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Großenhain

Hoeneß-Trikot aus Wäschekorb gefischt

Lothar Kurbjuweit ist Stargast beim nächsten Fußballtalk in Schönfeld. Da wird es sicher auch ums legendäre „Klassenkampfspiel“ DDR gegen BRD gehen.

Februar 1982: Lothar Kurbjuweit (links) muss in dieser Szene den Dresdner Ralf Minge ziehen lassen. Doch der heute 68-Jährige galt in der DDR als zuverlässiger Verteidiger.
Februar 1982: Lothar Kurbjuweit (links) muss in dieser Szene den Dresdner Ralf Minge ziehen lassen. Doch der heute 68-Jährige galt in der DDR als zuverlässiger Verteidiger. © Archiv/SZ

Lothar Kurbjuweit wurde Olympiasieger mit der Fußballnationalmannschaft der DDR, stand mit dem FC Carl Zeiss Jena im Finale des Europapokals der Pokalsieger. 357 Oberliga-Spiele bestritt er und lief 66 Mal für die DDR-Nationalmannschaft auf. Die Fußballkarriere des heute 68-Jährigen begann 1959 in Seerhausen bei der BSG Traktor. 

Noch als Schüler wechselte er 1965 zur BSG Stahl Riesa, bestritt 1967 sein erstes von schließlich 18 Juniorenländerspielen. Als Riesa 1968 in die DDR-Oberliga aufstieg, bestritt er bereits als 17-Jähriger seine ersten Erstligaspiele. Mit 19 Jahren wurde er am 16. Mai 1970 zum ersten Mal in der A-Nationalmannschaft in der Begegnung Polen – DDR (1:1) auf der Position des linken Innenverteidigers eingesetzt.

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Eine eindrucksvolle Karriere. Nicht nur deshalb ist Kurbjuweit geradezu prädestiniert, Moderator Gert Zimmermann beim Schönfelder Fußballabend am 23. Mai Rede und Antwort zu stehen.

Dann wird es sicher auch ums legendäre „Klassenkampfspiel“ DDR gegen BRD bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 gehen, das die Ostdeutschen 1:0 gewannen. Mit Lothar Kurbjuweit in der Startelf. Der hat in einem Interview vor vier Jahren einige Erinnerungen aufgezeigt: Die Stimmung unter den Zuschauern in Hamburg sei „etwas aufgeheizt“ gewesen. Von den Rängen seien Sprechchöre wie „Ulbricht-Schweine“ gekommen. „Doch je länger es 0:0 stand, desto mehr konnten wir mit unserer Kraft und Ausdauer die technische Klasse eines Beckenbauers oder Overaths wettmachen“, so Kurbjuweit. Sein Gegenspieler war Uli Hoeneß. Von ihm erhielt der gebürtige Seerhausener letztlich sogar ein Trikot – allerdings auf Umwegen. „Mit Abpfiff ist die westdeutsche Mannschaft gleich in die Kabine verschwunden. Die Trikots wurden nicht einzeln getauscht. Wir haben die im Wäschekorb gesammelt und in die andere Kabine gegeben und bekamen die Trikots der BRD-Elf im Wäschekorb zurück. Da habe ich mir dann das von Uli Hoeneß rausgesucht“, erklärte Lothar Kurbjuweit.

Olympiagold 1976 war sein größer sportlicher Erfolg. Seine Begründung ist einleuchtend. Im Finale wurde Polen 3:1 geschlagen, das fast mit der gleichen Mannschaft zwei Jahre zuvor WM-Dritter geworden war. Auch andere Ostblock-Staaten liefen mit A-Teams in Montreal auf. „Die Sowjetunion war bärenstark, genau wie die Tschechen, die im gleichen Jahr Europameister wurden. Deshalb bewerte ich die Goldmedaille bis heute als meinen größten Triumph als Spieler“, blickt der Routinier zurück.

Auf Clubebene lief er über 300 Mal für den FC Carl Zeiss Jena auf. Nachhaltigstes Erlebnis hier ein 4:0 gegen den AS Rom im Europapokal, nachdem das Hinspiel 0:3 verlorenging. Ein paar Jahre später wurde er Trainer von FC Carl Zeiss und kurz darauf bei Rot-Weiß Erfurt. Doch als Coach verpasste er mit den Blumenstädtern nach der Wende die Qualifikation für die 2. Bundesliga. „Erfurt stieg ab, und ich konnte meinen Traum begraben, als Trainer auch im übrigen Bundesgebiet Fuß zu fassen“, so das Fazit.

Vom Fußball lassen konnte Lothar Kurbjuweit dennoch nicht. Kurze Zeit später war er Präsident in Jena, 2005 wurde er Scout in Nürnberg.

Fußballabend im Schloss Schönfeld: 23. Mai, Beginn 19.30 Uhr, Eintritt 12 Euro