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Streit um Corona-Tests in Freital

Ein Freitaler kritisiert, in der Kita seiner Tochter würden negative Schelltests nicht kontrolliert. Die Stadt verweist auf eine Anweisung, die Kita auf Personalprobleme.

Ulrich Marquardt hat seine regelmäßigen Testbelege immer dabei. Er fordert mehr Kontrollen in der Kita seiner Tochter.
Ulrich Marquardt hat seine regelmäßigen Testbelege immer dabei. Er fordert mehr Kontrollen in der Kita seiner Tochter. © Egbert Kamprath

Am Zaun prangt ein Schild mit einem großen, roten Herzen in der Mitte. "Alle Kinder sind systemrelevant", steht da geschrieben. Ulrich Marquardt kommt es fast wie ein schlechter Witz vor. "Natürlich sind Kinder systemrelevant. Deshalb sollten wir sie auch besonders beschützen", sagt er. Und Schutz geht aus seiner Sicht in Corona-Zeiten nur mit wenigen Mitteln.

Hygiene, Abstand halten und Mundschutz tragen sind das eine. Die Selbsttests das andere. Deshalb begrüßt es Ulrich Marquardt ausdrücklich, dass Eltern oder Großeltern, die Kinder in Kitas bringen oder abholen, negative Schnelltests vorweisen müssen. Diese dürfen laut einer Regelung des Freistaates Sachsen nicht älter als drei Tage sein.

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"Ich habe den Nachweis über einen aktuellen Schnelltest immer bei mir", sagt Marquardt und zieht ein entsprechendes Dokument aus der Tasche. Jederzeit könnte er das Papier einer Erzieherin zur Kontrolle vorzeigen. Doch es werde in der Kita seiner Tochter nicht kontrolliert, kritisiert der Mann. "Im Prinzip kann da jeder auch ohne Test rein und raus."

Ideale Bedingungen für den Virus

Marquardts jüngstes Kind besucht das "Kinderland am Wiesenhang" in der Freitaler Schreberstraße. Hier ist Platz für 146 Mädchen und Jungen. Sie werden in zwei Krippen- und sieben Kindergartengruppen betreut. Es herrscht also morgens und nachmittags viel Betrieb in den Garderoben. "Ideale Bedingungen für den Virus", kommentiert Marquardt.

Lange Zeit durften die Kinder nur an der Außentür den Erziehern übergeben und auch wieder abgeholt werden. Es herrschte ansonsten ein Betretungsverbot des Hauses für alle, die nicht zum Personal gehören. Seit Anfang April gilt für alle die Regel: Wer einen negativen Corona-Test vorweisen kann, darf rein. So steht es in der Sächsischen Corona-Schutzverordnung vom 29. März.

Dieser Test darf auch selbst zu Hause gemacht werden, man muss dann nur eine schriftliche Selbstauskunft ausfüllen. Entsprechende Formulare gibt es zum Herunterladen im Internet.

Vorschrift gilt sachsenweit

Ulrich Marquardt hat damit kein Problem. "Ich werde berufsbedingt zweimal in der Woche getestet", sagt er. Doch seit die aktuelle Corona-Vorschrift gilt, vermisste er sehr eine zumindest stichprobenartige Kontrolle im "Kinderland am Wiesenhang".

Nach eigener Aussage will Ulrich Marquardt Erzieherinnen auf den laxen Umgang mit den Corona-Testnachweisen aufmerksam gemacht haben. "Die sagten mir zuerst, man dürfe nicht kontrollieren. Dann hieß es, man habe dafür keine Zeit und kein Personal."

Aus seiner Sicht sind das Ausreden. "Es reicht doch, wenn die Erzieher bei der Übergabe des Kindes sich von manchen Eltern schnell den Testnachweis oder die Selbstauskunft vorzeigen lassen." Spreche sich herum, dass kontrolliert werde, würden sich auch mehr Eltern an die Testpflicht halten, argumentiert Marquardt. So habe er seine Zweifel, ob denn auch jeder sich regelmäßig teste.

Angst, den Virus weiterzutragen

Der Mann möchte keine Nervensäge sein. Hinter seinem Frust wegen fehlender Kontrolle steckt schlichte Angst. Ulrich Marquardt arbeitet in der Pflege. Er betreut in einer Einrichtung Patienten, die schwere Lungenleiden haben und beatmet werden müssen. "Ich habe Angst, dass der Virus über die Kita in meine Familie kommt und ich die Infektion mit auf Arbeit trage", sagt er.

Mehrmals drängte er die Kita-Leitung deshalb zu einem Gespräch, in seiner Stimmung auch in einem teils unsachlichen Ton. Dann wandte er sich an die Stadtverwaltung, Amt für Schule und Soziales. "Aber dort erreicht man niemanden, der was zu sagen hat, sondern immer nur irgendwelche kleine Angestellte."

Die im Wiesenhang tätigen Erzieher sind Angestellte der Stadt Freital und nicht befugt, mit der Presse zu sprechen. Anfragen müssen direkt bei der Pressestelle der Stadt gestellt werden.

Bürgermeister: Kontrollen finden statt

Auf Nachfrage nimmt nun der Freitaler Sozialbürgermeister, Peter Pfitzenreiter, gegenüber der Sächsischen Zeitung Stellung. Er erklärt, dass die sächsische Regelung in allen Freitaler Kitas und somit auch beim Wiesenhang umgesetzt werde. Alle Eltern wurden informiert.

"Die Aushänge in den Einrichtungen wurden am 1. April 2021 angebracht. Mit Betreten der Einrichtung haben die Eltern insofern Kenntnis von den Rahmenbedingungen und bestätigen, dass sie entsprechend getestet sind und das entsprechende Dokument zum Nachweis bei sich tragen", sagt Pfitzenreiter. Und: "Eine stichprobenartige Kontrolle wurde vereinbart." Die würden in allen städtischen Kitas auch stattfinden.

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Das beißt sich jedoch mit den Erfahrungen, die Ulrich Marquardt gemacht hat. Er hat seine Tochter nun erst einmal aus der Kita abgemeldet und betreut das Kind zu Hause im Wechsel mit seiner Frau. Auch auf die Möglichkeit, das Kind in die seit Mittwoch wieder gültige Notbetreuung zu bringen, verzichtet er. "Solange nicht geprüft wird, ob sich die Eltern an die Test-Vorschrift halten, bleibt meine Tochter zu Hause. Ich kann mich nicht länger dieser Gefahr aussetzen."

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