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Freital: Die Corona-Helden von der Intensivstation

In den Kliniken der Region ist die Zahl der Covid-19-Patienten jetzt höher als im Frühjahr. OPs müssen aber noch nicht verschoben werden.

Schwester Anett (vorn) und Schwester Sylke am Patientenbett auf der Intensivstation der Klinik in Freital.
Schwester Anett (vorn) und Schwester Sylke am Patientenbett auf der Intensivstation der Klinik in Freital. © Egbert Kamprath

Jetzt ist es wieder mal so weit. Zwei Fachkrankenschwestern der Intensivstation der Helios Weißeritztal-Kliniken in Freital müssen die Schutzkleidung anlegen. Schutzmantel, Handschuhe, FFP-Maske, Mütze und Visier. Erst dann geht es zu den Covid-19-Patienten, die hier intensivmedizinisch behandelt werden. "Das ist schon belastend, wenn man längere Zeit so arbeiten muss", sagt Schwester Anett. Schwester Sylke stimmt kopfnickend zu.

Seit 27 beziehungsweise 30 Jahren arbeiten sie auf der Station. Schwierige Situationen haben sie immer mal. Auch der Stress beim Hochwasser 2002 war extrem. Doch so  außergewöhnlich wie jetzt hatten sie ihre Arbeit noch nicht erlebt. Nur am Montag lag mal niemand im Infektionszimmer der Intensivstation. Ansonsten waren es bis zu sechs Patienten.

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Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 25. November 2020, in virtuellen Räumen statt.

Über ihre Arbeit beklagen sich die Schwestern nicht. Auch bei Patienten mit schwerer Grippe oder mit bestimmten Keimen sind strenge Vorschriften mit besonderer Schutzkleidung einzuhalten. Die Fallzahl jetzt ist aber höher. Die Covid-19-Patienten kommen zu den sonstigen ja noch dazu.

OPs in Freital, Pirna, Dippoldiswalde und Sebnitz nicht verschoben

Auch wenn die Zahl der Covid-19-Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, seit Mitte Oktober sprunghaft angestiegen ist, muss bei den Helios-Kliniken in Freital, Pirna und Dippoldiswalde noch keine geplante OP verschoben werden. "Aktuell haben wir ausreichend Intensivkapazitäten frei", teilt die Klinik mit. Ebenso sieht es bei der Asklepios-Klinik in Sebnitz aus. 

Bislang hat die Medizin die Folgen der Infektionslage im Griff. Die Entwicklung der Fallzahlen bleibt aber alarmierend. Am 19. Oktober vermeldete das Landratsamt erstmals die Zahl der stationär zu behandelnden Covid-19-Patienten. Da waren es im Landkreis acht. Eine Woche später stieg die Zahl auf das Elffache. 64 der 88 Patienten lagen auf Intensivstationen. Eine Woche darauf waren es 70 beziehungsweise 103. Am Dienstag, dem 10. November, meldete das Landratsamt 129 Covid-Patienten in stationärer Behandlung, davon 77 auf Intensivstationen.

In den Weißeritztal-Kliniken Freital und Dippoldiswalde werden aktuell 20 Covid-19-Patienten auf Normalstationen behandelt. In der Helios-Klinik in Pirna waren es 30, darunter acht auf der Intensivstation. Damit ist die Ampel des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) für die Klinik in Pirna auf gelb gesprungen. In Freital und Dippoldiswalde ist alles noch im grünen Bereich, ebenso in Sebnitz. 

In den Asklepios-Kliniken in Sebnitz und Radeberg werden aktuell fünf Covid-19-Patienten auf der Intensivstation behandelt. "Entsprechend den landesweiten Erwartungen und Berechnungen steigen die Patientenzahlen, die mit einer Corona-Infektion stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen, weiter an", teilten die Kliniken mit. Dort wie auch bei den Helios-Kliniken müssen jetzt mehr Covid-19-Patienten versorgt werden als noch im Frühjahr.

Zahl der Toten im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge steigt

In der Klinik sei klar, vor welchen Patienten sich Ärzte und Schwestern besonders schützen müssen. In der S-Bahn oder beim Einkaufen ist das nicht so. Für Schwester Anett ist aber unstrittig, dass es allen hilft, wenn man die Kontakte jetzt stark reduziert. Das macht sie mit Freunden so. Auch die betagten Schwiegereltern werde sie jetzt nicht besuchen. 

