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Freitaler Stadtrat bekennt sich zum Stadionausbau

Obwohl weniger Zuschüsse kommen, möchte die Stadt das Stadion des Friedens modernisieren. Die Sportler sind erfreut, auch wenn eines weiter unklar ist.

Von Annett Heyse
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Das Stadion des Friedens soll eine große Tribüne und ein neues Funktionsgebäude bekommen.
Das Stadion des Friedens soll eine große Tribüne und ein neues Funktionsgebäude bekommen. © Karl-Ludwig Oberthuer

Fragt man Freitals Sportler nach den Zuständen im Stadion des Friedens, winken viele nur ab. "Geht so" ist die häufigste Antwort und soll meinen: Irgendwie erträglich, aber andere Anlagen sind besser in Schuss.

Dabei ist die Sportstätte am Fuße des Windbergs zentral gelegen, bekannt sowie hinsichtlich der Parkplätze und Anbindungen an den öffentlichen Personennahverkehr mit einer guten Infrastruktur gesegnet. Nur eben nicht mit modernen Umkleiden, zeitgemäßen Sanitäranlagen für Sportler und Zuschauer sowie Möglichkeiten einer Gastronomie.

Das liegt vor allem am Funktionsgebäude. Das Haus stammt aus den 1930er-Jahren, wurde zwar immer mal wieder saniert und modernisiert, aber nun ist das Objekt ausgereizt und viel zu klein für heutige Ansprüche. Schon seit Längerem gibt es von daher Pläne, das Stadion auszubauen.

Das Vorhaben: Tribüne mit integriertem Funktionsbau

Vorgesehen ist, entlang der östlichen Längsseite des Stadions einen Tribünenneubau mit integriertem Funktionsgebäude zu errichten. Auf den Traversen der Tribüne sollen 500 Zuschauer Platz finden.

Unter den Sitzrängen entstehen die Umkleiden und Sanitärräume für die Sportler. Dazu kommen Lager, Büroräume und ein Physiotherapiebereich. Den Abschluss zur Seite hin bildet ein Kopfbau, dessen oberste Etage voll verglast wird, um einen guten Blick ins Stadion zu haben. Dieser Raum soll einerseits für Schulungszwecke genutzt werden, kann aber auch für repräsentative Zwecke dienen.

Das ist noch nicht alles. Auf der Fläche des alten Hartplatzes hinter der Kegelbahn soll ein Kunstrasenplatz entstehen. Dort trainieren derzeit die Bogensportler, die Anlagen wurden erst vor 1,5 Jahren ausgebaut und sollen auch so bestehen bleiben. Platz für den Kunstrasen ist dennoch.

Das alte Funktionsgebäude im Stadion ist zu klein, zu alt und nicht mehr erweiterbar.
Das alte Funktionsgebäude im Stadion ist zu klein, zu alt und nicht mehr erweiterbar. © Karl-Ludwig Oberthuer

Der Betreiber: Sportclub Freital übernimmt Anlagen

Freitals größter Sportverein soll das Stadion bewirtschaften. Es soll zentraler Vereins- und Trainingspunkt werden. Dazu wurde zum 1. September 2021 ein Pachtvertrag zwischen Stadt und Verein geschlossen.

Der SC ist nicht nur Freitals größter Sportverein, sondern auch der jüngste. Er entstand erst im vergangenen Jahr aus der Vereinigung von Motor Freital, dem Hainsberger Sportverein und Blau-Weiß Stahl Freital.

Ziel der Vereinsfusion war es immer, die Kräfte zu bündeln, um das Stadion des Friedens auszubauen und bewirtschaften zu können. Bauherr im Stadion wird aber nicht der Verein sein, sondern die Wirtschaftsbetriebe Freital WBF, eine kommunale Holding.

Das Geld: Rund fünf Millionen Euro Baukosten

Die Stadt schätzt die Kosten für den Ausbau des Stadions sowie den Kunstrasenplatz auf 4,5 Millionen Euro. Bis zum Bauabschluss rechnet man mit einer Verteuerung von etwa zehn Prozent, also Gesamtkosten von gut fünf Millionen Euro.

Bisher rechnete man im Rathaus mit einer 50-prozentigen Förderung, also einem Zuschuss von etwa 2,5 Millionen Euro. Doch nun hat das Land Sachsen angesichts knapper Haushaltsmittel die Fördersätze drastisch gekürzt. In Zukunft gibt es nur noch 25 Prozent. Das heißt, der Zuschuss liegt bei rund 1,1 Millionen Euro, die Eigenanteile steigen auf rund 3,9 Millionen Euro.

Stemmen soll diese Kosten aber nicht die Stadt, sondern die Tochtergesellschaft WBF - entweder durch Kreditaufnahme oder über die vorhandene Liquidität. Wie Oberbürgermeister Uwe Rumberg im Stadtrat ausführte, sei diese auch vorhanden. Grundsätzlich wolle man lieber aus dieser Rücklage finanzieren, als Schulden für das Stadion aufzunehmen.

Die Meinungen: Stadträte wollen bauen

Eine flammende Rede für das Bauprojekt hielt Candido Mahoche (CDU). Er ist nicht nur Stadtrat, sondern auch Jugendtrainer beim SC Freital und hatte zur Unterstützung gleich noch einige Übungsleiter und einige Juniorenfußballer mitgebracht. "Wir sind sehr enttäuscht, dass die Unterstützung so nicht kommt. Die Sportler haben uns oft gefragt, wie es nun weitergeht und wir konnten keine Antwort geben", berichtet er aus dem Innenleben des Vereins.

Klaus Wolframm von der Mitte-Links-Fraktion erinnerte noch mal daran, dass die Sportförderung keine Pflichtaufgabe der Stadt sei. "Das kann nur eine potente Stadt und wir sind dazu in der Lage." Deshalb unterstützen die Fraktionsmitglieder das Vorhaben auch unter geänderten finanziellen Bedingungen.

Zustimmung kam auch von der Konservativen Mitte, ebenso von AfD, den Freien Wählern und den Bürgern für Freital. CDU-Stadträtin Franziska Darmstadt äußerte, der Stadionumbau sei ein Prestigeprojekt, welches man sich so nicht häufig leisten könne. Ihre Parteikollegin Jutta Ebert ergänzte, auch andere Vereine würden von den Sportanlagen profitieren.

René Seyfried (parteilos) ergänzte: "Die Vereinsfusion ist erst abgeschlossen, wenn der SC Freital in solch einem Stadion spielt."

Der Verlust: Stadion am Burgwartsberg kommt weg

Nicht zu retten ist jedoch das Stadion am Burgwartsberg. Auch wenn Lothar Brandau (FDP) sich sehr dafür einsetzte, die Fläche für den Sport und andere Veranstaltungen, zum Beispiel Konzerte, zu erhalten, steht fest: Das Sportfeld kommt weg.

Die rund 22.000 Quadratmeter, inmitten eines Wohngebiets gelegen, sollen freigeräumt und davon gut 16.000 Quadratmeter als Wohnbaustandort vermarktet werden.

Damit könnte die Modernisierung des Stadions des Friedens teilweise refinanziert werden. Die Stadt rechnet mit etwa 1,6 Millionen Euro, die ein Verkauf von Teilflächen des alten Stadions am Burgwartsberg einbringen könnten.