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Gaukler und Ritter auf Schloss Burgk

In Freital fand einer der wenigen Mittelaltermärkte Sachsens in diesem Jahr statt. Der Andrang war dementsprechend groß.

Die Kinder bezwingen die Ritter des Thüringer Ritterbundes im Kampf.
Die Kinder bezwingen die Ritter des Thüringer Ritterbundes im Kampf. © Egbert Kamprath

Noch stehen die Ritter wie Eichen in ihren schweren Rüstungen. Doch dann fordert Maik Elliger als Graf von Schwarzburg die mit Schwertern, Lanzen und Gummihämmern ausgerüstete Kinderschar zum Angriff auf. Die zögerte nicht lange und bestürmte die Ritter. Es dauert keine drei Minuten bis der letzte Ritter fällt. Die Kinder freuen sich - und Maik Elliger auch. So macht Mittelalter auch für Kinder Spaß. 

Feuerspucker Reiner Schierborn aus Jaroslaw (Polen) zeigte sein Können.
Feuerspucker Reiner Schierborn aus Jaroslaw (Polen) zeigte sein Können. © Egbert Kamprath

Elliger ist Vorsitzender des Ritterbundes Thüringen, einer 30-köpfigen Truppe, die sich in ihrer Freizeit mit dem Rittertum befasst und von Mittelaltermarkt zu Mittelaltermarkt reist. An vergangenen Wochenende war der Ritterbund zum ersten Mal beim Mittelalterspektakel auf Schloss Burgk in Freital. Für einige aus der Truppe ein Heimspiel. "Wir haben Mitglieder aus Freital und Dresden", sagt Ellig. Die haben sich besonders gefreut, nun endlich auch mal in Freital Schwertkämpfe vorzuführen, alte Handwerkstechniken zu demonstrieren und eine Modenschau zu präsentieren. Gezeigt wurde Kleidung vom Jahr neun nach Christus bis zur Zeit der Napoleonischen Kriege. 

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"Sonst sind wir in ganz Europa unterwegs." Doch wegen der Corona-Epidemie ging das nicht, berichtet Elliger. Weil die sonst beim Mittelalterspektakel auftretende Fechtgruppe aus Tschechien wegen der Corona-Auflagen nicht kommen konnte, sprang der Ritterbund kurzfristig ein. 

Ronny und Annette Deiters mit den Kindern Till, Magdalena und Florian haben Spaß am Zuber von Lutz Lehmann alias Ludwig der Enterbte (rechts).
Ronny und Annette Deiters mit den Kindern Till, Magdalena und Florian haben Spaß am Zuber von Lutz Lehmann alias Ludwig der Enterbte (rechts). © Egbert Kamprath

Auf diesen Coup ist Marktleiter Thomas Szymkowiak noch heute stolz. Er hat das Fest zusammen mit dem Projektzentrum Dresden organisiert. "Die Thüringer sind perfekt und penibel, sie stellen Ritterkunst in Perfektion dar." Szymkowiak hatte aber noch mehr zu tun, als Ersatz für die Fechter aus Böhmen zu organisieren. Es galt auch die Coronavorschriften zu erfüllen. Leicht sei das nicht gewesen. Erst eine Woche vor dem Fest hat das Landratsamt Pirna das Hygienekonzept gebilligt. Der Aufwand hat sich gelohnt, wie das Fest zeigte. Sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag war das Festgelände sehr gut besucht. "Wir haben ein treues Publikum", sagt Szymkowiak. Das komme seit Jahren zum Mittelalterspektakel, das eigentlich immer am Osterwochenende stattfindet und in diesem Jahr in den Oktober verschoben wurde. 

Marktleiter Thomas Szymkowiak (links) traf Karl Roland alias Karl von Dräsn, den früheren Marktvogt, der krankheitsbedingt nur in zivil teilnehmen konnte.
Marktleiter Thomas Szymkowiak (links) traf Karl Roland alias Karl von Dräsn, den früheren Marktvogt, der krankheitsbedingt nur in zivil teilnehmen konnte. © Egbert Kamprath

"Großes Lob ans Publikum: Die Besucher sind sehr diszipliniert", sagt Szymkowiak. Ohne Diskussionen füllten sie die Anmeldeformulare aus, um sich dann nach noch mal am Kartenschalter anzustellen. Es war kein Murren und Meckern zu hören. Manchmal kam es zu Wartezeiten, denn es durften nur 1.000 Besucher gleichzeitig auf dem Gelände sein.  Damit das Konzept aufgeht, wurde das Festgelände vergrößert. Im Unterschied zu den bisherigen Veranstaltungen gehörten auch der Spielplatz und der Platz hinter der Scheune dazu. Das ermöglichte es den Besuchern, Abstand zu halten. Aufgebaut waren 50 Stände. 100 Akteure waren auf dem Festgelände aktiv.

