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Gymnasium Wilsdruff eröffnet

Seit ein paar Wochen bereits in Betrieb, wurde nun erst die feierliche Eröffnung nachgeholt. Das lag an einem ganz bestimmten Datum.

Zur Eröffnung kamen auch viele ältere Wilsdruffer, um sich das neue Schulgebäude anzusehen.
Zur Eröffnung kamen auch viele ältere Wilsdruffer, um sich das neue Schulgebäude anzusehen. © Egbert Kamprath

Es gibt in einer Stadtgeschichte manchmal Daten, die sind so historisch, dass man sie nicht ignorieren kann. Für Wilsdruff ist das der 10. Oktober. An jenem Tag vor 110 Jahren wurde die neue Schule Am Gezinge eröffnet. Ein Meilenstein für die kleine Stadt, ihre Einwohner, das gesellschaftliche Leben damals. Modern, ja fast großstädtisch mutete der Bau im Jahr 1910 an. Weil das so gut ins Jahr 2020 ausstrahlt, warteten die Wilsdruffer bis zum 10. Oktober, um ihr neues Gymnasium offiziell einzuweihen. Am Sonnabend nun war es soweit. Unter dem Beifall zahlreicher Gäste wurde der Neubau gefeiert.

Vielen war vor allem der Stolz darüber anzusehen, dass es Wilsdruff gelungen ist, den ersten Gymnasiumsneubau in Sachsen im ländlichen Bereich durchzuboxen. Und so stimmte der Schulchor gleich mal einen Hit an: "An Tagen wie diesen" von den Toten Hosen war ein passender Auftakt für den Festtag.

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"Wir haben tatsächlich so lange auf diesen Tag gewartet", sagte Schulleiterin Katja Laetsch und bedankte sich für die viele Geduld auch bei den Eltern. Denn eigentlich sollte der Neubau 2018 in Betrieb gehen. Doch die Schule stand nicht. Um nicht noch zwei Jahre zu warten, schulten die Wilsdruffer damals trotzdem drei Klassen ein und mieteten für den Unterricht die alte Schule in Freital-Kleinnaundorf an. "Den Kindern war es egal, ob dort der Putz von den Wänden fiel und nur ältere Möbel vorhanden waren", berichtet Laetsch. Auch die Pendelei per Sonderbus ertrugen sie. Man habe sich in Kleinnaundorf wohl gefühlt und sei den Freitalern dankbar für die Zusammenarbeit.

Eine Herzenssache und viele Hindernisse

Nun steht Katja Laetsch im neuen Wilsdruffer Gymnasium und hat sich gemeinsam mit ihren 226 Schülern und den 20 Lehrern gut eingelebt. "Es ist einfach toll, in so einem Haus etwas ganz Neues aufzubauen. Man hat auch beim Bürgermeister und allen Mitarbeitern in der Stadtverwaltung, die mit dem Projekt zu tun hatten, immer gemerkt, dass diese Schule eine Herzensangelegenheit ist."

Es war zudem ein Sieg über zahlreiche Widrigkeiten, wie Bürgermeister Ralf Rother (CDU) in seiner Rede betonte. Manchmal sei er sich wie ein Hindernisläufer vorgekommen, schilderte er. Ohne dabei Namen zu nennen und ins Detail zu gehen, riss er noch einmal die schwierige Entstehungsgeschichte an.

Als um 2012 herum klar war, dass das Weißeritzgymnasium bei den steigenden Schülerzahlen nicht mehr ausreicht, musste die Entscheidung für einen Neubau getroffen werden. In Wilsdruff war man sich schnell einig: Das Gymnasium soll dort gebaut werden, direkt neben der Grundschule.

