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Brand im Proberaum einer Freitaler Band

Die Musiker verlieren Instrumente und Technik. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Brandstiftung.

Bassist Richard Nikolai steht am Montagnachmittag im ausgebrannten Proberaum seiner Band „Dawn of the Unleashed“ in Freital-Döhlen.
Bassist Richard Nikolai steht am Montagnachmittag im ausgebrannten Proberaum seiner Band „Dawn of the Unleashed“ in Freital-Döhlen. © Thomas Morgenroth

Kopfschüttelnd begutachtet Richard Nikolai eine angekohlte E-Gitarre, deren Holzkorpus wie zum Hohn mit stilisierten Flammen verziert ist. „Die wird kaum zu retten sein“, sagt er und lehnt das Instrument an einen Lautsprecher, dessen Kunststoffgehäuse teilweise geschmolzen ist und einem bizarren Kunstwerk ähnelt. Ein brandig stinkendes Chaos breitet sich ringsum aus. Der Freitaler schüttelt fassungslos den Kopf, als er am Montagnachmittag in der zerstörten „heiligen Halle“ seiner Rockband „Dawn of the Unleashed“ steht, die er 2007 mit gegründet hat.

Der Proberaum der fünf Musiker im ehemaligen Kupplungswerk in Döhlen ist in der Nacht zum Montag ausgebrannt. Viele Instrumente und wesentliche Teile der Technik sind zerstört, Erinnerungsstücke unwiederbringlich verloren. Überall hat sich Ruß abgelagert, die Wände sind nass, Fußboden, Verstärker oder Kartons mit CDs und T-Shirts stehen noch Stunden nach Einsatz der Feuerwehr zentimeterhoch unter Wasser. Nur Pamela Anderson hat unbeschadet überlebt: Das betagte Kalenderblatt mit dem Bild des ehemaligen Sexsymbols war unter einer Wandverkleidung versteckt, die nun in Fetzen liegt.

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Schaden im fünfstelligen Bereich

In der Nacht zum Montag stand der vielleicht dreißig Quadratmeter große Raum im Erdgeschoss des Industriegebäudes hinter der Aral-Tankstelle in Flammen. Der Gitarrist der Band bemerkte das Feuer und wählte kurz vor eins den Notruf. Gerade rechtzeitig, um noch größeren Schaden zu verhindern. Die Löscharbeiten gingen rasch vonstatten. Die benachbarten Räume, in denen zwei weitere Bands proben, und auch die Etage darüber, wo bis Oktober 2019 die Spielbühne ihr Theater hatte, blieben von den Flammen verschont.

Der Proberaum von „Dawn of the Unleashed“, was Nikolai mit „Aufgang der Entfesselten“ übersetzt, hat indes einen Totalschaden erlitten. Mittlerweile ist er weitgehend ausgeräumt, die Fenster sind verschlossen. Einige Teile des Equipments, die vielleicht noch zu gebrauchen sind, konnten in eilig leergeräumte Zimmer der anderen Bands untergestellt werden. Richard Nikolai schätzt die Verluste für seine Band auf einen höheren fünfstelligen Betrag. „Genau wissen wir das natürlich erst, wenn alles begutachtet ist“, sagt er.

Eigentümer will Anwesen verkaufen

Sicher sei indes, sagt Richard Nikolai, dass der Brand, der sich von einem Fenster aus in den Raum ausbreitete, nicht von der Band ausging und nicht auf einen technischen Defekt zurückführen sei. Das sind wohl auch die Erkenntnisse der Polizei, die wegen des Verdachts auf Brandstiftung ermittelt. Am Montag waren zwei Brandursachenermittler vor Ort. Ein Ergebnis gibt es noch nicht. „Das kann dauern“, sagt ein Sprecher der Polizeidirektion Dresden. „Wir brauchen ja gerichtsfeste Belege.“ Einen politischen Hintergrund für einen Anschlag schließt Nikolai aus. „Wir spielen Melodic-Death-Metal und vermitteln keinerlei politische Botschaften.“ Weiter will er sich zu dem Thema nicht äußern: „Wir warten die Ermittlungen ab“, sagt er.

„Eine Rückkehr in die heiligen Hallen wird es wohl nicht geben, dafür ist der Schaden zu heftig“, heißt es auf der Facebookseite der Band. Womit sie richtig liegen dürfte: Es ist tatsächlich anzunehmen, dass der Eigentümer, der Münchner Promiwirt Josef Krätz, keinen Cent in das Anwesen investieren wird, das tut er schon seit Jahren nicht. Er will das 12.000 Quadratmeter große Gewerbegrundstück verkaufen – für 1,2 Millionen Euro. Das jedenfalls war sein letztes Angebot an die Stadt Freital.

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Insofern muss sich die Band, die ein Freizeitprojekt ist und bereits zwei CDs eingespielt hat, nach 15 Jahren eine andere Bleibe suchen. Die Katastrophe sei nicht das Ende der Band, betont der Bassist. Buchstäblich wie „Phönix aus der Asche“ will „Dawn of the Unleashed“ auferstehen, heißt es auf der Facebookseite. Vielleicht sogar mit einer feuererprobten Gitarre, sofern eines der Instrumente zu retten ist.

https://www.facebook.com/dawnoftheunleashed/?ref=page_internal

Sänger Jörg Schneeweiß zeigt eine durch das Feuer zerstörte Snare Drum (kleine Trommel).
Sänger Jörg Schneeweiß zeigt eine durch das Feuer zerstörte Snare Drum (kleine Trommel). © Thomas Morgenroth
Teile des Schlagzeuges mit Brandspuren.
Teile des Schlagzeuges mit Brandspuren. © Thomas Morgenroth
Von diesem Fenster aus, das mit Holz und Dämmwolle verschlossen war, breitete sich der Brand im Proberaum aus.
Von diesem Fenster aus, das mit Holz und Dämmwolle verschlossen war, breitete sich der Brand im Proberaum aus. © Thomas Morgenroth
Eine brandgeschädigte Gitarre.
Eine brandgeschädigte Gitarre. © Thomas Morgenroth
Das Feuer hat deutliche Spuren an der Fassade hinterlassen.
Das Feuer hat deutliche Spuren an der Fassade hinterlassen. © Thomas Morgenroth

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