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Ein Schild zu viel an der Albertbrücke

Auf dem halb gesperrten Radweg ist nur wenig Platz. Nun sollen Radler sogar noch in die Gegenrichtung fahren.

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© SZ/Peter Hilbert

Von Peter Hilbert

Dietrich Ewers freut sich über die sanierte Albertbrücke. Der ehemalige Altstädter Ortsamtsleiter und SPD-Stadtrat hat sich vor Jahren mit dafür starkgemacht, dass sie verbreitert wird. „Sie ist schön geworden, bedeutend besser als vorher“, sagt der 77-jährige Johannstädter. Mit jeweils über vier Metern sind die Rad- und Gehwege jetzt deutlich breiter als zuvor.

Etwa auf einem Kilometer Länge staut sich der Verkehr morgens am Käthe-Kollwitz-Ufer. So lang war der Stau vorher meist nicht. Die Stadt hofft, dass sich der Verkehr noch einpegelt.
Etwa auf einem Kilometer Länge staut sich der Verkehr morgens am Käthe-Kollwitz-Ufer. So lang war der Stau vorher meist nicht. Die Stadt hofft, dass sich der Verkehr noch einpegelt. © SZ/Peter Hilbert

Ein Problem hat Ewers, der am Thomas-Müntzer-Platz wohnt, allerdings. Steigt er ins Auto, steht er am Käthe-Kollwitz-Ufer sofort im meist einen Kilometer langen Stau. Seit der Brückenfreigabe am Montag ist bis in die Vormittagsstunden hinein Stop and go angesagt. Also schwingt sich der aktive Senior aufs Fahrrad, um über die Albertbrücke zu kommen. Was ebenfalls nicht einfach ist. Am Neustädter Ende vorschriftsmäßig nach links abzubiegen, ist schwierig. Offiziell sollen Radfahrer erst einen Umweg bis hin zur Hoyerswerdaer Straße nehmen, um dann abbiegen zu können.

Doch nun entdeckte Ewers ein Schild, über das er nur noch mit dem Kopf schütteln kann. Es steht am Johannstädter Brückenende, direkt an der Ecke zum Terrassenufer. Der Rad- und Gehweg in Richtung Altstadt ist auf dieser elbabwärts liegenden Seite ohnehin sehr schmal, da wegen des Geländerbaus die Hälfte gesperrt ist. Nun lädt ein Schild „Gemeinsamer Rad- und Gehweg“ Radler noch ein, hier auch in der Gegenrichtung zu fahren. Dabei gibt es auf der anderen Brückenseite einen Weg mit voller Breite. „Das Schild ist ein Eulenspiegelstreich“, sagt Ewers, als er sich im morgendlichen Berufsverkehr mit dem Fahrrad probeweise in die Gegenrichtung postiert. Ihm gegenüber eine lange Schlange von Radfahrern. Immerhin kommen hier in Spitzenstunden wie dieser rund 800 von ihnen über die Elbe. „Und dann soll man sich noch in der Gegenrichtung hindurchdrängeln?“, fragt Ewers ungläubig. „Ich habe keinen gesehen, der das versucht hat.“

„Wer lässt sich denn so was einfallen?“, fragt die 27-jährige Sabrina Werner, die mit ihrem Fahrrad gerade zur Arbeit unterwegs ist, beim Blick aufs Schild. „Das geht gar nicht“, stimmt ihr auch Ronny Meyer zu. Der Cossebauder ist zwar froh, dass jetzt endlich wieder alle Elbebrücken frei sind. Der 38-Jährige muss schließlich jeden Tag auf seinem Arbeitsweg über die Elbe. Die sanierte Albertbrücke findet er schön. Doch die Stadt sollte zumindest darauf achten, dass auch die Radwege ordentlich beschildert sind.

Die SZ hatte am Mittwoch im Rathaus nachgefragt, warum das Schild dort aufgestellt wurde. Doch die Antwort ist bisher noch offen.