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„Es könnten 300 Mitarbeiter werden“

MS PowerTec-Chef Frank Alt sagt im Interview, warum der Auto-Zulieferer aus Zittau so schnell wächst. Mit Niedriglöhnen hat das nichts zu tun.

© SZ Thomas Eichler

Von Thomas Mielke

Schneller als Frank Alts Mannschaft von MS PowerTec wächst derzeit keine andere Belegschaft einer Zittauer Firma. Der Zulieferer für Lkw-Teile im Industriegebiet Weinau produziert vor allem für die anderen Firmen der MS-Gruppe, in erster Linie für den zweiten Standort in Deutschland und das Werk in den USA. Alt, Geschäftsführer von MS PowerTec und unter anderem wegen des rasanten Personalaufbaus vor einigen Monaten zum Zittauer „Unternehmer des Jahres“ gekürt, sagt im SZ-Gespräch, ob zu den derzeit 150 Mitarbeitern noch mehr hinzukommen sollen, ob sie nur Mindestlohn verdienen und wie es in den nächsten Jahren mit dem Zittauer MS-Standort weitergehen soll.

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Die Firma MS PowerTec stellt im Industriegebiet Weinau vor allem Teile für Laster her.
Die Firma MS PowerTec stellt im Industriegebiet Weinau vor allem Teile für Laster her. © Luftbildpilot Harald Anders

Herr Alt, MS PowerTec ist die derzeit am schnellsten wachsende Firma Zittaus. Wie viele Mitarbeiter wollen Sie noch einstellen?

Eine genaue Zahl kann ich nicht sagen. Das hängt unter anderem von den Aufträgen, von den Stückzahlen und der dafür benötigten Technik ab. Aber wir haben kürzlich noch eine Fläche von einem Hektar zu unserem Firmengelände dazugekauft. Damit ist die klare Strategie verbunden, dass wir den Standort Zittau in den nächsten Jahren weiter ausbauen wollen. Auf der Fläche könnten wir eine Halle mit einer Produktionsfläche von rund 4 500 Quadratmetern errichten. Damit würde sich unsere Produktionskapazität verdoppeln.

Umgerechnet auf die Mitarbeiter würde das bedeuten, dass Sie planen, mittelfristig von derzeit reichlich 150 auf 300 Mitarbeiter aufzustocken?

Ja, auf jeden Fall. Aber das geht nicht unendlich so weiter. Es gibt auch die klare Firmenstrategie, dass die Standorte überschaubar bleiben sollen.

Wächst die gesamte MS-Gruppe so dynamisch wie die Zittauer Tochter?

MS Spaichingen ist gerade neu strukturiert worden. Der Bereich Powertrain, zu dem wir gehören, ist bei laufender Produktion aus der Stadt in ein Gewerbegebiet einer anderen, nahen Gemeinde im Kreis Tuttlingen in Baden-Württemberg gezogen. Das war eine Mammutaufgabe, bei der unter anderem wir im Rahmen der engen Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe mit Vorprodukten geholfen haben. Der Ultraschallbereich, unser zweiter Geschäftsbereich, bleibt vorerst in Spaichingen.

Ist die Zahl der Mitarbeiter in Spaichingen und Trossingen gestiegen?

Im Ultraschallbereich schon und im Powertrainbereich ist eine Kleinserien- und Prototypen-Produktion dazugekommen. Aufgrund stärkerer Nachfrage der Nutzfahrzeugkunden in Europa im laufenden Geschäftsjahr ist die Mitarbeiterzahl in Trossingen auch angestiegen.

Warum aber wächst Zittau dynamischer als Trossingen?

Das rührt sicherlich aus der Vergangenheit her. Wir sind zwischenzeitlich Baugruppen Zulieferer innerhalb der Gruppe und hier insbesondere für die Standorte Trossingen und USA. Die Stückzahl unseres Hauptprodukts, der Nockenwellenrahmen für den Daimler-Weltmotor, ist stark gestiegen. In den letzten Jahren hatten wir immer mehr als 20 Prozent Wachstum. Erst 2016 wird das Wachstum etwas geringer ausfallen.

Mit dem Lohnunterschied hat das schnellere Wachstum in Zittau also nichts zu tun?

Nein. Für die Zukunft kann man nicht auf diesen Lohnvorteil bauen. In wenigen Jahren wird man gute Mitarbeiter nicht mehr zu den Konditionen finden, wie noch vor ein paar Jahren. Zumal wir vor allem Fachpersonal einstellen. Letztendlich ist die seit Jahren gezeigte Kompetenz des Unternehmens in puncto Qualität und Lieferfähigkeit hauptausschlaggebend für die positive Gesamtentwicklung des Standorts Zittau.

Der Durchschnittsmitarbeiter verdient also mehr als Mindestlohn?

Ja auf jeden Fall, nur ungelernte Helfer bewegen sich in der Nähe des Mindestlohns. Aber die Helfertätigkeiten werden immer weniger, da zunehmend automatisiert wird.

Das schnelle Wachstum hat auch nichts damit zu tun, dass es in Trossingen einen Betriebsrat gibt und hier nicht?

Nein, an beiden Standorten gelten die gleichen Maßstäbe. Was sich an einem bewährt hat, setzen wir auch am anderen um.

Sie sagten, dass der Zittauer Standort Zulieferer innerhalb der MS-Gruppe ist. Böse Zungen würden sagen: eine verlängerte Werkbank ...

Das waren wir vielleicht am Anfang. Aber jetzt sind wir gleichberechtigt und begegnen unseren Kollegen auf Augenhöhe, entwickeln unsere Prozesse eigenständig weiter, sind dabei durchaus erfolgreich und zwischenzeitlich ein Vorzeigeunternehmen innerhalb des Gruppenverbunds.

MS PowerTec will auch stärker mit der Hochschule kooperieren, heißt es. Was haben Sie vor? Wollen Sie ein eigenes Produkt entwickeln?

Wir haben schon in der Vergangenheit Praktika und Diplomarbeiten an Studenten vergeben. Diese Strecke soll ausgebaut werden. Zudem haben wir einen ersten Auszubildenden bei der Kooperativen Ingenieursausbildung der Hochschule, die eine Lehre und ein Studium zum Diplom-Ingenieur vereint. Ein Zweiter beginnt im September. Beide haben übrigens mit Beginn ihrer Ausbildung die feste Zusage erhalten, dass sie nach dem erfolgreichen Abschluss einen Arbeitsplatz bei uns bekommen.

Bilden Sie auch aus?

Ja. Die Ersten haben wir ab 2010 ausgebildet. Sie sind jetzt fest bei uns angestellt.

Wie viele Azubis haben Sie zurzeit?

Vier. Darüber hinaus beginnen in diesem Jahr drei neue. Sie werden übrigens – obwohl wir nicht tarifgebunden sind – nach IG-Metall-Tarif entlohnt.

Wenn MS PowerTec im April 2017 wieder von der SZ wegen der jährlichen Hitliste der größten Arbeitgeber angefragt wird. Wie viele Mitarbeiter werden Sie dann melden können?

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Das wäre jetzt Glaskugelleserei. Aber ich hoffe, es sind mehr als in diesem Jahr. Klar ist aber schon jetzt, dass wir unsere bauliche Kapazität bereits zu fast 100 Prozent nutzen.

Sie müssen schon wieder anbauen?

Die 100 Prozent haben wir spätestens 2017 erreicht. Wenn dann ein zusätzlicher Auftrag kommt, müssen wir wieder über eine bauliche Veränderung nachdenken.