Matthias Sengenberger aus Freital war mit Frau Annette und seiner Schauschmiede dabei.
Matthias Sengenberger aus Freital war mit Frau Annette und seiner Schauschmiede dabei. © Egbert Kamprath

"Es war ein Geschenk, dass wir das Fest jetzt machen durften und die Stadt Freital mitgespielt hat", sagt Szymkowiak. Damit wollte man nicht nur den Mittelalterfans etwas bieten, sondern auch die Marktleute aus dem "Winterschlaf" holen. Diese hatten keine leichte Saison. Nach dem Lockdown Mitte März war Schluss, es gab keine Märkte mehr. 

So ging es auch Annette und Matthias Sengenberger. Die beiden Freitaler betreiben eine mittelalterliche Schauschmiede, mit der sie an Wochenenden oft unterwegs sind. "Das hier ist unser erster Auftritt in diesem Jahr", sagt Annette Sengenberger, die den Blasebalg betätigt, damit ihr Mann schmieden kann. Lutz Lehmann, der ein paar Stände weiter einen Zuber aufgestellt hat und für Spaß an der Wassergouillotine sorgt, hat nach dem Lockdown auch über Monate keinen Markt besucht. Der Gaukler aus Falkenberg/Elster hat sich im Sommer eine Auszeit genommen, war vier Wochen an der südfranzösischen Mittelmeerküste.

"Das ging damals, jetzt ist die Region ein Risikogebiet". Gelebt hat er von seinen Ersparnissen. Inzwischen ist er wieder im Geschäft. "Das hier ist mein vierter Markt nach dem Ende des Lockdowns", erzählt der Brandenburger. Die Stimmung hier in Freital ist ausgelassen. Die Leute haben Spaß. Das freue ihn. "Man merkt, dass viele sich nach solchen Veranstaltungen gesehnt haben." 

Schriftenmaler Maik Elliger vom Ritterbund Thüringen zeigt, wie man früher auf Pergamentpapier geschrieben hat.
Schriftenmaler Maik Elliger vom Ritterbund Thüringen zeigt, wie man früher auf Pergamentpapier geschrieben hat. © Egbert Kamprath

Dazu zählt auch Familie Deiters aus Wilsdruff. Vater Ronny war so kühn und setze sich zur Freude der Kinder auf die Wassergouillotine. Angeklagt wurde er übrigens dafür, dass er seinen Kindern zu wenig zu essen gebe. Deshalb seien sie so klein - was stimmte, schließlich sind sie erste zwei, vier und sieben Jahre alt. Das Urteil, dass Lutz Lehmann alias Ludwig der Enterbte fällte, wurde sofort vollstreckt. 

Dem Wilsdruffer brachte das einen Fall ins kalte Wasser und einige Lacher. Der junge Mann machte den Spaß mit und durfte "zur Belohnung" nach dem kalten Bad in den warmen Zuber steigen. Die junge Familie, die gern Mittelaltermärkte besucht, hatte jedenfalls ihren Spaß, und Frau Annette durfte ihrem Gatten noch den Rücken schrubben. Auch Daniel Krauß, der mit Frau Sindy und den Kindern Alexander und Annelie aus Freiberg angereist war, war froh, wieder ein paar Stunden Mittelalter-Atmosphäre erleben zu dürfen. "Endlich ist wieder mal was los", sagt er. 

In Sachsen gab es in diesem Jahr nicht viele Möglichkeiten, einen Mittelaltermarkt zu besuchen. Denn laut Szymkowiak war der Freitaler Markt einer der wenigen, die in diesem Jahr stattfinden konnten. Knapp 3.000 Besucher haben diese Chance genutzt.

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