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Ein Briefkasten gegen Mobbing

Tafel und Briefkasten: Lisa Scheffler, Tim Hansel (vorn) und Ayleen Walther mit den beiden wichtigen äußeren Zeichen für Dohnas „Wachsame Schule“. © Daniel Schäferr

Jeder zehnte Schüler macht schlimme Erfahrungen. Das will Dohnas Schule ändern. Mit einem sachsenweit einmaligem Plan.

Ayleens beste Freundin hat es erlebt. Es war für sie krass, sagt die Neuntklässlerin. Durch Mobbing sollte das Mädchen fertiggemacht werden. Auch Lena erinnert sich an einen Fall, bei dem schließlich der Vater eingriff. Zwei Beispiele von Dohnaer Schülern. Damit diese Fälle weniger werden, und schneller und besser geholfen werden kann, beteiligt sich die Schule jetzt an einem Programm der Werner-Bonhoff-Stiftung. „Wachsame Schule“ steht für den Kampf gegen Mobbing.

Die Schule hat dafür ein Konzept ausgearbeitet. Dabei und auch in Zukunft wird sie von der Stiftung unterstützt. Äußeres Zeichen für den Kampf und die Unterstützung ist eine Tafel. Sie wurde am Montag von Stiftungs-Vorstand Till Bartelt übergeben und wird an der Schule angebracht. Zweites Zeichen ist ein Briefkasten in der Schule. Zweimal befand sich hier schon Post: Berichte von Schülern, die Mobbing beobachtet hatten. Um solche Erlebnisse zu schildern, gibt es jetzt auf der Internetseite der Schule ein Muster eines Hilfe-Briefes. Diese Berichte oder Hinweise dürfen auch anonym sein. In jedem Fall sind sie für eine Gruppe von Lehrern Ausgangspunkt, sich zu kümmern.

Luca aus der neunten Klasse kennt Fälle aus der Vergangenheit, in denen solche Hinweise und konsequentes Handeln gut gewesen wären. Zwar hatte es sich damals geklärt, doch nur, weil hart durchgegriffen wurde. Das ist auch künftig nicht ausgeschlossen, sagt Schulleiterin Antje Ambos. Wenn alle Gespräche und Maßnahmen nicht helfen, wird die Polizei eingeschaltet. So weit aber soll es nicht kommen.

Für Lisa ist die Gemeinschaft an der Dohnaer Schule gut, es werde niemand ausgegrenzt, es herrsche ein gutes Miteinander. Das habe auch sie aufgefangen, als es ihr in den vergangenen Wochen nicht so gut ging. „Aber seit Sonntag ist alles wieder gut.“ Ayleen freut sich trotzdem über die „wachsame Schule“, weil sie hofft, dass alle sensibilisiert werden. Auch die Lehrer, sagt sie. Da habe sie manchmal das Gefühl, sie würden das mit dem Mobbing gar nicht so richtig wahrnehmen. Das spielte auch in der Schülerbefragung eine Rolle, die am Anfang des Projektes stand.

Die Dohnaer Schule ist die erste in Sachsen, die sich mit der Tafel als „Wachsame Schule“ bekennt. Mit etwa fünf weiteren ist man im Kontakt, sagt Stiftungsvorstand Bartelt. Bundesweit machen bisher 28 Schulen aktiv mit. Das Projekt wendet sich an Opfer, Täter, Beobachter. Mobbing gehört zum Alltag von jedem zehnten Schüler in Deutschland. Luca hofft, dass es nun nicht ein anderes Problem gibt: dass die Anonymität zu Denunzierungen führt.