SZ + Freital
Merken

Was tun, wenn die Zeit zum Fahrschein-Kauf fehlt?

Die DB Regio zeigt sich kulant, auch in Freital. Allerdings hat sie ein Prozedere entwickelt, um zu verhindern, dass die Fahrgäste das ausnutzen.

Von Maik Brückner
 5 Min.
Teilen
Folgen
Dieser Mann macht es richtig - er kauft vor der Fahrt einen Fahrschein. Doch nicht immer ist es so einfach.
Dieser Mann macht es richtig - er kauft vor der Fahrt einen Fahrschein. Doch nicht immer ist es so einfach. © Daniel Schäfer

Die kurze Bahnfahrt zwischen Dresden und Freital wird eine 18-Jährige aus Freital so schnell nicht vergessen. Eigentlich war sie froh, dass sie den Zug noch erreicht hatte und nicht eine halbe Stunde auf den nächsten warten musste. Allerdings hatte sie es nicht mehr geschafft, ein Ticket zu kaufen. Dieses wollte sie sich bei der Kundenberaterin holen. Gleich nach dem Einstieg ging sie auf die Frau zu und bat um ein Ticket.

Doch zunächst musste sie sich eine Belehrung anhören. "Tickets müssen vor Fahrtbeginn gekauft werden", hieß es. Dann wurde ihr der Fahrschein auch verkauft, doch die junge Frau musste noch ihre Personalien angeben. Einige Tage später flatterte dann ein Brief der Bahn ins Haus, in dem sie nochmals belehrt wurde. Die junge Frau und ihre Mutter waren mehr als überrascht. "Muss das sein?", fragen sie.

"Aus unserer Sicht hat die Zugbegleiterin in diesem Fall sachlich korrekt gehandelt", sagt Christian Schlemper, Sprecher des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO), dessen Verbund für die Bestellung der Nahverkehrszüge in der Region zuständig ist. Die Zugbegleiterin habe auf die Regeln hingewiesen, ihren Entscheidungsspielraum genutzt und ein "normales" Ticket verkauft. Sie hätte auch ein Ticket zum erhöhtes Beförderungsentgelt für 60 Euro ausstellen können.

Welche Regelungen gelten im VVO-Gebiet?

Der Verkehrsverbund hat in seinen Tarifbestimmungen geregelt, wie der Ticketkauf zu laufen hat. "Demnach muss im VVO das Ticket vor Fahrtantritt gekauft und entwertet werden", so Bahnsprecher Jörg Böhnisch. Einzige Ausnahme: Sollte am Einstiegsbahnhof kein Ticketverkauf möglich sein, verkauft der Kundenberater im Zug die Fahrkarte. An dieses Prozedere halte sich nicht nur die DB Regio, sondern auch alle anderen Unternehmen, die im Gebiet des VVO tätig sind, ergänzt er.

Warum werden Tickets nicht regulär im Zug verkauft ?

Das Prozedere sei keine Willkür, versichert Schlemper. Viele Züge im Regionalverkehr, und hier besonders in Dresden, sind zu bestimmten Zeiten sehr voll. Den Kundenberatern wäre es nicht möglich, jedem im Zug ein Ticket zu verkaufen. Denn das kostet Zeit, und dann gibt es noch Kunden, die beraten werden wollen.

Im Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) wurden alle Ticketautomaten der Deutschen Bahn mit kontaktlosen Bezahlmöglichkeiten ausgestattet. Der VVO investierte dafür rund 125.000 Euro.
Im Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) wurden alle Ticketautomaten der Deutschen Bahn mit kontaktlosen Bezahlmöglichkeiten ausgestattet. Der VVO investierte dafür rund 125.000 Euro. © VVO/Lars Neumann

Außerdem müssen die Kundenberater beim Verkauf Zugriff auf ein Telefonnetz haben. Denn ihre Geräte können Tickets nur übers Internet ausstellen. Gerade auf Strecken mit Tunneln kann es zu längeren Unterbrechungen kommen. Dennoch weiß Schlemper auch, dass Kundenberater auf Strecken, auf denen vergleichsweise wenig Fahrgäste unterwegs sind, sehr kulant sind und Fahrkarten auch im Zug verkaufen.

