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Eine halbe Tonne Cranberrys

Hermann und Ines Ilgen sind mit ihrer Ernte in Neuklingenberg zufrieden. Das lag auch an den letzten Sommerwochen.

© Egbert Kamprath

Von Stephan Klingbeil

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Klingenberg. Nichts ist mehr da, alles ist abgepflückt. Die Ernte auf der Cranberryplantage von Hermann und Ines Ilgen in Neuklingenberg ist vorbei. „Es lief dieses Jahr richtig gut, es ist praktisch alles blank geputzt“, erklärt Hermann Ilgen. Er ist zufrieden.

Zum Saisonende konnte auf der Cranberryfarm in dem Klingenberger Ortsteil noch mal an drei Wochenenden hintereinander geerntet werden. „Sogar im Regen haben Leute gepflückt“, so der 56-jährige Ingenieur. „Einige kamen mehrmals her.“

Rund 500 Kilogramm der Beeren seien dieses Jahr auf der 1 000 Quadratmeter großen Anbaufläche der Ilgens geerntet worden. Mit dieser Menge hatten sie ursprünglich erst ab der vierten Saison kalkuliert – nicht schon in der zweiten.

Der sonnige September hat die Beeren noch mal so richtig prächtig reifen lassen. „Die Ernte war damit dieses Jahr relativ spät“, erklärt Hobbygärtner Hermann Ilgen. Voriges Jahr lag der Gesamtertrag der Jungpflanzen bei rund 200 Kilogramm. Der Ertrag in diesem Herbst war damit mehr als doppelt so groß wie im Jahr zuvor, erklärt das Paar aus Dorfhain stolz: „Wir freuen uns aber auch über das positive Echo von den Leuten, über die Wertschätzung. Unsere Arbeit der vergangenen zwölf Jahre hat sich auch deshalb ausgezahlt.“

Cranberrys ziehen offenbar. Ihr Gehalt an Vitamin C und Nährstoffen, die sekundären Pflanzenstoffe: Der Beere werden nicht zu Unrecht Heilwirkungen nachgesagt. Sie habe einen positiven Einfluss auf Gefäß- und Herz-Kreislauf-System. Außerdem soll sie Nebenbeschwerden bei Prostata-Erkrankungen verringern.

In den USA und in Kanada kannten sie bereits die dortigen Ureinwohner. Hierzulande konnte man sie früher unter einem anderen Namen finden. So kannte man die Cranberry als Kulturpreiselbeere. Die rote Frucht ist zwar verwandt mit einer einheimischen Sorte. Aber nicht mit der Preiselbeere, sondern mit der Heidelbeere. In Deutschland wird die Cranberry aber auch Moosbeere oder Kranichbeere genannt.

Die Ilgens hatten sich schon seit vielen Jahren für die nährstoffreiche Frucht interessiert. „In unserem Garten am Haus haben wir mit zwei, drei Pflanzen begonnen“, sagt Ilgen, der in der Elektrobranche arbeitet, während seine vier Jahre jüngere Frau als Lehrerin für Mathematik und Wirtschaftslehre an der Oberschule in Klingenberg tätig ist. Doch 2014 machten die Ilgens aus ihrem Hobby eine Nebentätigkeit.

Viele kamen mehrmals pflücken

„Die Cranberry ist ein Alleskönner. Sie ist nicht nur supergesund, sondern auch vielfältig kulinarisch verwertbar, und man kann sie trotz ihres herben Geschmacks sogar roh essen“, erklären die Hobbygärtner aus Dorfhain ihre Begeisterung für den Anbau der roten Früchte. Und wegen ihres natürlichen Konservierungsstoffs hält sich die Beere lange, im Keller zum Beispiel.

Als ihr Garten zu klein geworden war, fand sich zum Glück für die Dorfhainer die Anbaufläche auf der Neuklingenberger Höhe. Sie kauften das Stück Land, investierten 25 000 Euro. Hinter dem Hotel „Zur Neuklingenberger Höhe“. Vor zweieinhalb Jahren stecken sie mit Freunden 5 000 Cranberry-Pflanzen der eher anspruchslosen Sorte „Stevens“. Ein Sand-Torf-Gemisch hält das Wasser länger in der oberen Erdschicht, Cranberrys sind Flachwurzler. Hermann Ilgen entwickelte eigens ein Bewässerungssystem, er baut einen 35 Meter tiefen Brunnen und eine Sprinkleranlage.

Das alles muss nun winterfest gemacht werden, sagt der 56-Jährige – das wird die Ilgens in den kommenden Wochen beschäftigen. Die Pflanzen selbst werden im kommenden Jahr sicher erneut viele Beeren tragen. Sie müssen nicht jedes Jahr neu gesetzt werden, sie können Hermann Ilgen zufolge 50 bis 60 Jahre alt werden.

Der Ertrag von diesem Jahr sollte auch bei der Ernte 2017 möglich sein. Erste Vorbestellungen gebe es bereits. Die in Sachsen einzigartige Cranberryfarm in Neuklingenberg beliefert auch nicht nur Privatkunden und Bekannte, sondern zählt auch zwei, drei Gaststätten zu ihren Geschäftspartnern. Der dritte Teil der Ernte wird dann über die Selbstpflücke verkauft. Und dabei kamen dieses Jahr mehr als 130 Leute – viele von ihnen mehrmals. Die meisten der Cranberryfans haben ihre E-Mail-Adresse hinterlassen. Sie alle werden informiert, sobald die nächste Ernte ansteht.