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Dresdnerin restauriert Possendorfer Bild

Das alte Kirchen-Taufstein-Gemälde die "Taufe Jesu im Jordan" aus dem 17. Jahrhundert wird rundum restauriert - und das nicht zum ersten Mal.

Die Restauratorin Anke Stenzel bei der Arbeit am Taufsteinbild in ihrem Atelier. Im Hintergrund ist das Gemälde aus der Rüstkammer mit Johanna Charlotte von Brandenburg-Schwedt zu sehen.
Die Restauratorin Anke Stenzel bei der Arbeit am Taufsteinbild in ihrem Atelier. Im Hintergrund ist das Gemälde aus der Rüstkammer mit Johanna Charlotte von Brandenburg-Schwedt zu sehen. © Marion Doering

In Dresden-Mickten liegt das fast 400 Jahre alte Gemälde aus der Possendorfer Kirche derzeit in einem kleinen Hinterhofhaus auf der großen Arbeitsplatte des Ateliers der Gemälde-Restaurateurin Anke Stenzel. Die Künstlerin, mit den ruhigen Händen und mit fast 30-jähriger Berufserfahrung wird das Taufsteinbild aus dem Jahr 1656 für rund 8.000 Euro wieder zu seinem alten Glanz verhelfen. Das runde Bild wurde seinerzeit mit Öl-Temperafarben auf Holzuntergrund erschaffen, sagt Anke Stenzel und erwähnt: "Es ist offenbar nicht das erste Mal, dass das Bild restauriert wurde. Wahrscheinlich ist es nach 1773, als der Rahmen entstand, bereits ausgebessert worden." Wann genau das war müssten allerdings Einträge der Possendorfer Kirchenbücher offenbaren.

Im Atelier ist es kühl, die Luftfeuchtigkeit liegt exakt bei 67 Prozent, genau so hoch wie in der Possendorfer Kirche. Das sei wichtig, sagt die erfahrene Künstlerin: "Wenn ich das nicht mache trocknet das Holz und die Schäden am Gemälde verstärken sich." In Museen liegt die Luftfeuchtigkeit im Schnitt zwischen 50 und 55 Prozent - um historische Bilder optimal erhalten zu können. 

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Das Possendorfer Schmuckstück aus der frühen Barock-Zeit hat über die vielen Jahre hinweg in der Kirche auf dem Berg in Possendorf einige Schäden erlitten. So blättert der Goldrand des Rahmens ab, es zeigt außerdem Ablösungen der Leinwand auf und mittig verläuft ein Riss durch das Holz. Zudem muss die Aufhängung an der Rückseite erneuert werden. Frühestens Ende des Jahres wird die Restaurateurin mit dem Taufsteinbild fertig sein. Im Januar soll es zurück in die Kirche Possendorf gehen, wo es zu Taufen aufgestellt und sonst unter Verschluss gehalten wird.

Bis dahin wird Anke Stenzel die Ablösungen der Leinwand am Holzrahmen festkleben und einen ersten Kreidegrund auftragen. Danach werde die Leinwand verleimt und ein weiterer Kreidegrund aufgebracht, auf dem dann helles feinstes Blattgold aufgetragen wird. "Das hört sich teurer an als es tatsächlich ist", sagt Anke Stenzel: "Ich werde sicherlich ein Heftchen Blattgold brauchen und das kostet zwischen 30 und 40 Euro." Die abgesplitterten Holzteile am Ring, der das Bild einfasst, würden in aufwendiger Kleinarbeit exakt aus neuem Holz gesägt, eingeklemmt und mit einem Schnitzeisen in Form gebracht. Am Bild selbst würden die beschädigten Stellen unter anderem mit Temperafarben in mehreren dünnen Schichten ausgeglichen und danach mit Harz-Ölfarben retuschiert werden.

Am Possendorfer Taufstein-Gemälde und dem Holzrahmen mit Goldrand sind viele Schäden zu beheben.
Am Possendorfer Taufstein-Gemälde und dem Holzrahmen mit Goldrand sind viele Schäden zu beheben. © Marion Doering

Neben dem weißen Arbeitstisch, auf dem die feinen Pinsel liegen stehen auch andere Kunstwerke, die Anke Stenzel restauriert. So findet sich auf der Staffelei ein Gemälde. Das Bildnis aus der Rüstkammer zeigt Johanna Charlotte von Brandenburg-Schwedt und wurde um das Jahr 1720 geschaffen. Das Öl-auf-Leinwand-Gemälde von der Dame in rotem Hermelinmantel wurde 1926 zusammen mit einem Porträt Augusts des Starken, für das Historische Museum erworben. Das Porträt war zwar 1926 als Anna Constanza Gräfin Cosel inventarisiert worden. Das bestätigte sich allerdings nicht. Vielmehr steht nun fest, dass es sich um Johanna Charlotte von Brandenburg-Schwedt handelt. Restauratorin Anke Stenzel hat die Arbeiten an dem Gemälde fast abgeschlossen.

Anke Stenzel arbeitet seit 1992 als Restauratorin, weil sie Kunst liebt und Kunst erhalten möchte, sagt sie Sächsische.de: "Dass Dresden mit seiner Gemäldegalerie dabei in direkter Nähe zu meinem Wohnort liegt, ist von großem Vorteil", erzählt die erfahrene Restaurateurin. So absolvierte sie zu Beginn ihrer Laufbahn auch ein zweijähriges Praktikum in der Gemäldegalerie Alte Meister und schloss ein fünfjähriges Studium an.

Das Taufsteinbild aus der Possendorfer Kirche liegt auf der Arbeitsplatte der Restaurateurin Anke Stenzel.
Das Taufsteinbild aus der Possendorfer Kirche liegt auf der Arbeitsplatte der Restaurateurin Anke Stenzel. © Marion Doering

Zuletzt arbeitete sie mit Kollegen an der Restaurierung des um 1571 entstandenen Bildes "Der Cuccina-Zyklus" von Paolo Caliari, genannt Veronese mit. Der Maler war neben Tizian und Tintoretto einer der bedeutendsten Vertreter der venezianischen Renaissancemalerei. Der Cuccina-Zyklus, hängt seit der Wiedereröffnung in der Gemäldegalerie Alte Meister im Dresdner Zwinger.

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