merken
PLUS Freital

Wie wird der Geopark eine Marke, Frau Pretzsch?

Die Projektmanagerin des Dorfhainer Vereins über mehr Umweltbildung, nachhaltige Projekte und Touren durch die Region.

Projektmanagerin Eva Pretzsch am Sitz des Geoparks Sachsens Mitte in Dorfhain.
Projektmanagerin Eva Pretzsch am Sitz des Geoparks Sachsens Mitte in Dorfhain. © Karl-Ludwig Oberthür

Vor genau sechs Jahren gegründet, will der Geopark Sachsens Mitte geologische Besonderheiten der Region zwischen Klosterbezirk Altzella und Osterzgebirge mehr in den Blickpunkt rücken. 26 Bürger und Unternehmen sowie 13 Kommunen aus Mittelsachsen sowie dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge haben sich zu Kooperationen mit dem Dorfhainer Verein entschlossen. Jüngster Mitstreiter ist Bannewitz. Warum der Verein um die Kommunen buhlt und welche ehrgeizigen Ziele er hat, darüber hat Sächsische.de mit der Projektmanagerin Eva Pretzsch gesprochen.

Frau Pretzsch, den Geopark verbindet man zwangsläufig mit dem Tharandter Wald. Warum verlassen Sie bei der Suche nach Mitgliedern und Angeboten diesen Bereich und damit Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Technische Universität Dresden
TU Dresden News
TU Dresden News

Was passiert an der Exzellenzuniversität TU Dresden? Aktuelle News und Informationen finden Sie in unserer Unternehmenswelt.

Das verlassen wir doch gar nicht. Denn der Geopark ist weit mehr als der Tharandter Wald. Wir verfolgen mit unserem Verein drei Alleinstellungsmerkmale, die wir auch vermarkten wollen. Das sind neben dem Vulkanismus im Tharandter Wald der Steinkohle- und Uranbergbau im Döhlener Becken, das sich bis Freital und Kreischa erstreckt, und der mittelalterliche Bergbau.

Das heißt, die Anzahl der Kommunen, mit denen der Verein Kooperationsverträge hat, wird weiter wachsen?

Etwas schon, aber wir setzen uns natürlich inhaltliche Grenzen und suchen nicht krampfhaft nach Kommunen. Gespräche und Entscheidungen stehen noch bei Glashütte, Hartmannsdorf-Reichenau und Kreischa aus. Dann wollen wir den Sack zubinden.

Aber es gibt viel mehr Städte in der Region, die eine Bergbaugeschichte haben.

Ja, doch das sind zum Teil größere Städte wie Freiberg, die bereits anderweitig vernetzt sind. Aber wir suchen natürlich die Zusammenarbeit mit Freiberg und anderen Partnern. Gern würden wir auch Verantwortliche aus Altenberg ins Boot holen. Das muss aber nicht immer in einem Kooperationsvertrag münden.

Überschneiden Sie sich denn da nicht mit anderen Initiativen? Gerade der mittelalterliche Bergbau hat in der Montanregion Erzgebirge mit seinem UNESCO-Welterbetitel bereits eine Heimat gefunden.

Nein, im Gegenteil. Wir wollen uns ergänzen, die Region als Ganzes ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Zu einem Geopark gehört Bergbau dazu. Unsere fünf Geopark-Ranger und die 30 Gästeführer aus dem Erzgebirge, von denen unser Verein die meisten ausgebildet hat, können Informationen ebenso vermitteln wie die vielen Heimat-, Geschichts- und Bergbauvereine. Es geht nicht schlechthin um den Aufbau der Marke Geopark, sondern um Angebote in der Region - für Touristen, Einheimische und Schulklassen. Aber wie überall hat auch uns die Corona-Pandemie zurückgeworfen. Einiges musste warten oder wurde verschoben.

Was zum Beispiel?