Absolut kein Verständnis hat sie für Menschen, die bei Kundgebungen zu Tausenden zusammenkommen, kaum Abstand halten und ohne Masken rumlaufen, singen und schreien. So könne die schwierige Zeit, in der sie und ihre Kolleginnen und Kollegen sich befinden, nicht so schnell vorbeigehen. "Wir tragen doch alle füreinander Verantwortung. Da darf Egoismus nicht im Vordergrund stehen", sagt sie.

Dass die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen stagniert oder tageweise auch mal zurückgeht, ist trügerisch. Denn auch die Zahl der mit Covid-19 Gestorbenen steigt. Im Frühjahr meldete das Landratsamt insgesamt lediglich vier Todesfälle im Zusammenhang mit dem Corona-Virus Sars-Cov-2. Inzwischen sind es bereits 26 Tote.

Zwei- bis dreimal täglich müssen sich die Fachkrankenschwestern der Freitaler Klinik die Schutzkleidung anziehen, bevor sie sich um Covid-19-Patienten kümmern können.
Zwei- bis dreimal täglich müssen sich die Fachkrankenschwestern der Freitaler Klinik die Schutzkleidung anziehen, bevor sie sich um Covid-19-Patienten kümmern können. © Egbert Kamprath

Zusätzliche Intensivbetten in Pirna und woanders werden bei Bedarf bereitgestellt

Die Kliniken haben sich auf diese Entwicklung eingestellt. "Wir sind auf die pflegerische und medizinische Betreuung hoch infektiöser und intensivmedizinischer Patienten sehr gut vorbereitet", teilen die Helios-Kliniken mit. Wenn es die Situation verlangt, könnten auch noch zusätzliche Intensivbetten bereitgestellt und personell ausgestattet werden. Auch die Sebnitzer Klinik könnte noch zusätzliche Kapazitäten schaffen.

Die Ausbreitung des Coronavirus stellt dennoch große Herausforderungen an die Kliniken. Deshalb sei es aus ihrer Sicht das wichtigste Anliegen, alles zu tun, um Patienten, Besucher und Mitarbeiter der Klinik zu schützen. Die Helios-Kliniken geben für alle Standorte eine tagesaktuelle Übersicht zur Belegung der Intensivbetten, die jeder im Internet einsehen kann. Im Eingangsbereich wurde zudem ein Masken-Scanner aufgestellt, an dem alle Besucher vorbei müssen.

Am Eingang der Helios-Klinik in Freital wurde jetzt ein Maskenscanner aufgestellt.
Am Eingang der Helios-Klinik in Freital wurde jetzt ein Maskenscanner aufgestellt. © Egbert Kamprath

Sollten die stationären Corona-Fälle weiter zunehmen, werde nach einem Stufenplan weitergearbeitet. Das bedeutet, dass die Behandlung von verschiebbaren Fällen zurückstellt wird. "Dementsprechend können wir dann Personal anderer Stationen für die Betreuung der Covid-Patienten einsetzen", teilen die Helios-Kliniken mit. Um einer solchen Situation besser gewachsen zu sein, wurde bereits im Frühjahr begonnen, medizinisches und pflegerisches Personal weiterzubilden. Ähnlich tat man das in Sebnitz.

Andere Quarantäneregeln für medizinisches Personal gefordert

Problematisch wäre jedoch, wenn Klinik-Beschäftigte vermehrt in eine angeordnete Quarantäne müssten. "Wir haben einzelne Pflegekräfte, die sich in Corona-Quarantäne befinden", teilen Asklepios- und Helios-Kliniken auf Nachfrage mit. Sollte sich das häufen, könnte das zu einer Anspannung der Personalsituation führen. Mit dem Gesundheitsamt werde deshalb eng zusammengearbeitet, um etwa die Quarantäne von Kontaktpersonen bei negativem Testergebnis für das berufliche Umfeld auszusetzen. Asklepios fordert von Politikern, sich weiter für eine Anpassung der Quarantäneregelungen für medizinisches Personal einzusetzen.

Für alle Kliniken bleiben das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes, die Einhaltung von Abstandsregeln, die Kontaktreduktion und eine vernünftige Basishygiene die wirkungsvollsten Mittel, um die Pandemie einzudämmen. "Damit würde sich natürlich auch die Lage in den Kliniken wieder entspannen", heißt es in Freital. Deshalb werde an alle Mitarbeiter appelliert, auch im privaten Umfeld die Kontakte zu reduzieren. Bei Schwester Anett und Schwester Sylke ist dieser Appell nicht mehr nötig.

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