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Sturm in Dresden: Aufräumen bis zum nächsten Tag

Fast 350 Einsätze registrierte die Feuerwehr. Die Helfer rüsten sich für weitere Schäden. Eine Übersicht der Sturmfolgen am Tag danach.

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Sturm "Ignatz" hat in Dresden viele Bäume entwurzelt. Bis tief in die Nacht hatte die Feuerwehr mit den Aufräumarbeiten zu tun.
Sturm "Ignatz" hat in Dresden viele Bäume entwurzelt. Bis tief in die Nacht hatte die Feuerwehr mit den Aufräumarbeiten zu tun. © René Meinig

Dresden. Sturmtief "Ignatz" hat Dresden am Donnerstag massiv getroffen. So sehr, dass das der Wetterfirma von Jörg Kachelmann eine extra Erwähnung im Internet wert war. "Autsch! Dresden hat es mit einer Orkanböe von 135 km/h voll erwischt!", meldete sie am Nachmittag. Inzwischen hat sich die Lage in der Stadt fast normalisiert. Bis in die Nacht hatten unter anderem die Feuerwehr und die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) mit den Folgen zu kämpfen. In den Zügen der Deutschen Bahn waren die Sturmfolgen auch noch am Freitag zu spüren. Die Bundespolizei musste am Freitagmorgen im Neustädter Bahnhof einen ICE räumen, in den so viele offenbar gestrandete Fahrgäste eingestiegen waren, dass er nicht weiterfahren konnte.

Fast 350 Notrufe bei der Feuerwehr eingegangen

347 Einsätze hat die Dresdner Feuerwehr mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks (THW) bis Donnerstag, 24 Uhr, abgearbeitet, sagte Sprecher Michael Klahre am Freitagmittag. Weil noch nicht alle Schreibarbeiten dazu abgeschlossen sind, werde diese Zahl noch steigen. Die Alarmbereitschaft der Stadtteilfeuerwehren in den Feuerwehrhäusern konnte in der Nacht aufgehoben werden. Die freiwilligen Brandschützer der 21 Dresdner Stadtteilfeuerwehren waren gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr im Einsatz, um Sturmschäden zu beseitigen. Gleichzeitig haben sie die Versorgung der Helfer sichergestellt und die sogenannte Grundsicherung übernommen. Das heißt, sie standen bereit für den Fall, dass zusätzlich ein Brand gelöscht werden muss oder Hilfe nach einem Unfall nötig ist.

Nur zwei Menschen wurden laut Klahre am Donnerstag durch Sturmschäden leicht verletzt. Sie traf es am Kleinzschachwitzer Ufer, wo ein Baum auf ein Auto gefallen war.

Straßenbahnblockaden bis in die Nacht

Laut den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) rollte der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) am Freitagmorgen wieder störungsfrei. Zuletzt konnte in der vorangegangenen Nacht die Linie 13 den Betrieb wieder aufnehmen, die derzeit für die "8" nach Hellerau fährt. Ihre Strecke war bis in die Nacht auf der Königsbrücker Straße in der Nähe des Infineon-Geländes und in Rähnitz durch Bäume blockiert.

Es war am Donnerstag das erste Mal, dass wegen eines Sturms in Dresden alle Straßenbahnen stehen bleiben mussten. Die Entscheidung hat der Betriebsleiter Jan Silbermann nach Rücksprache mit dem DVB-Vorstand getroffen. "Sicherheitsgründe" zwangen die Verantwortlichen laut Verkehrsbetriebe-Sprecher Falk Lösch zu dieser ungewöhnlichen Maßnahme. "Das war auch richtig, keine Bahn hatte einen Unfall, keine Person wurde verletzt", stellte er rückblickend fest. Der Sturm habe auch nach Aussage von Meteorologen eine andere Qualität gehabt, als frühere Stürme.

Wie viele Straßenbahnen nach dieser Entscheidung in der Stadt zwischengeparkt werden mussten, kann Lösch nicht sagen. Die meisten seien noch bis ins nächste Depot gefahren. Die Busse fuhren weiter, wenn auch langsamer als üblich.

Auch am Tag nach dem Sturm laufen bei den Verkehrsbetrieben noch Aufräumarbeiten. Kleinere Äste müssten noch aus Spanndrähten für die Oberleitungen geholt werden, Haltestellenhäuschen wurden demoliert und müssen nun repariert werden. "Aber es gibt aktuell nichts, was den Betrieb gefährden würde", sagte er am Freitag. Alle Fähren seien wieder in Betrieb, ebenso die Bergbahnen, nachdem die Schwebebahn wegen des starken Windes und die Standseilbahn nach einer Baum-Blockade pausieren mussten.

"Ignatz"-Spuren an Stadtgebäuden

Die Stadt meldet Schäden am Rathaus im Zentrum, am Kulturrathaus an der Königstraße und am Rathaus Cotta, jeweils an den Dächern oder Dachfirsten, sowie am Ärztehaus Löbtau. Im Tierheim Stetzsch beschädigte ein umgestürzter Baum einen Außenzwinger und den Zaun, am Festspielhaus Hellerau schlug ein umstürzender Baum auf ein Dach auf. Auch im Palitzschof stürzte ein Baum um.

Sturmschäden registrierte die Stadtverwaltung außerdem am Neubau des Gymnasiums Klotzsche, in der 14. Grundschule, der 15. Grundschule, der 144. Grundschule und der 128. Oberschule. Das Sportschul-Internat im Ostragehege meldete einen umgefallenen Baum und mehrere Astabbrüche im Grundstück.

