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Ex-Waggonbauer wollen ihren Überweg zurück

Vor wenigen Wochen hat die Stadt Bautzen eine kleine Brücke am Stiebitzbach entfernt. Ihre Erbauer wollen das nicht so einfach hinnehmen.

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© Robert Michalk

Von Frances Scholz

Bautzen. Wenn Herbert Frenzel und Günther Hempel auf den Stiebitzbach blicken, können sie nur mit dem Kopf schütteln. Einst stand an dieser Stelle eine kleine Brücke. Ein Überweg für die Menschen aus Bautzens Neustadt, um schnell zum Waggonbau oder ins Spreebad zu gelangen. Rund 40 Jahre nutzten die Menschen sie. Jetzt gibt es keine Möglichkeit mehr, den kleinen Fluss an dieser Stelle zu überqueren. Denn die Bautzener Stadtverwaltung hat im Zuge der Fertigstellung der Dieselstraße auch den kleinen Steg entfernt. Mit der Begründung, dass die Brücke auf eine private Initiative zurückgeht und aus Sicherheitsgründen entfernt werden musste.

Herbert Frenzel versteht bei dieser Aussage die Welt nicht mehr. Denn der 83-jährige Bautzener ist der Erbauer der kleinen Brücke. „Ich habe damals im Waggonbau gearbeitet. Ich war Meister in der mechanischen Abteilung und kann mich noch genau daran erinnern, wie die Stadt auf uns zukam und uns gebeten hat, an dieser Stelle einen Übergang zu bauen“, sagt er. Seine Kollegen Günther Hempel und Martin Gottschlich können ebenfalls davon berichten. „Das war damals also keine private Initiative, sondern ging auf die Stadt und unser Waggonbauwerk zurück. Wir haben sogar noch Tipps für den Aufbau vom damaligen Straßenunterhaltungsamt bekommen“, erinnert sich Herbert Frenzel. Die Brücke sei schräg angelegt gewesen, damit sie bei Hochwasser nicht weggespült wird. „Sie hätte wohl noch hundert Jahre so gehalten“, vermutet der Rentner.

Würde ein Schild reichen?

Und sein ehemaliger Kollege Martin Gottschlich weiß noch genau, wie die Stahlbleche aussahen, die nur innerhalb eines Tages zu einer Brücke für den Stiebitzbach umfunktioniert wurden. „Sie waren geriffelt, sodass niemand stürzen konnte und eine Rutschfestigkeit gegeben war. Ich habe das Material besorgt und wir haben die Bleche dann nach unserer Arbeit zusammengeschweißt“, erinnert sich der 79-jährige Bautzener. Zudem wissen die Männer, dass ihre Brücke nicht die erste an dieser Stelle am Stiebitzbach war. „Zuvor gab es hier bereits eine Holzbrücke. Sie war schon sehr alt und sollte deshalb durch eine feste Konstruktion ersetzt werden“, weiß Herbert Frenzel, der 30 Jahre im Waggonbau arbeitete.

Für ihn und seine ehemaligen Kollegen vom Waggonbau steht fest, der Steg muss wieder zurück. „Ein Schild mit Betreten auf eigene Gefahr müsste doch reichen“, sagen sie. Denn die Brücke habe in all den Jahren nie jemanden gestört. „Im Gegenteil, die Menschen aus der Neustadt vermissen ihren Überweg“, sagt Günther Hempel. Die Entscheidung der Stadt sei für sie reiner Bürokratismus. Nun hoffen sie auf das Wahlversprechen von Oberbürgermeister Alexander Ahrens. „Er hat gesagt, sein Ziel ist Bürgernähe. Nun kann er zeigen, ob er sein Wort hält. Denn wir haben das Gefühl, es wird nur noch nach Gesetz und nicht mehr mit klarem Menschenverstand gehandelt. Wir fühlen uns da veräppelt“, sagt Martin Gottschlich.

Und falls die Stadtverwaltung nicht auf das Anliegen der Anwohner reagiert, haben die ehemaligen Waggonbauer auch schon eine Idee. „Wir werden das Fernsehen einschalten. Es gibt eine Sendung, die sich um solche bürokratischen Problemen kümmert und eine Lösung sucht“, weiß Martin Gottschlich.