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Familien aus Brandhaus müssen umziehen

Erst vor wenigen Jahren wurde das ehemalige Kaufhaus in Potschappel saniert, nun ist es unbewohnbar. Wie es jetzt für die Bewohner weitergeht.

Das ehemalige Kaufhaus brannte am späten Samstagabend. Aus Sicherheitsgründen darf es nicht betreten werden.
Das ehemalige Kaufhaus brannte am späten Samstagabend. Aus Sicherheitsgründen darf es nicht betreten werden. © Egbert Kamprath

Rot-weißes Flatterband warnt hier jeden, sich dem Gebäude auch nur zu nähern. An den Fenstern hat sich Schwitzwasser gebildet, Rollos hängen halb heruntergerissen dahinter. Oben auf dem Dach klafft ein riesiges Loch. Schwarze Balken zeugen noch von dem Inferno, das sich hier am späten Abend des 7. November abspielte. Ein Brand im Dachgeschoss des ehemaligen Kaufhauses an der Ecke Dresdner Straße/Am Bahnhof in Freital-Potschappel machte innerhalb von Minuten 33 Familien obdachlos. Es vernichtete Wohnungen, Einrichtungsgegenstände, Spielsachen, Bekleidung. Verletzte gab es zum Glück nicht - wenigstens das. Doch der Schaden ist trotzdem enorm.

Das einstige Kaufhaus wurde erst 2013/14 umgebaut und saniert. Eigentümer ist der Österreicher Milan Vorhand. In Freital hat er im vergangenen Jahrzehnt etliche Häuser, unter anderem auch den ehemaligen Glasmaschinenbau, das Storchenbrunnenquartier und die Seifenfabrik Rumbo erneuert. Im Ex-Kaufhaus  entstanden mehr als 30 kleine und größere Wohnungen. Ein normaler Standard und günstige Mietpreise machten die Adresse vor allem für Mieter mit schmalen Geldbeutel attraktiv. 

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Zutritt aus Sicherheitsgründen verboten

Obwohl der Brand vor allem im hinteren Gebäudeteil wütete, kann aus Sicherheitsgründen im gesamten Haus nun keiner mehr wohnen. Insbesondere im vom Brand betroffenen Gebäudeteil könnten die Decken einstürzen. Strom, Wasser und Heizung sind abgestellt, der Schließzylinder an den Haustüren gewechselt. "Zutritt zu dem Haus ist zurzeit nicht möglich, nur mit ausgewählten Personen wie Statiker oder Versicherungsgutachter", teilt Nancy Nisslmüller von der Geschäftsleitung der Hausverwaltung mit. Dort ist man immer noch geschockt und damit beschäftigt, die wichtigsten Dinge in die Wege zu leiten. Zu den Ausmaßen und den Folgen das Brandes könne man sich deshalb erst in einigen Tagen genauer äußern, heißt es. 

Die Mieter, von Rettungskräften am Brandabend rasch in Sicherheit gebracht und betreut, verbrachten die ersten Nächte nach dem Feuer zunächst bei Verwandten, Freunden oder in Hotels. Unter anderem nahm das Hotel "Zur Linde" zwischenzeitlich 15 Menschen auf. "Die Leute trafen gegen 0.30 Uhr in der Nacht bei uns ein", berichtet Gastwirt Frank Gliemann. Die meisten, darunter auch ein Kind, hätten gefasst gewirkt. Allerdings hatten sie nicht viel bei sich. Einer konnte sich bei der Flucht aus dem Gebäude gerade noch eine Jacke über den freien Oberkörper werfen. "Sie waren froh, endlich in ein Bett zu kommen", erinnert sich Gliemann.

Das Feuer brach im Dachgeschoss aus. Das Löschwasser drang bis ins Erdgeschoss vor und sorgte für massive Schäden.
Das Feuer brach im Dachgeschoss aus. Das Löschwasser drang bis ins Erdgeschoss vor und sorgte für massive Schäden. © Roland Halkasch

Stadt hat Spendenkonto eingerichtet

Inzwischen sind die meisten Betroffenen wieder aus dem Hotel ausgezogen. Sie verbrachten die vergangenen Tage bereits mit der Wohnungssuche. Ins Brandhaus wieder einziehen, kann niemand so schnell. Was das Feuer in der Dachetage nicht zerstörte, bewirkte in den darunterliegenden Wohnungen das Löschwasser. Dem Vernehmen nach stand es sogar in der Erdgeschosswohnung noch knöchelhoch. Es beschädigte das Mauerwerk, Gipskartonwände, Einbauten. Qualm und Ruß zogen zudem durch jede Ritze. So traf es auch Mieter, die weit weg vom Brandherd im anderen Gebäudeflügel wohnen. 

Am Sonntag durften die Mieter lediglich in ihre Wohnungen, um wichtige Dokumente zu retten und das Notwendigste - wenn noch verwendbar - mitzunehmen.

Über Facebook hatten zu dem Zeitpunkt schon mehrere Freitaler Hilfe und Sachspenden angeboten. Matthias Weinlich nahm es federführend in die Hand, Angebote und Nachfragen zu koordinieren. Über seine Firmenhomepage hat er eine Seite eingerichtet, wo die vom Hausbrand Betroffenen auflisten können, was sie benötigen. "Es gibt auch eine Whatsapp-Gruppe mit derzeit fast 90 Mitgliedern, die sich rege austauscht", berichtet Weinlich. Erste Sachspenden wie zum Beispiel Bekleidung und Möbel hätten wohl auch schon den Besitzer gewechselt. Zudem hat die Stadt ein Spendenkonto eingerichtet.   

Polizei ermittelt wegen Brandstiftung

Natürlich stellt sich angesichts des Ausmaßes die Frage, wie es zum Brand kommen konnte. Bei der Hausverwaltung ist man sich der Ursache schon ziemlich sicher. "Unsere Mieter trifft keinerlei Schuld. Das war Brandstiftung", sagt Nancy Nisslmüller und schließt einen technischen Defekt aus. 

Die Polizei bestätigt, das die Untersuchungen in diese Richtung gehen. "Wir ermitteln wegen fahrlässiger Brandstiftung", sagte Polizeisprecher Steffen Grohme. Wie Anwohner der Dresdner Straße erzählen, hätten sie vor dem Brand mehrmals Feuerwerkskörper knallen hören. "Auch in die Richtung, dass eine Feuerwerksrakete als Brandursache infrage kommt, wird ermittelt", so der Polizeisprecher.

Spendenkonto:

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  • Empfänger: Stadt Freital;
  • IBAN: DE72 8505 0300 3021 0001 76
  • Ostsächsische Sparkasse Dresden
  • Verwendungszweck: Hilfe Brand Potschappel

    Die Stadt weist darauf hin, dass aus rechtlichen Gründen keine Spendenbescheinigungen ausgestellt werden können. 

Über diese Internetseite stellen die Bewohner weitere Hilfsgesuche ein: www.schrauberoase.de/brandhilfe-ftl

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