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Ein eigenes Haus für die Musikschule

Für die Einrichtung werden in Bautzen seit Jahren neue Räume gesucht. Nun ist eine Lösung in Sicht.

© Uwe Soeder

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Bautzen. Hier dreht sich seit Jahren alles um Führerscheine, Fahrzeugpapiere und Kfz-Kennzeichen – in Zukunft aber wahrscheinlich um Notenlehre, Chorgesang und Instrumentalunterricht. Denn die Landkreisverwaltung möchte die Kreismusikschule in Bautzen da unterbringen, wo jetzt Kfz-Zulassung und Fahrerlaubnisbehörde sitzen, – und damit endlich einen eigenen Standort für die Einrichtung schaffen. Auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist, Charlotte Garnys frohlockt bereits: „Wir fahren jetzt schon immer voller Vorfreude am Haus in der Tzschirnerstraße vorbei“, sagt die Leiterin der Kreismusikschule. Seit wenigen Wochen weiß sie von den Überlegungen, die Einrichtung künftig in dem Gebäude Tzschirnerstraße 14 a unterzubringen, und ist mehr als angetan. „Das ist für uns ein großer Lichtblick!“

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Seit vier, fünf Jahren kämpfen Charlotte Garnys und ihre Mitarbeiter zunehmend mit Platzproblemen. Die Räume, welche die Musikschule seit 1999 im Gebäude des Berufsschulzentrums an den Schilleranlagen nutzt, reichen mittlerweile nicht mehr aus. „Das hat zum Beispiel mit dem Trend zum Gruppenunterricht zu tun“, erklärt Garnys. Die meisten Zimmer sind recht klein, so stoße man schnell an Grenzen, wenn mehrere Schüler zugleich bei einem Lehrer Instrumentalunterricht haben.

Größere Ensembles brauchen mehr Platz

Auch die an sich erfreuliche Tatsache, dass viele Schüler nicht einfach nur ein Instrument lernen, sondern in verschiedenen Formationen auch gemeinsam musizieren, schafft Kapazitätsprobleme. „Unsere Ensembles sind größer geworden“, sagt Charlotte Garnys. Aber außer einem etwas größeren Raum im Keller könne man für deren Proben nur die Aula nutzen. Die werde allerdings zunehmend auch vom Berufsschulzentrum selbst in Anspruch genommen. So zeugen Tische und Stühle, wo sonst nur Stuhlreihen stehen, dieser Tage davon, dass dort gerade Prüfungen geschrieben wurden. Auch einige weitere Räume werden seit jeher von Musik- und Berufsschülern gleichermaßen genutzt. „Dadurch sind wir bei der Planung nicht so flexibel.“ Immerhin sind außer dem regulären Unterricht auch Vorspiele, Musizierstunden und extra Proben – beispielsweise in Vorbereitung auf Wettbewerbe oder Prüfungen – einzuplanen.

Als dann vor zwei Jahren noch drei Unterrichtsräume im Keller gesperrt werden mussten, weil sich an den Wänden Schimmel gebildet hatte, geriet das Fass zum Überlaufen. Auch Eltern forderten nun mit Nachdruck nach lange ergebnisloser Suche endlich eine Lösung. Eine schnelle wurde allerdings nicht gefunden. Zwar hatte der Landkreis schon angekündigt, dass Räume in den benachbarten Gymnasien genutzt werden sollten. Doch das zerschlug sich. So blieb nach einigem Hin und Her alles beim Alten. Das Problem mit dem Schimmel wurde aber beseitigt. Nach dem Einbau einer Lüftung sei es auch nicht wieder aufgetreten, so Garnys. „Wir hatten im April erst wieder eine Messung.“ Die habe keine Auffälligkeiten ergeben. Die drei betroffenen Räume werden bereits seit längerem wieder genutzt.

Umzug dauert noch

Mit der Platzknappheit aber wird sich die Schule noch geraume Zeit arrangieren müssen. Denn das Haus in der Tzschirnerstraße steht nicht so schnell zur Verfügung. Erst muss eine Lösung für Kfz-Zulassung und Führerscheinstelle gefunden werden. Wahrscheinlich können sie mit in den Bahnhof ziehen, wo der Landkreis nach der Sanierung die oberen Etagen ohnehin für seine Verwaltung anmieten wird. „Diese Umsiedlung wäre nach ersten Abstimmungen möglich und auch sehr bürgerfreundlich“, so Landkreis-Sprecher Gernot Schweitzer. Doch vor Ende 2019 werden die Büros nicht bezugsfertig sein. Und dann müsste das Haus in der Tzschirnerstraße noch flottgemacht werden für die Musikschule. Entgegen zunächst anderslautender Aussagen soll auch nur die Musikschule und nicht zugleich die Kreisvolkshochschule dort untergebracht werden. Dennoch wäre wohl ein Anbau nötig, um eben auch den dringend benötigten größeren Probenraum zu schaffen.

Bis die Umzugskisten gepackt werden können, dauert es also noch. Aber das nehme man nun in Kauf, so Charlotte Garnys. Denn der Standort erfülle das allerwichtigste Kriterium: Er liegt zentrumsnah, ist für die Schüler gut erreichbar, Bus und Bahn sind nicht weit. Und die Bautzener Musikschule hätte dort endlich ein eigenes Haus. Vielleicht spätestens zu ihrem 70. Geburtstag im Jahr 2021?