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Freital: Ärger um Gelbe Tonnen

Lang ersehnt, schlecht durchgeführt: Der Einheitsbehälter ist manchen zu groß, anderen zu klein. Eine Hoffnung bleibt.

Im Wohngebiet "Auf der Scheibe" wurde gut ein Dutzend Tonnen pro Müllplatz aufgestellt.
Im Wohngebiet "Auf der Scheibe" wurde gut ein Dutzend Tonnen pro Müllplatz aufgestellt. © Egbert Kamprath

Viele Jahre machte der Gelbe Sack Ärger. Mal zerpflückte der Wind das dünne Material, wenn der Sack am Abholtag am Straßenrand stand. Mal waren es wilde Tiere, die sich über den Inhalt hermachten und den Abfall verteilten. Und dann gab es noch die Beschaffungssorgen, weil an den Ausgabestellen oft keine Säcke vorrätig waren. Das ist nun vorbei, denn die Gelbe Tonne wird eingeführt. Aber kaum wurden die ersten Behälter verteilt, gibt es neuen Ärger. Dieses Mal geht es um die Größe der Abfallkübel. 

So werden im Landkreis flächendeckend 240-Liter-Tonnen verteilt. Die Entsorgungsfirma Kühl stellt diese derzeit auf.  "Was soll ich denn damit?", fragt zum Beispiel Roland Tinz aus Freital. Er wohnt mit seiner Frau in der Neuen Heimat, einer Doppelhaussiedlung mit vielen kleinen Haushalten. "Bei uns kommt in zwei Wochen ein Gelber Sack zusammen. Dafür brauche ich nie und nimmer eine 240-Liter-Tonne. Mir würde ein 120-Liter-Behälter völlig ausreichen", argumentiert Roland Tinz. Angesichts des neuen Plastikmonsters in seinem Vorgarten griff der Freitaler zum Telefon und erlebte eine gut einwöchige Irrfahrt durch die Zuständigkeiten von Firmen, Behörden und Verbänden.

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"Beim Entsorger Kühl verwies man mich an den Abfallzweckverband. Dort sagte man, dass Duale System sei zuständig. Dort wiederum verwies man an eine Firma in Mainz, die die Tonnen beschafft. Dort war man sehr nett, verwies mich aber wieder an Kühl. Die wiederum zeigten auf den Abfallzweckverband." Er sei sich vorgekommen wie Asterix in der berühmten Filmszene auf der Suche nach dem Passierschein A38. 

Gelber Sack wird erst in zwei Wochen voll

Und Roland Tinz ist nicht der Einzige, der sich beklagt. Armin Steuer wohnt an der Freitaler Straße in Pesterwitz. "Wir sind drei Personen und achten darauf, dass bei uns nicht so viel Müll anfällt." In zwei Wochen komme er auf einen vollen Sack. "Dafür brauche ich nicht solch eine große Tonne." In Armin Steuers Nachbarschaft ist das Verhältnis noch krasser. Dort wohnen mehrere verwitwete Damen. In ihrem Ein-Personen-Haushalt falle so wenig Müll an, dass sie für die Tonne wohl Monate brauche, bis sie voll ist, erzählt eine. Ein Hauseigentümer aus Tharandt berichtet, er habe vier Tonnen für sich und seine Mieter bekommen. "Dabei kamen in zwei Wochen im Durchschnitt nur vier Säcke im gesamten Haus zusammen."

Beim Entsorger Kühl verweist man auf eine Entscheidung von Landkreis und Abfallzweckverband. Das bestätigt Stefan Wessel, Regionalleiter Nord der Mainzer Landbell AG, dessen Unternehmen für die Wertstoffsammlung zuständig ist. "Für die 240-Liter-Tonne haben sich der Landkreis und der Abfallzweckverband entschieden." In größeren Wohnanlagen seien auch 1.100-Liter fassende Rollcontainer möglich, informiert die Firma Kühl auf ihrer Homepage. Allerdings nur dort, wo bereits auch die vierrädrigen Restabfallbehälter stehen.

Doch bei der Verteilung muss etwas schief gelaufen sein. Im Freitaler Wohngebiet Auf der Scheibe zum Beispiel. Dort stehen zwar Restabfall-Rollcontainer und die Freitaler Wohnungsgenossenschaft Gewo hatte auch Gelbe Rollcontainer geordert. Doch aufgestellt wurden die 240-Liter-Tonnen. Ein gutes Dutzend steht dort jetzt um die jeweiligen Müllplätze, weil in den Boxen kein Platz ist. Aufgeräumt sehe das nicht gerade aus, kommentiert Friederike Ebert, Vorstand bei der Gewo. Angeblich sollen die Tonnen auch wieder eingesammelt und noch durch die größeren Behälter ersetzt werden.  

Wunsch nach 1.110-Liter-Behältern blieb unerfüllt

Darauf hofft auch Robert Vetter, Vorstand bei der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft Freital (GWG). Man habe, so berichtet Vetter, Anfang 2020 mit dem Abfallzweckverband zusammengesessen und über das Volumen der Behälter diskutiert. "Wir haben eine Liste erstellt, wo wir 240-Liter-Tonnen und wo wir 1.110-Liter-Container benötigen." Er sei auch verblüfft und zudem etwas verärgert gewesen, als dann plötzlich überall die 240-Liter-Tonnen abgestellt wurden. Auch die GWG hat Wohnhäuser im Viertel Auf der Scheibe. "Dort ist nun genau das eingetreten, was wir nicht wollten." Vorstand Vetter befürchtet, dass das der Ist-Zustand wird. "Unser Ziel ist immer noch, dass wir für die größeren Wohnblöcke Rollcontainer bekommen. Das muss doch möglich sein!"    

Verhandlungsspielraum gibt es noch. Das bestätigt Landbell-Regionalleiter Wessel. Die Entscheidung, wer welche Tonnengröße bekommt, werde nochmals überprüft. Verantwortlich sind die Firmen Kühl und Becker, die sich zu einer Arbeitsgemeinschaft vereint und die Ausschreibung für die Müllentsorgung gewonnen haben. Beide Firmen überprüfen ab Anfang des kommenden Jahres den Bedarf an Tonnen. Ein wichtiges Kriterium sind die Rückmeldungen der Bürger über die Telefon-Hotline von Kühl und Becker. "Erfahrungswert aus anderen Ausschreibungsgebieten ist, dass im Regelfall die 240-Liter-Tonnen die Bürger überzeugen", so Wessel. Denn die benötigte Standfläche einer 240-Liter-Tonne ist nur marginal größer als die einer 120-Liter-Tonne. In die kleine Tonne passen umgerechnet nur 1,33 Gelbe Säcke hinein.

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Roland Tinz von der Neuen Heimat kann das dann egal sein. Er hat sich eine gute Woche lang durch alle Instanzen telefoniert und gewonnen. Er hat bereits schriftlich die Zusage bekommen, dass er eine 120-Liter-Tonne erhalten wird. 

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