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Freital hat wieder eine Pfarrerin

Bärbel Flade ist seit 1. Januar im Amt. Sie wechselte von Thüringen nach Sachsen – aus privaten Gründen.

Bärbel Flade ist Freitals neue Pfarrerin. Hier steht sie in der Deubener Christuskirche, in der am Sonntag die Amtseinführung ist.
Bärbel Flade ist Freitals neue Pfarrerin. Hier steht sie in der Deubener Christuskirche, in der am Sonntag die Amtseinführung ist. © Karl-Ludwig Oberthür

Ein Schreibtisch, zwei Sessel, ein Stuhl, kein Schrank, kahle Wände und Umzugskartons auf dem Fußboden: Im Amtszimmer von Bärbel Flade in Deuben sieht es noch recht spartanisch aus. „Die Möbel sind bestellt“, sagt die 59-Jährige, die seit Jahresanfang Pfarrerin der Evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Freital ist. Sie folgt Annegret Lattke, die vor nunmehr fast zwei Jahren in die Kirchgemeinde Dresden-Trachau gewechselt war.

Bärbel Flades Amtszimmer aber ist das ehemalige von Christoph Singer, der im Juni vergangenen Jahres in den Ruhestand ging. Ein halbes Jahr waren deshalb beide Pfarrstellen der Kirchgemeinde Freital vakant. Eine ist mit Bärbel Flade nun wieder besetzt. Sie wechselte von Thüringen nach Sachsen, was einfacher klingt als es ist. „Es sind ja zwei verschiedene Landeskirchen“, sagt sie. Ihrem Wunsch, der private Gründe hat, wurde letztlich entsprochen.

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17 Jahre in Sachsenbrunn

„Wir wollten unserer Familie nahe sein“, sagt Bärbel Flade. „Mein Mann, der auch Pfarrer war, ist bereits im Ruhestand. Unsere vier Kinder und die Enkelkinder leben in Dresden.“ So kommt es, dass Bärbel Flade, die aus Olbernhau im Erzgebirge stammt, im 60. Lebensjahr einen Neuanfang wagt. „Das ist eher ungewöhnlich und auch nicht leicht“, gibt sie zu. „Aber ich habe Freude daran, es ist spannend und eine Herausforderung.“ Die Kirchgemeinde Freital, die rund 2.600 Mitglieder hat, findet sie „beeindruckend“. „Es gibt gute Angebote für alle Generationen.“ Inzwischen ist sie Freitalerin geworden, am Fuße der Schweinsdorfer Alpen haben Bärbel und Bernd Flade eine schöne Wohnung gefunden.

Siebzehn Jahre lang war sie Pfarrerin in der Kirchgemeinde Sachsenbrunn im fränkisch geprägten Süden Thüringens. Sachsenbrunn ist ein Stadtteil von Eisfeld im Landkreis Hildburghausen. Es war Bärbel Flades erste Pfarrstelle. Sie ist erst spät und über Umwege zu ihrem Beruf gekommen, was viel mit der DDR und der Wende zu tun hat. „Ich bin in einem christlichen Elternhaus groß geworden“, sagt sie. Maßgeblich geprägt habe sie die von Staat und Stasi argwöhnisch beobachtete offene Jugendarbeit des Pfarrers Frieder Burkhardt, der Mitte der Siebzigerjahre von der Weinbergkirche Dresden-Trachenberge ins Erzgebirge kam – nicht ganz freiwillig.

Gemeindeschwester im Erzgebirge

„Mein Pfarrer sagte mir, ich solle Theologie studieren, aber das war damals noch eine Männerdomäne“, erinnert sie sich. Außerdem habe sie sich ein Studium unter den damaligen Bedingungen nicht vorstellen können. „Ich wollte aber beruflich etwas machen, wo ich mit Menschen Umgang habe“, sagt sie. Mit 18 ging sie nach Leipzig und ließ sich zur Krankenschwester ausbilden. „Das Medizinische“ habe sie aber nicht so interessiert, meint sie.

Deshalb wurde sie Gemeindeschwester im Erzgebirge, so etwas wie die legendäre Schwester Agnes aus dem DDR-Fernsehen. „Ich hatte wie sie eine Schwalbe als Dienstfahrzeug“, sagt Bärbel Flade, „bin aber kaum damit gefahren.“ Sie gründete mit ihrem Mann Bernd, der aus dem Vogtland stammt, eine Familie, bekam drei Kinder und richtete sich ihr Leben ein. Dann aber wirbelte 1989 die politische Wende alles durcheinander. „Es war plötzlich so viel möglich“, sagt sie, „und ich hatte Wünsche.“ In dieser hoffnungsvollen Aufbruchstimmung wollte Bärbel Flade etwas Neues anfangen – und nun doch noch Pfarrerin werden.

Studium mit vier Kindern

Mit 30 begann sie an der Universität in Leipzig ein Direktstudium der evangelischen Theologie. Dann bekam sie ihr viertes Kind und pausierte drei Jahre. 1995 trat Bernd Flade eine Stelle als Pfarrer in der Kirchgemeinde Crock im Landkreis Hildburghausen an, und die ganze Familie zog nach Südthüringen. Bärbel Flade beendete ihr Theologiestudium schließlich im Jahr 2000 an der Universität in Jena. Nach dem Vikariat in Eisfeld, also dem praktischen Teil der Ausbildung zum Pfarrer, bekam sie 2003 die Stelle in Sachsenbrunn. „Ich war dort sehr gerne Pfarrerin“, sagt sie.

Mitte November verabschiedete sie sich mit einem Gottesdienst von ihrer Gemeinde, nachdem ihr Mann bereits im August in den Ruhestand gegangen war. Das zu tun, sagt sie, habe sie auch überlegt, aber sich dagegen entschieden. Ihr Berufsleben sei noch nicht zu Ende, meint Bärbel Flade, die in Freital wie schon in Sachsenbrunn einen Schwerpunkt ihrer Arbeit in der Seelsorge sieht. „Ich will die Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten und in ihrem Glauben stärken.“ Sie hat eine Klinische Seelsorgeausbildung absolviert und bildet sich derzeit zur Supervisorin weiter.

Amtseinführung am Sonntag

Drei Gottesdienste hat Bärbel Flade bisher in Freital gehalten, alle unter erschwerten Bedingungen wegen der staatlichen Restriktionen im Zuge der Corona-Pandemie. Darunter leidet auch der nächste Termin an diesem Sonntag in der Christuskirche in Deuben: Es wird Bärbel Flades Einführungsgottesdienst – in kleinem Rahmen. Um die geforderten Abstände zu wahren, sind nur 62 Sitzplätze ausgewiesen – dabei gibt es in Freitals größtem Gotteshaus Bänke für weit über 1.000 Besucher.

Wer nicht dabei sein kann oder will, kann den Gottesdienst später bei Youtube anschauen. „Wir zeichnen alles auf und stellen es ins Netz“, sagt Bärbel Flade. In ihrem Amtszimmer kann sie sich selbst freilich nicht sehen – momentan fehlt neben den Möbeln noch die Technik.

Gottesdienst zur Amtseinführung von Bärbel Flade am 17. Januar, 14 Uhr, in der Christuskirche in Freital-Deuben.

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