Anderswo wurde das Projekt sehr kritisch verfolgt. Der Meißner Landrat Arndt Steinbach, vormals Bürgermeister in Wilsdruff, brachte in die Diskussion, dass ein Gymnasium in Wilsdruff negative Auswirkungen auf den Schulstandort Nossen haben könnte. Er befürchtete dort sinkende Schülerzahlen und leere Klassenzimmer. In den Landratsämtern, der Sächsischen Bildungsagentur und dem Kultusministerium rechnete man mehrmals - und entschied sich für Wilsdruff. Der Landkreis Meißen klagte - und wurde abgewiesen. Im September 2017 war Spatenstich für das Wilsdruffer Gymnasium.

Doch der Zeitplan von einem Jahr Bauzeit war illusorisch. Zwar wirkten 55 Firmen und mehr als 340 Arbeiter und Handwerker am Bau mit. Doch knappe Kapazitäten bei den Firmen, steigende Preise und zahlreiche weitere Umstände verzögerten die Fertigstellung immer wieder. So gab es unter anderem rechtliche Auseinandersetzungen um den Bau des Außenbereichs und einen massiven Wassereinbruch ins Gebäude. Aus einem Jahr Bauzeit wurden drei Jahre. Erst am 31. August dieses Jahres konnten die Mädchen und Jungen sowie ihre Lehrer ins Gymnasium einziehen. Für Bürgermeister Rother und sein gesamtes Team ein Moment mit Gänsehauteffekt. "Ich war noch nie so froh, eine Maske tragen zu dürfen", gab er jetzt zu.

Architekt Uwe Schulze übergibt Schulleiterin Katja Laetsch einen frisch gebackenen Schlüssel.
Architekt Uwe Schulze übergibt Schulleiterin Katja Laetsch einen frisch gebackenen Schlüssel. © Egbert Kamprath
Typisch für den Bau sind die breiten Gänge im Haus mit vielen Treffpunkten und Aufenthaltsecken.
Typisch für den Bau sind die breiten Gänge im Haus mit vielen Treffpunkten und Aufenthaltsecken. © Egbert Kamprath
Lehrerin Ivonne Telzerow macht den jüngeren Schülern im Chemiekabinett Lust auf das Fach. 
Lehrerin Ivonne Telzerow macht den jüngeren Schülern im Chemiekabinett Lust auf das Fach.  © Egbert Kamprath
Innenminister Roland Wöller (li.), Bürgermeister Ralf Rother (Mi.) und Wilsdruffs Bauamtsleiter André Börner freuen sich, dass das Projekt umgesetzt werden konnte.
Innenminister Roland Wöller (li.), Bürgermeister Ralf Rother (Mi.) und Wilsdruffs Bauamtsleiter André Börner freuen sich, dass das Projekt umgesetzt werden konnte. © Egbert Kamprath

Das Ende der Kreidezeit

Einer, der nicht weniger stolz ist, ist Architekt Uwe Schulze vom Planungsbüro Iproplan Chemnitz. "Vor ein paar Jahren stand ich hier auf einer grünen Wiese, umgeben von Einfamilienhäusern", erinnert er sich. Damals brauchte es schon viel Vorstellungskraft, um sich an die Stelle ein Gymnasium zu denken. "Das ist auch für uns keine Alltäglichkeit." Entstanden ist eine Schule auf der Höhe der Zeit. Es gibt lichtdurchflutete Klassenzimmer, kleine Räume für individuelle Gruppenarbeit, die offenen Gänge dienen als Treffpunkte. Die Tafeln sind interaktiv nutzbar, es gibt topmoderne Informatikkabinette und mobile Endgeräte. Die Kreidezeit - sie ist in Wilsdruff vorbei.

Der Aufbruch in die Zukunft ist vollzogen. Neun Klassen lernen inzwischen im neuen Gymnasium, pro Schuljahr kommen dann drei weitere hinzu. In Wilsdruff ist eine Vision Wirklichkeit geworden. Alles gut also? Nicht ganz. In der Oberschule, genau jene, die vor 110 Jahren eröffnet wurde und inzwischen unter Denkmalschutz steht, reichen die Räume nicht mehr aus. Sie muss erweitert werden. Das nächste Wilsdruffer Schulbau-Projekt ist also schon in Sicht.

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