Umweltbildung. Das soll unser großes Thema werden. Genau hier wollen wir das Knowhow von Umweltzentren wie das Umweltbildungshaus Johannishöhe in Tharandt oder das Umweltzentrum Freital nutzen. Wir müssen nicht das Fahrrad zum 100. Mal erfinden. Mit engagierten Mitstreitern entwickeln wir bis November dieses Jahres Angebote für Vorträge, Projekttage mit Untersuchung von Gesteinsproben, Steineschleifen und Exkursionen zu Gesteinsformationen. Wir wollen damit an Schulen in den Kommunen gehen, die mit uns einen Vertrag haben. Gedacht sind unsere Angebote zunächst für Schüler der fünften Klassen bis zur Abiturstufe. An Jüngere wollen wir uns noch herantasten. Die bisher 20 Themenwege und Lehrpfade im Geopark zwischen knapp drei und 30 Kilometern wollen wir weiter ausbauen. Dabei heißt Geopark für uns auch, uns der Zukunft zu stellen, um Nachhaltigkeit wie regenerative Energien und gesunde Ernährung zu kümmern. So wird es künftig Exkursionen zu Windparks geben. Unterwegs ist zudem unser Geomobil mit verschiedenen Informationen, zuletzt war es auf dem Markt in Possendorf. Es fährt wieder vor am 14. August am Bürgerhaus in Bannewitz, am 11. September beim Dorffest in Mohorn, am 12. September in Halsbrücke und am 26. September beim Streuobstwiesenfest in Ulberndorf.

Genau das waren auch Fragen bei der letzten Gemeinderatssitzung in Bannewitz. Also, was haben die Gemeinden vom Geopark, und was erhofft sich der Verein von den Gemeinden?

Dass wir eben in den Schulen, bei Festen und auf Märkten präsent sind, den Kommunen und Vereinen aber auch Hilfe anbieten bei der Gestaltung von Informationstafeln oder Ausstellungen in Museen, bei fachlichen, wissenschaftlichen und touristischen Themen unterstützen. Umgedreht erhoffen wir uns eine Mitarbeit der Gemeinden, dass sie hinter der Idee stehen, eine entsprechende Infrastruktur bieten, um Besucher anzulocken. Wir wissen, dass die Unterstützung unseres Vereins eine freiwillige Aufgabe ist und durch die Pandemie ganz andere Probleme zu lösen sind. Umso mehr schätzen wir die Zusage der bisher 13 Kommunen.

Werbung in eigene Sache. Das Geomobil aus Dorfhain tourt durch die Region. Hier waren die Natur- und Landschaftsführer Dagmar Hellmann aus Halsbrücke und Lutz Wagner aus Hartha auf dem Wochenmarkt in Possendorf.
Werbung in eigene Sache. Das Geomobil aus Dorfhain tourt durch die Region. Hier waren die Natur- und Landschaftsführer Dagmar Hellmann aus Halsbrücke und Lutz Wagner aus Hartha auf dem Wochenmarkt in Possendorf. © Verein Geopark Sachsen

Wie viel zahlen die Kommunen, und wo kommen die anderen Finanzen für den Verein her?

Die Kommunen zahlen aktuell jährlich 13 Cent pro Einwohner und eine Pauschale von 1.000 Euro. Dazu kommen 1.500 Euro an Beiträgen der 26 Mitglieder und Unternehmen sowie 90.000 Euro an Fördermitteln. Die sogenannte Leader-Förderung der Europäischen Union für den ländlichen Raum hilft uns in der Aufbauphase. Aber Freistaat und Wirtschaft sollten sich mehr zum Geopark bekennen und die Vorhaben auch finanziell unterstützen. Andererseits müssen auch wir mit den genannten Angeboten attraktiver werden.

Gibt es weitere Vorhaben, mit denen der Geopark punkten will?

Weiterführende Artikel

Dorfhainer Geopark statt Sächsische Schweiz

Dorfhainer Geopark statt Sächsische Schweiz

Der Geopark soll sich als touristische Marke im Osterzgebirge etablieren. Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt will das Projekt unterstützen.

Jetzt warten wir erst einmal auf die Zertifizierung als vierter sächsischer Geopark durch die Alfred-Wegener-Stiftung Potsdam. Die Unterlagen sind eingereicht. Und wir beginnen im August mit der TU Bergakademie, dem Helmholtz-Institut und der Firma Geos aus Freiberg ein ganz besonderes Forschungsprojekt, gefördert mit Bundesmitteln. Dabei geht es um die Sanierung der Bergbauhalde des Davidschachtes in Freiberg. Wir übernehmen als Verein die Übersetzung der wissenschaftlichen Themen für die Öffentlichkeit. Dabei ist es allen Beteiligten wichtig, deutlich zu machen, dass Halden weitaus mehr als Müll der Geschichte sind. Gedacht ist auch an Führungen dorthin, die der Verein organisiert.

Mehr zum Thema Freital