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Wie kleine Händler aus der Krise lernen

Nur noch ein Kunde pro zehn Quadratmeter darf in den Laden. Ideen, mit denen sich die Händler für die Zukunft gerüstet sehen. Drei Beispiele.

© Egbert Kamprath

Helga Queck, Pasta Saxonia in Freital

Ich führe den Laden und die Nudelmanufaktur Pasta Saxonia in Freital. Ich gehe davon aus, dass alles noch schlimmer wird und viele Läden schließen müssen - wie im Frühjahr. Man merkt jetzt schon, dass die Leute weniger Lust zum Shoppen haben. Das Ladengeschäft leidet. Auch der Handel nimmt weniger ab. Ich vertreibe einen Teil meiner Produktion über Rewe, Edeka und Globus. Der Konsum verkauft Nudel-Geschenke von mir. Aber viele großen Ketten setzen jetzt auf Billigware. Selbst als im Frühjahr manche Nudelregale leergefegt waren, haben sie mir weniger abgenommen. 

Dafür hat das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr sehr zeitig begonnen. Der Großhandel hat bereits im August bestellt und eingekauft. Das gab es noch nie. Werben muss ich nun vor allem um die Laufkundschaft. Zum Glück geht heute vieles Online und ich hoffe sehr, dass meine Internetseite Mitte dieser Woche wieder funktioniert. Da gibt es nämlich gerade ein kleines technisches Problem. Der Handel übers Internet funktioniert in solchen Zeiten noch am besten, das habe ich im Frühjahr gemerkt. Ich habe mich bei DDV-Lokal beteiligt, das hat noch mal für einen viel höheren Bekanntheitsgrad gesorgt und dem Geschäft gut getan. Da bin ich sehr dankbar, dass die Sächsische Zeitung damals auf mich zugekommen ist.

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Aufgezeichnet von Annett Heyse


Jens Tennert, Inhaber des Spielwarenladens Otto Bendix in Dippoldiswalde

© Egbert Kamprath

Ich führe das Spielwarengeschäft Otto Bendix in Dippoldiswalde seit 1999 und möchte es auch in den nächsten Jahren tun. Ich bin zuversichtlich, dass mir das gelingt. Unser Geschäft besteht seit 1884, es hat zwei Weltkriege und die Spanische Grippe überstanden. 

Die gegenwärtige Situation ist nicht einfach. Denn mein Geschäft ist klein. Deshalb kann sich hier nur immer eine Familie umschauen, die anderen müssen draußen warten. Ganz überrascht haben mich die Corona-Regelungen nicht. Es war zu erwarten, dass ein zweiter Lockdown mit ähnlichen Maßnahmen wie im Frühjahr kommt. Ich bin froh, dass ich mir schon vor zwei Jahren einen Online-Shop zugelegt habe, den ich im Frühjahr noch mal verbessert habe. Ich habe auch einiges Lehrgeld zahlen müssen, denn so ein Online-Shop ist kein Selbstläufer. 

Außerdem bin ich in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram unterwegs. Ich verkaufe auch über Ebay, Check 24 und das Portal der Spielzeughändler Vedes.com. Inzwischen läuft das Online-Geschäft ganz gut. Um konkurrenzfähig zu sein, habe ich im Frühjahr die Transportkosten gesenkt. Den Kunden in der Region bringen wir die Einkäufe bis vor die Haustür. So haben wir es beim ersten Lockdown gemacht und das müsste jetzt auch möglich sein. Wer weiter weg wohnt, dem senden wir die Ware mit der Post zu. 

Als Händler muss ich aber nicht nur an den Verkauf, sondern auch an den Einkauf denken. Da viel Spielzeug importiert wird, habe schon zeitig mit der Bestellung fürs Weihnachtsgeschäft begonnen. Ich habe mir den Laden vollgehauen. Für Dipps wünsche ich mir, dass auch die anderen Händler gut durch diese Zeit kommen. In unserer Stadt gibt es erfreulicherweise noch viele Geschäfte. Zusammen sorgen diese Läden für ein Flair, in dem Bummeln Spaß macht, und dass ein Einkaufserlebnis schafft.

Aufgezeichnet von Maik Brückner


Henri Thorn, Geschäftsführer von Uhren Schmuck Thorn

© Egbert Kamprath

Auch in unseren Geschäften haben wir Maßnahmen ergriffen, um die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Es müssen Masken getragen werden und wir müssen die Zahl unserer Besucher begrenzen, im Stammhaus in Dippoldiswalde dürfen sich vier Kunden gleichzeitig aufhalten, in Freital sind es zwei. 

Trotz der Maßnahmen kommen die Leute in unsere vier Geschäfte. Der Online-Handel spielt für uns keine Rolle, macht uns aber auch nicht zu schaffen. Denn wir verkaufen Produkte, die wertig sind. Und die sehr beratungsintensiv sind. Und das bieten wir in unseren Filialen trotz der Einschränkungen. Sicher profitieren wir auch davon, dass wir nicht in großen Centern sind, in denen die Leute die ganze Zeit über eine Maske tragen müssen. Zu beobachten ist, dass viele nicht mehr dem Euro vertrauen und ihr Vermögen lieber in Gold anlegen. Wir verkaufen LBMA-zertifizierte Goldbarren. Auch beim Schmuckkauf tendieren unsere Kunden zu Hochwertigem. Früher haben wir mehr Silberschmuck verkauft, jetzt verkaufen wir mehr Gold- und Brillantschmuck. 

In unserem Dresdner Standort, dem Juwelier-Geschäft Wahl am Rundkino, verkaufen wir vornehmlich Hochzeitschmuck. Es wird zwar weniger geheiratet, was mit der Pandemie zu tun haben dürfte. Dennoch greifen die Paare zu hochwertigen Ringen, also Gold- und Brillantringe. Vielleicht liegt es auch daran, dass zurzeit keine größeren Hochzeitsreisen möglich sind. Bisher sind wird ganz gut durchs Jahr gekommen, der kleine Lockdown wird uns nicht schaden. Mir tun aber die Gastronomen leid, die ihre Geschäfte jetzt schließen mussten.

Aufgezeichnet von Maik Brückner


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