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Wo sich Freitaler und Einwanderer treffen

Die Stadtbibliothek veranstaltet jeden Dienstag eine offene Runde. Davon haben auch die Einheimischen etwas.

Grit Bormann vom Koordinationsbüro für soziale Arbeit freut sich über weitere Besucher im Begegnungsprojekt "Sprich mit mir".
Grit Bormann vom Koordinationsbüro für soziale Arbeit freut sich über weitere Besucher im Begegnungsprojekt "Sprich mit mir". © Karl Ludwig Oberthür

Amir hält ein Deutschbuch in der Hand. Er liest das Gedicht "Der Herbst steht auf der Leiter". Neben ihm steht eine ältere Dame. Sie erklärt ihm die vier Jahreszeiten. Sie hat lange Zeit Deutsch unterrichtet - auch für Zugezogene. Nun ist sie in Rente. Jeden Dienstag geht sie in die Stadtbibliothek Freital-Deuben, aber nicht nur um Bücher auszuleihen.

Denn dort findet seit August ein offener Treff für neue und alte Freitaler statt. "Sprich mit mir" heißt das Begegnungsprojekt. Es richtet sich an alle Bürger, die Anschluss suchen und neugierig sind. 

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Es ist eine Anlaufstelle für Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund, aber auch für alteingesessene Freitaler, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. "Wir möchten einen Raum bieten, sich kennenzulernen",  erklärt Integrationskoordinatorin Grit Bormann. Sie betreut das Projekt gemeinsam mit Mitarbeitern der Migrationsdienste vom Caritasverband sowie dem Bundesverband "Deutsche Jugend in Europa".

1.500 Ausländer leben in Freital

"Ich bin hierhergekommen, um meine freie Zeit sinnvoll zu füllen. Ich möchte den Menschen helfen, die Sprache zu erlernen und sie auch anderweitig unterstützen", sagt die ehemalige Deutschlehrerin, die sich im offenen Treff ehrenamtlich engagiert. Damit erfahre sie gleichzeitig viel Neues - beispielsweise über die Hürden der Integration  "Ich wünschte mir, dass die Menschen, die über alles schimpfen, diese Geschichten hier hören würden."

Und genau dazu sei das regelmäßige Treffen da, erklärt die Integrationskoordinatorin Grit Bormann. Es gebe in Freital ungefähr 1.500 Ausländer. Doch die wenigsten Alt-Freitaler hätten Kontakt zu ihnen. Mit dem Programm entsteht deshalb ein offener Raum, in dem Alteingesessene und Zugezogene ins Gespräch kommen. Außerdem soll das Projekt als Anlaufstelle für Migranten dienen, ein Hobby zu finden oder mehr über die Region zu erfahren.

Sarah Lange und Ahmed Alashoor aus Freital nehmen am Begegnungsprojekt "Spricht mit mir" teil.
Sarah Lange und Ahmed Alashoor aus Freital nehmen am Begegnungsprojekt "Spricht mit mir" teil. © Svetlana Makeyeva

Deutsch lernen und neue Kontakte knüpfen

Amir Ali und sein Freund Gholam zum Beispiel sind 2015 aus Afghanistan nach Freital gekommen. Beide haben mehrmals einen Deutschkurs besucht und Praktika in der Region absolviert. Da sie aber nur eine Duldung haben, dürfen sie ohne Erlaubnis nicht arbeiten. "Das ist anstrengend", sagt Amir Ali, denn er würde sehr gern einer Beschäftigung nachgehen. Für sie beide ist das regelmäßige Treffen am Dienstag ein Höhepunkt. Dort knüpfen sie neue Kontakte und können Deutsch lernen. 

Auch für die Studentin Anastasia war das Projekt eine erste Anlaufstelle. Sie kommt eigentlich aus Russland, und studiert derzeit soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule in Dresden. Vor Kurzem ist sie nach Freital gezogen. Seitdem geht sie jeden Dienstag in die Stadtbibliothek, um Kontakte zu knüpfen.

Patenschaften für Freitaler Zuzügler gesucht

Zudem werden für die Migranten Paten gesucht. "Es wäre schön, wenn sich Freitaler melden würden, eine Familie bei Alltagsangelegenheiten zu unterstützen", sagt Grit Bormann. Das reiche von der Beantwortung eines Briefes bis hin zum größeren Einkauf mit dem Auto. Denn durch die Sprachbarrieren sei Vieles für die Migranten schwieriger.

Derzeit wird das Projekt von zehn Freitalern regelmäßig besucht. Neben den wöchentlichen Treffen sind auch einige Freizeitaktivitäten wie Bowlen, ein Besuch des Repair-Cafés oder Grillen geplant - natürlich unter Corona-Bestimmungen. Ideen für weitere Unternehmungen wie Wanderungen oder Stadtführungen seien ebenfalls willkommen.

Das Begegnungsprojekt "Sprich mit mir" findet jeden Dienstag in der Stadtbibliothek von 15 bis 17 Uhr statt. Es dient als Anlaufstelle für Menschen, die Hilfe brauchen oder anbieten möchten. Es richtet sich aber auch an Bürger, die einfach Kontakte knüpfen wollen. Das Projekt wird ab November bis voraussichtlich Anfang Dezember aufgrund der Covid19-Beschränkungen pausieren.

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