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So war der "Tatort" aus Hamburg

Blutgeld an der Eliteschule: Hamburgs „Tatort“ verschenkt viel Tiefenpotenzial, liefert aber eine spannende Story und ein packendes Ermittler-Duell.

Von Oliver Reinhard
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Versucht mit allen Mitteln an Informationen zu Juans Verschwinden zu kommen: Carlos (José Barros) mit Juans Mitschüler August (Anselm Ferdinand Bresgott)
Versucht mit allen Mitteln an Informationen zu Juans Verschwinden zu kommen: Carlos (José Barros) mit Juans Mitschüler August (Anselm Ferdinand Bresgott) © NDR

Ein bisschen lustig ist es schon, mit welchen Anstrengungen Kommissar Falke vom Hamburger „Tatort“-Team auf cooler, harter, schon etwas angereifter Hund getrimmt wird. Natürlich trägt er eine Biker-Lederjacke, hört im Dienstvolvo Rumsrock und zappelt im Takt hinterm Steuer rum. Er nächtigt überdies in einem Shirt der Alternative-Punker Hüsker Dü und lässt sich via Handy von den Stones wecken mit „Sympathy for the Devil“, hu huuh.

Vermisst und bald darauf tot

In der neuen Folge erwacht Rookie Falke in Niedersachsens Provinz. Der Sohn vom Botschafter eines Latino-Landes mit dem lustig-dösigen Fantasienamen Orinaca ist aus einem Elite-Internat verschwunden. Da Falkes Kollegin Grosz den Fall wegen dessen politischer Brisanz von Hamburg aus begleitet – el dictador de Orinaca ist auf Staatsbesuch –, steht ihm Landkommissar Felix Wacker zur Seite. Ein bisschen unerfahren und tapsig, aber ambitioniert und einigermaßen blickig. Wurde der Promi-Junge entführt, wie es zunächst ausschaut? Oder wollte er mit seiner Freundin untertauchen, wie es danach scheint? Jedenfalls wird der Vermisste bald tot aufgefunden und obendrein klar: Er war nicht nur Botschaftersohn. Sondern der des Staatspräsidenten.

Falke und Wacker dringen in zwei ihnen völlig fremde Welten vor. Die des Internats, das von einem einst idealistischen Lehrerpaar betrieben wird, das 4.000 Euro im Monat pro Schülerin oder Schüler verlangt und keine Skrupel hat, auch das Blutgeld von Tyrannen-Eltern anzunehmen. Zum anderen in die Welt von Orinaca, verkörpert durch die reaktionäre Mutter des Toten sowie durch dessen tötungserfahrenen Bodyguard Carlos. Der hat versagt, muss nun Schlimmstes befürchten und ermittelt parallel zu Falke auf eine Art, die mit rechtsstaatlichen Mitteln westlichen Zuschnitts so gar nichts gemein hat.

Fein bebildert

„Tyrannenmord“ ist fein bebildert, mit spannungshaltenden Wendungen souverän erzählt und bis in die Nebenrollen mit sicherer Hand besetzt. Zwar tippt er das ethisch-moralische Potenzial seiner Story nur an, verschenkt es also weitgehend. Doch das Neben-, Mit- und Gegeneinander des harten Hundes Falke (Wotan Wilke Möhring) und des noch härteren Hundes Carlos (José Barros) ist ein Trumpf, den Regisseur Christoph Stark voll ausspielt.Vor allem diese Paarung sorgt dafür, dass der „Tatort“ nach den recht vergurkten Folgen aus Münster und Zürich endlich wieder richtig gute Krimikost serviert.