merken

Fächer-Mischmasch wegen Lehrermangels

An einer Riesaer Grundschule gibt es jetzt „MuKu“ – eine Mischung aus Musik und Kunst. Quereinsteiger sollen’s mal wieder richten.

© Sebastian Schultz

Von Sandro Heym und Britta Veltzke

Riesa. In der Riesaer Grundschule an der Magdeburger Straße steht derzeit „MuKu“ auf dem Stundenplan. „MuKu“? Die Abkürzung steht für Musik und Kunst. Die Fächer wurden in den ersten und zweiten Klassen seit Schuljahresbeginn zusammengelegt. „Es erfolgt wöchentlich ein fächerverbindender Unterricht“, erklärt Petra Nikolov von der Bildungsagentur. Die Behörde untersteht dem Sächsischen Kultusministerium und ist zuständig für die inhaltliche Arbeit in den Schulen des Freistaats – von den staatlichen Grundschulen über Mittelschulen bis hin zu den Gymnasien.

Klinik Bavaria Kreischa
PERSPEKTIVEN SCHAFFEN – TEAMGEIST (ER-)LEBEN
PERSPEKTIVEN SCHAFFEN – TEAMGEIST (ER-)LEBEN

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

An besagter Riesaer Grundschule ist derzeit also Takthalten und Malen im Wechsel angesagt. Statt je eine Stunde Kunst- und eine Stunde Musikunterricht in der Woche gibt’s eine Stunde „MuKu“. Der Hintergrund: Der Schule stehen schlichtweg nicht genug Lehrer zur Verfügung, um das vorgesehene Pensum abzudecken. „An der Magdeburger Straße fehlen aktuell zwei Lehrerinnen“, teilt die Bildungsagentur-Sprecherin mit. Läuft alles nach Plan, wird es die Fächerkombination „MuKu“ nur noch bis zu den Herbstferien geben, die Anfang Oktober starten. Denn: Rettung naht. „Es kommen zwei Seiteneinsteigerinnen an die Schule, die derzeit noch in Ausbildung sind“, berichtet Petra Nikolov. Laut Bildungsagentur können die Schulen eigenständig Fächer mischen. „Viele Schulen machen das, um intensiver an einem Thema arbeiten zu können. Zum Beispiel: eine Woche Doppelstunde Kunst, dann eine Woche Doppelstunde Musik und so weiter“, erklärt Petra Nikolov.

„Keine Reserven“

Doch das ist eine Frage, die sich der betroffenen Schulleiterin gar nicht erst stellt.

Sachsens Lehrerverbandschef Jens Weichelt sieht die „kreative“ Fächerkombination „MuKu“ kritisch. „Wir mahnen den Lehrermangel, der uns jetzt auf die Füße fällt, seit Jahren an.“ Besonders gefährdet seien Grund- und Oberschulen. Aktuell lernten Dutzende Quereinsteiger daher innerhalb von drei Monaten das Nötigste an den Universitäten, um danach so gut es geht unterrichten zu können. „Da geht es um Fragen wie: Wie führe ich ein Klassenbuch? Wie bereite ich den Unterricht vor? Dass diese Ausbildung am Ende einem regulären Lehramtsstudium nicht gleichwertig ist, ist völlig klar“, so Weichelt.

Auf Unterstützung im Lehrerzimmer wartet derzeit auch die Schulleiterin der Riesaer Grundschule an der Breitscheidstraße – auch in Form von Quereinsteigern: „Wir hatten Bedarf, bekommen aber nach und nach jetzt neue Lehrer. Die befinden sich gerade in der Qualifizierung. Am 1. Oktober, 1. November und 1. Dezember bekommen wie je einen neuen Lehrer“, erklärt Angelika Fritz. Danach gebe es keinen Bedarf mehr an ihrer Schule, zumindest auf dem Papier. Und bis die neuen Lehrer kommen? „Bis dahin gleichen wir das durch Mehrarbeit aus. Bei außerplanmäßiger Krankheit kommt es zu Stundenausfall“, erklärt die Schulleiterin.

In vielen Schulen reicht das Personal gerade so, um die „Grundversorgung“ mit Mathe, Deutsch, Sport etc. zu gewährleisten, doch bei allem, was drüber hinausgeht, wird die Personaldecke dünn.

So auch in der Oberschule am Merzdorfer Park oder in der Grundschule Gröditz: „Wir können in diesem Schuljahr noch alle Fächer fachgerecht unterrichten. Wenige Stunden im Bereich Deutsch als Zweitsprache sowie in der Integration mussten wir jedoch kürzen. Bei krankheitsbedingtem Ausfall, wie es ihn zurzeit bei uns gibt, haben wir natürlich keine Reserve“, berichtet Gabriele Apitz aus ihrem Alltag als Schulleiterin.

Nachwuchssorgen an den Schulen

In der privaten Trinitatisschule in Riesa fehlen aktuell keine Lehrer, sagt die stellvertretende Schulleiterin Monika Richter. „Alle Fächer und Stunden des Planes sind mit Fachlehrern abgedeckt. Krankheitsvertretungen stehen bereit, sodass im Falle des Falles so gut wie kein Unterricht ausfallen muss.“ Doch Lehrer-Nachwuchssorgen gibt es wie in den meisten sächsischen Schulen auch an der Trinitatisschule.