mit, die Gefahr einer Ansteckung ist stets präsent. Daran ändert auch nichts, dass Wissenschaftler erklären, die Maske würde schützen.

Beispiel Linie 11, am 2. Dezember gegen 15 Uhr: Ein Fahrgast muss in die Stadt. An der Haltestelle Hegereiterstraße in Bühlau steigt er in den Ersatzbus ein, denn die Straßenbahnen kommen wegen Bauarbeiten derzeit nur bis zum Waldschlösschen. Zwischen der Endstation in Bühlau und dieser Haltestelle fahren Zieharmonikabusse. In so einem Bus steht der Mann jetzt. Es ist schon so voll, dass bereits nach zwei Stationen kaum noch Platz ist. Er macht ein Foto. Es zeigt. Dicht an dicht stehen die Fahrgäste.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Dieses Foto zeigt einen Ersatzbus der Linie 11 am 2. Dezember zwischen den Haltestellen Hegereiterstraße und Schwimmhalle Bühlau. Er ist viel zu voll, moniert der SZ-Leser, der das Foto angefertigt hat.
Dieses Foto zeigt einen Ersatzbus der Linie 11 am 2. Dezember zwischen den Haltestellen Hegereiterstraße und Schwimmhalle Bühlau. Er ist viel zu voll, moniert der SZ-Leser, der das Foto angefertigt hat. © privat

Einige Tage danach macht der Mann seinem Ärger Luft und schreibt an die DVB. "Weshalb erlauben Sie sich eine derartige Gefährdung Ihrer Kunden?" Es würden keine Regeln zum Infektionsschutz bzw. der Sächsischen Coronaschutz-Verordnung in Bezug auf Abstand und Gruppenbildung eingehalten. "So tragen die DVB sicher auch zu dem dramatischen Anstieg der Infektionszahlen bei." Auch an die SZ schickt er seine Beschwerde. Seine Kritik ist nicht neu, immer wieder gab es solche Hinweise, nicht erst im zweiten Lockdown. "Das war nicht das erste Mal", sagt der DVB-Kunde.

Fahrgäste werden ständig gezählt

Die Verantwortlichen der Verkehrsbetriebe wissen, dass das passieren kann. Rund um die Uhr zählen sie die Fahrgäste in den Bussen und Bahnen, eigens dafür sind jeweils eine ausreichende Zahl von Fahrzeugen mit entsprechenden Geräten ausgestattet. Außerdem bekommen sie Meldungen von den Fahrern und verarbeiten Hinweise von Fahrgästen, sagt DVB-Sprecherin Anja Ehrhardt. Kritisch wird es vor allem dann, wenn Unfallfahrzeuge die Strecken blockieren. Busse können dann vielleicht noch Umleitungen fahren, die Straßenbahnen kommen nicht weiter. Die Folge: Es können Fahrten ausfallen und planmäßige Fahrzeuge danach voller sein, als gewollt ist.

Bei einer Fahrgastzählung am Montagabend im Berufsverkehr war keiner der Ersatzbusse für die Straßenbahnlinie 11 am Waldschlösschen zu voll.
Bei einer Fahrgastzählung am Montagabend im Berufsverkehr war keiner der Ersatzbusse für die Straßenbahnlinie 11 am Waldschlösschen zu voll. © SZ/Christoph Springer

Dass auf der Strecke der 11 mehr Fahrgäste unterwegs sind, als im Berufsverkehr in einen Bus passen, weiß die DVB-Spitze. "Auch die Straßenbahnen sind kleiner als die üblichen Züge, deshalb fahren die Bahnen und Ersatzbusse nicht alle zehn Minuten, sondern im Acht-Minuten-Takt", sagt Erhardts Kollege Falk Lösch.

Und tatsächlich ein Test am Montagabend zwischen 16 Uhr und 18.30 Uhr, also zur Berufsverkehrszeit, ergibt: Keine der Bahnen, die am Waldschlösschen ankommen, ist voll. Auch keiner der Busse, die die Fahrgäste von dort aus weiter Richtung Weißer Hirsch und Bühlau bringen, ist ausgelastet. Im Gegenteil: In jedem Bus gibt es auch noch freie Sitzplätze. Acht Busse sind zu dieser Zeit laut Lösch zwischen dem Waldschlössen und Bühlau unterwegs. Manche davon fahren auch bis Weißig weiter. Zur gleichen Zeit gibt es eine schlechte Meldung für die DVB von der Grundstraße. Dort ist mindestens ein Bus der DVB voll bis auf den letzten Stehplatz in Richtung Bühlau.

DVB wollen Änderung im Schülerverkehr

Die 61, die 62 und die 75 sind die Buslinien, auf denen besonders viele Menschen mitfahren. Zu mehr als zwei Dritteln seien sie aber nur in Spitzenzeiten besetzt, sagt Anja Ehrhardt. Das passiere vor allem dann, wenn auch Schüler unterwegs sind. Deshalb untersuchen die Verkehrsbetriebe gerade exemplarisch den Schülerverkehr auf drei Linien: auf der 62, der 65 und der 10. Das Ergebnis soll in diesem Monat vorliegen und dann mit dem Stadtplanungsamt und dem Schulamt diskutiert werden. Das Ziel: Die DVB wünschen sich einen gestaffelten Schulbeginn, nicht alle Schüler einer Schule sollen zur gleichen Zeit mit dem Unterricht anfangen. Das könnte das Problem mit den vollen Bussen und Bahnen auch außerhalb von Corona-Zeiten entschärfen, sind die DVB-Verantwortlichen überzeugt.

Ob es dazu kommt? Einen ähnlichen Versuch gab es bereits im Gebiet des Regionalverkehrs Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die gewünschte Staffelung des Schulbeginns ist gescheitert - am Widerstand von Schulen und Eltern, sagt Lösch.

Meistgelesen zum Coronavirus:

Regelmäßige Verstärkungen des Angebots auf Strecken wie dem Ersatzverkehr für die 11 planen die DVB nicht. Die Verantwortlichen sind überzeugt, dass das Angebot ausreicht - nicht zuletzt, weil auch jetzt im Lockdown die Zahl der Fahrgäste im Vergleich zu "normalen Zeiten" deutlich gesunken ist. Von noch reichlich 60 Prozent berichtete Anja Erhardt vergangene Woche. Und sie sagt: "Wir können in den Fahrzeugen keinen Mindestabstand garantieren. Damit ist der Öffentliche Personennahverkehr überfordert." Deshalb gelte in den Bussen und Bahnen ja auch die Maskenpflicht.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Weiterführende Artikel

Weniger Busse und Bahnen in Dresden unterwegs

Weniger Busse und Bahnen in Dresden unterwegs

Die Verkehrsbetriebe schränken ihr Angebot wegen der Pandemie weiter ein. Warum das aus Sicht der DVB nicht anders geht.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Mehr zum Thema Dresden