Auf dem Heidefriedhof und dem Urnenhain Tolkewitz hat der Sturm für umgestürzte Bäume, beschädigte Baumkronen und Astbrüche gesorgt. Ob dort auch Grabsteine beschädigt wurden, werde noch geprüft. In den städtischen Waldgebieten sind laut Rathaus-Schätzung 300 bis 600 Kubikmeter Bruchholz entstanden, was etwa 600 bis 1.000 Bäumen entspricht.

Großer Garten

Im Großen Garten sind mehrere Bäume umgefallen.
Im Großen Garten sind mehrere Bäume umgefallen. © Archivfoto: Schlösserland Sachsen

Große Schäden hat der Sturm im Großen Garten verursacht. Die Wege entlang der Hauptachsen seien zwar wieder geöffnet, Teilbereiche blieben aber vorerst geschlossen, teilte der Betrieb Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten am Freitagnachmittag mit. Die Dresdner Parkeisenbahn habe den Fahrbetrieb für die kleine Runde wieder aufnehmen können. "Wir bitten alle Besucher weiterhin um besondere Vorsicht beim Besuch unserer Parks und Gärten."

Pillnitzer Schlosspark bleibt am Wochenende geschlossen

Der Schlosspark Pillnitz bleibt wegen Sturmschäden am Wochenende geschlossen.
Der Schlosspark Pillnitz bleibt wegen Sturmschäden am Wochenende geschlossen. © Archivfoto: Schlösserland Sachsen

Die Sturmböen des gestrigen Tages haben im Pillnitzer Schlosspark an mindestens 37 Bäumen teils erhebliche Schäden hinterlassen, so lauten die ersten Einschätzungen der Baumpfleger des Schlossparks Pillnitz. Drei Bäume, darunter eine alte Linde im Kaiserstück hinter dem Bergpalais, sind Sturmtief „Ignatz“ gänzlich zum Opfer gefallen. In den nächsten Tagen werden abgebrochene Äste beseitigt, angebrochene Äste mit Hubsteigern aus dem Bäumen entfernt, Wege beräumt und die Verkehrssicherheit wiederhergestellt, teilt das Schlösserland Sachsen am Freitag mit.

Bis Sonntag, dem 24. Oktober muss der Schlosspark für den Besucherverkehr geschlossen bleiben. Das Schlossmuseum im Neuen Palais und das Kunstgewerbemuseum im Berg- und Wasserpalais können über Nebeneingänge besucht werden.

Ab Montag wird der Lustgarten des Schlossparks voraussichtlich wieder freigegeben werden können. Alle anderen Parkbereiche bleiben bis zur Herstellung der Sicherheit auch in der nächsten Woche noch abgesperrt. Der Eingang am AHA-Graben und die Nebeneingänge bleiben verschlossen. Auf die Erhebung des Parkeintritts verzichtet Schlösserland, freiwilliger Parkeintritt durch Spenden sei aber willkommen.

Dresdner Heide bleibt gefährlich

Sämtliche Hauptwege waren mit umgefallen Bäumen und herabgefallen Ästen blockiert. Seit Freitagmorgen 7 Uhr beräumen die Mitarbeiter von Sachsenforst die Bereiche. Dennoch wird das Aufräumen weiter andauern, erst Mitte nächste Woche sollen wieder alle Hauptwege passierbar sein, sagt ein Sprecher.

Weil es auch ab Freitagmittag wieder zu stürmischen Böen kam, bleibt die Aufforderung aktuell, die Heide möglichst am Wochenende nicht zu betreten. Es hängen noch viele abgebrochene Äste in den Kronen, Spaziergänge sind gefährlich. Wer trotzdem unbedingt in den Wald muss, sollte ausschließlich auf den Hauptwegen bleiben.

Waldarbeiter Hagen Zeun beräumt am Freitag Heide-Hauptwege im Bühlauer Forstrevier.
Waldarbeiter Hagen Zeun beräumt am Freitag Heide-Hauptwege im Bühlauer Forstrevier. © Marion Doering

Sturmschäden auch im Zoo

Der Zoo hat an diesem Freitag wie angekündigt wieder planmäßig geöffnet. Allen Tieren gehe es gut, meldeten die Verantwortlichen. Allerdings lagen "zahlreiche heruntergefallene Äste auf den Besucherwegen und in den Tieranlagen", nachdem Sturmtief "Ignatz" durchgezogen war. Auch einige Gehege-Begrenzungen wie zum Beispiel bei den Geparden, Buntmardern oder Flamingos seien von Ästen getroffen worden. "Außerdem wurden durch die Sturmböen einige Bäume entwurzelt, die jedoch keinen Schaden anrichteten", teilten die Verantwortlichen mit. Die Aufräumarbeiten sollten am Freitagmorgen starten, ab 8.30 Uhr können aber trotzdem wieder Besucher in den Zoo kommen.

Die Gefahr ist noch nicht vorbei

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für den Freitag weitere Sturmböen angekündigt. Sie fallen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 80 km/h zwar nicht so stark aus, wie die am Donnerstag, doch die Feuerwehr ist gewarnt. "Wir gehen davon aus, dass es zu weiteren Einsätzen kommen wird", sagt Klahre. Deshalb sollten die Dresdner weiter umsichtig sein und sich auf die möglichen Gefahren einstellen.