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Freital: Gottfried Bammes im Tal der Arbeit

Ein neues Buch befasst sich mit einer wichtigen Episode in der Biografie des Freitaler Künstler-Anatomen. Die hat viel mit glühendem Stahl zu tun.

1949 malte Gottfried Bammes das Bild „Formsandecke“ mit Aquarell- und Gouachefarben. Es ist in Besitz der Städtischen Sammlungen Freital.
1949 malte Gottfried Bammes das Bild „Formsandecke“ mit Aquarell- und Gouachefarben. Es ist in Besitz der Städtischen Sammlungen Freital. © Anke Stenzel

Gottfried Bammes war erst dreizehn Jahre alt, als er 1933 seine Heimatstadt in einer kleinen Radierung als „Freital, Tal der Arbeit“ bezeichnete. Diesen Namen trug die 1921 aus drei Industriedörfern zusammengefügte Stadt bis zur Wende, mehr oder zum Ende der DDR hin weniger stolz, danach schämte sich mancher dieser Bezeichnung. Sie traf auch nicht mehr in dem Maße wie vorher zu. Viele der volkseigenen Betriebe, deren Wurzeln oft bis ins 19. Jahrhundert reichten, überlebten die Privatisierung durch die Treuhand nicht.

Den 1920 in Potschappel geborenen Bammes indes faszinierten die Arbeiter und deren oft schwere und schweißtreibende Tätigkeiten an den Hochöfen im Eisenhammerwerk Dölzschen und im Edelstahlwerk Freital. Seit 1947 freischaffend tätig, arbeitete er in beiden Betrieben, bis er 1951 ein Studium an der Hochschule für bildende Künste in Dresden begann.

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Assistent in der Künstleranatomie

Diese frühe Schaffensphase hat Markus Kidalka jetzt in einem Büchlein zusammengefasst, herausgegeben von Bammes’ jüngster Tochter, der Restauratorin Anke Stenzel. Kidalka, Jahrgang 1992, war während seines Studiums an der Kunsthochschule in Dresden Assistent in der Künstleranatomie und studentische Hilfskraft im Archiv, dort unter anderem mit der Neustrukturierung der Bilddatenbanken der Anatomischen Sammlung betraut. Dabei stieß er zwangsläufig auf Gottfried Bammes, der den Lehrstuhl Künstleranatomie aufgebaut hatte und 25 Jahre lang Professor war, sowie auf Anke Stenzel, die den Nachlass verwaltet und das Erbe ihres Vaters pflegt und lebendig hält.

Anke Stenzel und Markus Kidalka mit der neuen Broschüre.
Anke Stenzel und Markus Kidalka mit der neuen Broschüre. © Anke Stenzel

Sie hat den 100. Geburtstag der Stadt Freital zum Anlass genommen, erstmals eine heute weitgehend unbekannte Episode in der Biografie ihres Vaters zu publizieren. Die 56 Seiten starke Broschüre „Gottfried Bammes – Im Tal der Arbeit“ zeigt Skizzen und Gemälde aus dem Eisenhammerwerk und dem Edelstahlwerk, die zwischen 1948 und 1952 entstanden sind.

Schon hier richtet Bammes seinen Fokus auf die Bewegungen der Menschen. Es wird sein Thema, mit dem er sich ein Leben lang intensiv befasst. Bammes, der 2007 starb, verfasste weltweit anerkannte Standardwerke zur Künstleranatomie. Dem Tal der Arbeit ist er übrigens Zeit seines Lebens treu geblieben.

Das Buch kostet 12 Euro, Bezug über Anke Stenzel.

Am 19. Juni lädt sie ab 14 Uhr zur Besichtigung des 1950 entstandenen Wandgemäldes von Gottfried Bammes in die Schule Kleinnaundorf ein. Anmeldungen per E-Mail: [email protected]

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