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Schlappe für Freitaler AfD-Stadtrat

Thomas Prinz wollte im Gemeindewahlausschuss mitwirken, wurde aber abgelehnt. Auf der Suche nach einem Ersatz kam es fast zum Eklat.

Von Annett Heyse
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Thomas Prinz (AfD) fällt bei der Besetzung des Ausschusses zur Bürgermeisterwahl durch.
Thomas Prinz (AfD) fällt bei der Besetzung des Ausschusses zur Bürgermeisterwahl durch. © Foto: PR

Die Besetzung von Wahlausschüssen ist gemeinhin ein formaler Akt. Es werden Vorsitzender, Beisitzer und jeweils Stellvertreter gesucht, meist vorgeschlagen von Verwaltung und Stadtratsfraktionen.

Personaldebatten sind selten, Freiwillige werden gern genommen, gelten doch Wahlvorbereitung und Wahlorganisation als äußerst aufwendige Prozedur.

Und so stand auf der Tagesordnung des Freitaler Stadtrats am Donnerstagabend eine Liste mit zehn Namen, von denen neun keinerlei Anstoß erregten. Einer jedoch durfte sich seiner Berufung in den Gemeindewahlausschuss für die Bürgermeisterwahl am 12. Juni 2022 nicht gewiss sein: Thomas Prinz.

Seine Vergangenheit holt Thomas Prinz ein

Der AfD-Mann wird von vielen Stadträten argwöhnisch beobachtet. Das liegt nicht so sehr an seiner Parteizugehörigkeit, sondern vielmehr an seiner Biografie.

Als Prinz sich 2019 zur Kommunalwahl aufstellen ließ, war er ein unbeschriebenes Blatt, zumindest soweit bekannt. In den Wahlflyern trat er als Gerichtsmediziner auf, auf den Fotos sah man einen seriös wirkenden Mann im dreiteiligen Anzug, der im Rollstuhl saß.

Kurz nach der Wahl wurde öffentlich, dass Thomas Prinz bei seiner Berufsbezeichnung zu dick aufgetragen hatte: Er ist gelernter Schuhmacher und arbeitete zuletzt für ein Bestattungsunternehmen.

Noch schwerer wog, dass der heute 50-Jährige bei Polizei und Justiz gut bekannt war. Kurz nach seiner Wahl zum Stadtrat stand er wiederholt vor Gericht, unter anderem wegen Amtsanmaßung, Eingriffs in den Straßenverkehr, der Vortäuschung von Straftaten und Versicherungsbetrugs.

Dabei wurde bekannt, dass Prinz vor Jahren mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten war und sogar einige Zeit im Gefängnis verbrachte.

Ein Urteil wegen Amtsanmaßung - Prinz soll sich auf einer Autobahn als Polizist ausgegeben haben - wurde vom Landgericht kürzlich kassiert, die Beweislage war zu dünn. Vielen Freitaler Stadträten ist der Mann dennoch suspekt.

CDU-Stadträtin fordert geheime Abstimmung

Nun stand er als AfD-Vorschlag für den vierten Beisitzer auf der Wahlliste. Dass es Diskussionsbedarf gab, war schnell klar, aber auch umgehend geklärt: Stadträtin Jutta Ebert (CDU) forderte eine geheime Abstimmung per Wahlzettel und Urne.

Als alle wieder saßen, wurde das Ergebnis verkündet und es fiel nicht gut für den AfD-Mann aus. Während alle anderen Kandidaten mehrheitlich berufen worden, erlitt Thomas Prinz eine Schlappe: Zehn Stadträte hatten für ihn gestimmt, aber 15 gegen ihn, zudem gab es zwei Enthaltungen.

AfD präsentiert neuen Kandidaten

Doch offenbar war man bei der AfD gut auf das Szenario vorbereitet. Stadtrat Andreas Just meldete sich zu Wort und erklärte, man habe im Stadtverband bereits am Tag vor der Ratssitzung herumgefragt, ob sich jemand alternativ zur Mitarbeit im Wahlausschuss bereiterklären würde.

Dabei war man auf Karsten Reinhardt gekommen, der auch als sachkundiger Einwohner um Technischen und Umweltausschuss der Stadt mitarbeitet.

Das wiederum gefiel Thomas Prinz nicht. Er meldete sich ebenfalls zu Wort und wollte sein Veto einlegen. Oberbürgermeister Uwe Rumberg wies Prinz darauf hin, dass sich der Stadtrat mehrheitlich gegen ihn entschieden habe.

Karsten Reinhardt wurde dann kurz und ohne weitere Diskussionen vom gesamten Stadtrat als vierter Beisitzer gewählt.

Gemeindewahlausschuss für die Bürgermeisterwahl am 12. Juni 2022:

Vorsitz: Helmut Weichlein (Mitarbeiter Stadtverwaltung), Erster Beisitz: Klaus Dimter (CDU), Zweiter Beisitz: Katja Wätzig (SPD), Dritter Beisitz: Jens Maahs (Freitals konservative Mitte), Vierter Beisitz: Karsten Reinhardt (AfD)