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Aus diesem Müll da wird noch was

Das Dresdner Start-up HolyPoly bietet Herstellern an, aus ihrem alten Plastikmüll etwas Neues zu machen. Einer der ersten Partner ist der Spielzeughersteller Mattel.

Altes Spielzeug, sortiert nach Farben, wird einen neuen Zweck erfüllen.
Altes Spielzeug, sortiert nach Farben, wird einen neuen Zweck erfüllen. © HolyPoly

Der Wandel ist eingeleitet – und wird nun offiziell besiegelt. Plastikgeschirr und andere Einwegprodukte sollen ab Sonnabend aus sämtlichen Regalen in Deutschland verschwinden. Teller, Messer, Gabeln, Wattestäbchen, Strohhalme, Luftballonstäbe – das EU-weite Verbot betrifft viele vertraute Produkte, die Läden aller Art bislang noch Tag für Tag angeboten haben. Auch To-Go-Becher, Fast-Food-Verpackungen und Wegwerf-Behälter aus Styropor will die EU aus dem Markt verbannen. Insgesamt umfasst die Kunststoff-Richtlinie aus dem Jahr 2019, die jedes Mitgliedsland ab dem 3. Juli umsetzen muss, zehn Produkte, die Länder entweder nicht mehr in Umlauf bringen dürfen oder für deren Reduktion sie besondere Maßnahmen ergreifen müssen.

Der Grund: Die Produkte machen neben Fischfanggeräten 70 Prozent des Meeresmülls in der EU aus. Die Kunststoffproduktion sorgt aber nicht nur für Abfallberge, sondern erzeugt auch Treibhausgasemissionen und treibt damit den Klimawandel voran. Auf eine Tonne Plastik entfallen für Herstellung und Verbrennung knapp fünf Tonnen CO2, betont das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem aktuellen Wochenbericht und fordert Anreize und Standards für die Recycelbarkeit von Plastikprodukten.

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Genau dem hat sich das 2020 gegründete Dresdner Start-up HolyPoly verschrieben. Es begleitet seit diesem Frühjahr Markenhersteller dabei, Teil der Lösung des Plastikproblems zu werden. Das junge Unternehmen mit derzeit 13 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bietet von der Beratung, über Design bis zur technischen Umsetzung des Recyclings Dienstleistungen an, um den Anteil recycelter Produkte zu erhöhen. „Wir arbeiten für eine Welt, in der der Einsatz von recyceltem Plastik für die Herstellung neuer Produkte normal geworden ist“, sagt Johanna Bialek, eine Geschäftsführerin der HolyPoly GmbH. Ziel seien hochwertige Produkte, die zu 100 Prozent aus wiederverwertetem Material und zu 100 Prozent recyclingfähig sind.

Hochbeete für Kinderhospitz aus altem Spielzeug

Auch wenn das junge Start-up erst seit Mitte Mai aktiv auf Kundenwerbung ist, gibt es schon 20 Kunden, mit denen konkret sechs Projekte laufen. Einer ist Mattel. Der zweigrößte Spielhersteller der Welt möchte bis 2030 nur noch Kunststoffe verwenden, die recycelt, recycelbar oder biobasiert sind. „Wie das genau erreicht werden kann, ist jedoch noch weitestgehend unklar, da die Kreislaufwirtschaft erst am Anfang steht und es keine Lösungen von der Stange gibt“, sagt Matthias Rödder, ebenfalls in der Geschäftsführung von HolyPoly.

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In einem ersten Pilotprojekt haben die Dresdner mit Mattel zum 90. Fisher-Price-Jubiläum im letzten August ein zeitlich begrenztes Rücknahmesystem für gebrauchtes Plastikspielzeug konzipiert und ausprobiert. Aus dem rückgeführten Plastik wurden Kunststoffplatten gepresst, mit denen durch HolyPoly Hochbeete für ein Kinderhospiz designt und gebaut wurden. Angesichts der positiven Erfahrungen ist im Mai 2021 das gemeinsame Projekt „PlayBack“ gestartet, für das HolyPoly den Recyclingprozess organisiert und alle beteiligten Akteure koordiniert. Als Ergebnis soll aus dem gesammelten Plastik ein ganzer Spielplatz entstehen. „Derartige Modellprojekte liefern Erkenntnisse bezüglich der praktischen Umsetzung nachhaltiger Produktionsprozesse und geben Empfehlungen, wie eine Kreislauffähigkeit bereits bei der Konzeption und dem Design der Produkte mitgedacht werden kann“, sagt Rödder.

Denn bislang gibt es kaum Anreize für die Hersteller, bei Produkten und Verpackungen auf eine spätere Wiederverwertbarkeit zu achten, kritisiert das DIW in der Studie. Die Forscher fordern deshalb Produktstandards und eine Weiterentwicklung der Gebührenstruktur des Dualen Systems. „Das Beispiel Mattel zeigt, jeder Schritt Richtung Kreislaufwirtschaft ist Pionierarbeit“, sagt Rödder. HolyPoly bietet den Marken an, nicht jedes Problem selbst lösen zu müssen. Dadurch würden finanzielle Risiken beim Einsatz recycelter Kunststoffe minimiert und gleichzeitig Erfolgswahrscheinlichkeit, Wirkungsgrad und Geschwindigkeit in der Umsetzung nachhaltiger Strategien erhöht, wirbt der Gründer. (mit dpa)

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