Wer gilt als Schwarzfahrer?

Wer sich den Weg zum Kundenberater sparen will und auf Risiko geht, wird zum Schwarzfahrer. Ein Fahrgast, der ohne gültigen Fahrschein angetroffen wird, muss "ein erhöhtes Beförderungsentgelt", das sind mindestens 60 Euro, zahlen, sagt Bahnsprecher Böhnisch. Dazu kommen die Kosten für die Weiterfahrt. Zeigt sich der Fahrgast uneinsichtig, kann der Fall bei der Widerspruchsstelle landen. "Gelegentlich gehen auch Fälle bis zum Gericht", so Böhnisch.

Wie viele Fahrgäste fahren schwarz?

Die Unternehmen im VVO sind entsprechend dem Verkehrsvertrag verpflichtet, Ticketkontrollen im Zug durchzuführen, sagt Schlemper. Deshalb liegen ihnen auch Statistiken vor. Die DB Regio wollte sich zu dieser Frage nicht äußern. "Deutschlandweit liegt die Quote der Fahrgäste ohne Ticket bei drei bis fünf Prozent", sagt Schlemper.

Warum werden in Kulanzfällen die Personalien notiert?

Das ist eine interne Regelung der DB Regio. Damit wolle man verhindern, dass der gleiche Fahrgast immer wieder ohne Fahrkarte einsteigt und die Kulanz ausnutzt, erklärt Bahnsprecher Böhnisch. "Im Wiederholungsfall wird die Kulanz dann nicht mehr gewährt", so Böhnisch. Darauf wird im Brief hingewiesen. Die Kosten für den Brief übernimmt die DB Regio.

Der Automat verkauft keine Tickets - was dann?

Sollte es dem Fahrgast vor dem Fahrtantritt nicht möglich sein, am Automaten ein Ticket zu kaufen, weil der beispielsweise defekt ist, bestimmte Geldscheine nicht akzeptiert oder über zu wenig Wechselgeld verfügt, werden Tickets im Zug verkauft, so Böhnisch. Allerdings können die Kundenberater auch in diesem Fall Personalien erheben, um die Angaben überprüfen zu können, ergänzt Schlemper.

Ich habe mein Bildungsticket vergessen. Was nun?

Hier sollte jeder abwägen. In einigen Fällen ist es ratsam, ein normales Ticket zu kaufen. Wer das nicht will, muss sich beim Kundenberater melden. Dieser nimmt die persönlichen Daten auf und gibt dem Fahrgast einen Beleg, verbunden mit der Aufforderung zur Zahlung der 60 Euro. Für den Rest der Fahrt muss ein Ersatzticket gelöst werden, erklärt Schlemper.

Der Fahrgast hat dann sieben Tage Zeit, sich beim Verkehrsunternehmen, das ihn kontrolliert hat, zu melden und sein nicht übertragbares Ticket vorzuzeigen. Das kann ein Bildungs-Ticket oder auch ein Azubi-Ticket sein. Er muss dann nicht 60 Euro, sondern nur sieben Euro zahlen. Weist der Fahrgast ein Ticket vor, das übertragbar ist, wie etwa ein normales Abo-Ticket, bleibt es bei den 60 Euro.

Was rät der Verkehrsverbund?

Fahrgästen, die nur gelegentlich unterwegs sind oder eventuell nicht immer Zeit zum Ticketkauf am Automaten haben, bieten die Unternehmen und der VVO inzwischen fünf Apps an. Um sie nutzen zu können, sollte man sich vorab in Ruhe registrieren. Dann ist der schnelle Kauf möglich. Christian Schlemper empfiehlt die App FAIRTIQ. "Hier genügt sogar ein einfacher Wisch", sagt der Sprecher des Verkehrsverbundes.