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Electra sagt laut Servus

Die Dresdner Rockband singt zum Abschied im Alten Schlachthof noch einmal ihre bekanntesten Lieder - und zeigt letztmalig „Die Sixtinische Madonna“.

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© Andreas Weihs

Von Andreas Weihs

Dresden. Drei Tage ausverkauftes Haus im Alten Schlachthof, eine Band auf der Bühne, deren Musiker schon längst die Rockerrente genießen könnten, eine Band die zudem auch seit mehr als drei Dekaden mit ihren Liedern aus den einschlägigen Hitparaden verschwunden ist. Electra haben sich fast 50 Jahre in den Dienst der Rockmusik gestellt und zelebrieren nun ihren glanzvollen Abgesang, ihren „The Last Waltz“ eben. Die Dresdner Rockband electra sagt laut Servus und singt zum Abschied noch einmal ihre bekanntesten Lieder, vor allem aber auch „Die Sixtinische Madonna“ - in einer opulenten Aufführung mit dem Großen Chor Hoyerswerda und Tenor Jens-Uwe Mürner.

Electra im Alten Schlachthof Dresden

Gaben am Freitag das erste von insgesamt drei Abschideskonzerten im Alten Schlachthof in Dresden: Bernd Aust und seine Band electra.
Gaben am Freitag das erste von insgesamt drei Abschideskonzerten im Alten Schlachthof in Dresden: Bernd Aust und seine Band electra.
Impressionen des Konzertes ...
Impressionen des Konzertes ...
Gemeinsam mit dem Großen Chor Hoyerswerda, dem Tenor Jens-Uwe Mürner führt electra ihre erstmals 1980 veröffentlichte Rocksuite „Die Sixtinische Madonna“ zum letzten Mal in Dresden auf.
Gemeinsam mit dem Großen Chor Hoyerswerda, dem Tenor Jens-Uwe Mürner führt electra ihre erstmals 1980 veröffentlichte Rocksuite „Die Sixtinische Madonna“ zum letzten Mal in Dresden auf.
Auch am 30. und 31. Mai sind electra und Gäste noch einem im Alten Schlachthof zu erleben - beide Konzerte sind ausverkauft.
Auch am 30. und 31. Mai sind electra und Gäste noch einem im Alten Schlachthof zu erleben - beide Konzerte sind ausverkauft.

Bach eröffnet den Abend

Der Freitagabend beginnt instrumental, mit Bach, mündet aber schnell in den „Säbeltanz“, der schon 1976 für Furore sorgte. Mit Gisbert Koreng kommt danach der erste Sänger des Abends für drei Songs (u.a. „Einmal ich, einmal du“) auf die Bühne, und lässt sich ablösen von Stephan Trepte, der - neben anderen - auch den wohl bekanntesten Pop-Hit von electra singt: „Nie zuvor“.

Um für ihre Fans eine interessante Setliste zusammen zu stellen, hat die Band keine Not, sie schöpft aus einem großen Fundus vieler bekannter Stücke aus den knapp 50 Jahren ihrer Existenz. Von Adaptionen über Rock, von Pop bis Klassik - und natürlich immer wieder Anleihen an Ian Anderson und Jethro Tull, die Band, die Bernd Aust 1991 zu seinem ersten Konzert als Veranstalter erstmals nach Dresden holte und die seine musikalische Welt, seinen Ausdruck, sein Flöten-Spiel immer wieder prägte. Gleich drei Stücke von Jethro Tull sind zu hören und natürlich lässt es sich der Flötist auch nicht nehmen, wie sein großes Vorbild Ian Anderson das rechte Bein aufzustellen und mit der Melodie schwingen zu lassen.

Erste Rocksuite zum letzten Mal

Wenig lenkt von der Musik ab, das Licht ist unaufgeregt, die Musiker haben mehr oder weniger ihren Platz, kein Raum für überschwängliche Show. Die Bühne ist eher spartanisch aufgebaut, kein unnötiger Schnickschnack, wohl auch dem knappen Platz geschuldet, denn im letzten Konzertdrittel kommt noch einmal ein Pulk von Sängern hinzu: der Große Chor von Hoyerswerda. Gemeinsam mit dem Tenor Jens-Uwe Mürner führt electra dann ihre erstmals 1980 veröffentlichte Rocksuite „Die Sixtinische Madonna“ zum letzten Mal in Dresden auf. Mehr als 20 Minuten erzählen sie die Geschichte des weltberühmten Gemäldes. Immer noch beeindruckend und in keinster Weise angestaubt.

Electra lassen es bei ihrem „The Last Waltz“ zweieinhalb Stunden noch einmal richtig krachen. Und das sogar wörtlich, denn der Sound, vor allem bei Rockstücken wie „Dicke Bohnen“ ist sehr kraftvoll und energetisch. Obwohl die „Musik-Rentner“ nicht euphorisch hin und her springen und auch keine Instrumente in die Luft werfen, geschweige denn, sie zertrümmern, merkt man ihnen die Spielfreude an. Denn entscheidend ist, was aus den Boxen kommt - und da beweist electra immer noch, dass gelerntes Handwerk auch im Musikgeschäft eine solide Basis ist für Qualität.

Zusatzkonzerte: 30.05.2015 Alter Schlachthof / 31.05.2015 Alter Schlachthof