merken
PLUS Freital

Possendorf trainiert am Bildschirm

Im Dorfverein ist man bescheiden – und hat doch große Pläne. Die Langzeit-Strategie des Fußballklubs soll nun Früchte tragen.

Können zuversichtlich auf die Zukunft des Possendorfer Fußballs blicken: der Sportliche Leiter Thomas Leiteritz, Cheftrainer Thomas Kühne und Nachwuchs-Leiter Rene Franke (v.l.).
Können zuversichtlich auf die Zukunft des Possendorfer Fußballs blicken: der Sportliche Leiter Thomas Leiteritz, Cheftrainer Thomas Kühne und Nachwuchs-Leiter Rene Franke (v.l.). © Norbert Millauer

Auch wenn die Fußballer der SG Empor Possendorf die abgebrochene Saison in der Landesklasse Mitte nur als Vorletzter beendet haben - an einen Rückzug in die Kreisoberliga, wie es bei Schlusslicht TuS Weinböhla praktiziert wurde, denkt an der Hänichener Sportanlage „Poisenblick“ keiner.

Im Gegenteil: Der Verein plant kontinuierlich an einem Verbleib in der siebten Liga. Dabei bleibt man sich dem 2014 eingeschlagenen Weg, Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu den Männern zu führen, treu. „Wir sind ein Dorfverein. Wir holen keine teuren Spieler von anderen Vereinen. Wir setzen seit Jahren auf eine versierte Ausbildung unserer Kinder und Jugendlichen. Diese Entwicklung zeigt positive Auswirkungen, immer mehr junge Spieler aus dem eigenen Fundus klopfen an die Tür der ersten Männerelf“, erklärt Nachwuchsleiter Rene Franke.

StadtApotheken Dresden
Die StadtApotheken Dresden sind für Sie da
Die StadtApotheken Dresden sind für Sie da

Die StadtApotheken Dresden unterstützen Sie bei einer gesunden Lebensweise und stehen Ihnen sowohl mit präventiven als auch mit therapeutischen Maßnahmen, Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Seite.

Entscheidend ist die Nachwuchsarbeit

Gemeinsam mit dem Vorstand wurde 2014 ein Umbruch avisiert. „Uns war klar, dass wir nur mit einer gut funktionierenden Nachwuchsarbeit bestehen können“, sagt der damalige Abteilungsleiter Thomas Leiteritz. Mittlerweile verfügt der Verein über 28 Übungsleiter. Dabei haben viele von ihnen eine Trainerlizenz erworben. Von den jüngsten Kickern in der G-Jugend bis zur A-Jugend ist man gut besetzt, teilweise auch durch Spielgemeinschaften mit dem SV Bannewitz, Kreischa und Hartmannsdorf. „Alle haben das Ziel, dass sich unsere jungen Sportler hier wohlfühlen, Spaß haben und sich dabei sportlich weiterentwickeln“, sagt Franke und erläutert: „Ein wichtiger Fakt für uns ist es auch, dass sich die Eltern oder Großeltern der Kinder hier heimisch fühlen und wissen, dass ihre Schützlinge in besten Händen sind. Die Unterstützung der Eltern ist für uns sehr wichtig. Unsere Philosophie ist eine familiäre Stimmung im Verein.“

Dazu gehören im über 550 Mitglieder zählenden Mehrspartenverein neben den Fußballern auch die Turn- und Volleyball-Abteilungen sowie eine Gymnastikgruppe. Da gibt es ein weihnachtliches Fußballturnier mit allen Abteilungen genauso wie das traditionelle Weihnachtsturnen.

Bereits 1864 wurde der Turnverein Possendorf gegründet, 1919 begann die Ära der Fußballspieler. Zu DDR-Zeiten stellten die Possendorfer die erste Frauenmannschaft im damaligen Bezirk Dresden auf die Beine - ab der kommenden Saison wird eine Mädchentruppe diese Tradition im Spielbetrieb der Kreisunion wieder aufleben lassen. Nachdem die veraltete Sportanlage am Turnerweg vor Jahren aufgegeben wurde, hat man nun in Hänichen am Poisenblick eine rundum tolle Vereinsheimstätte gefunden. Es gibt Groß- und Kleinfeld-Rasenplatz, einen Kunstrasenplatz, eine Turnhalle und nicht zu vergessen die Gaststätte.

Aushängeschild bleibt natürlich die erste Fußball-Männermannschaft. Seit Jahren spielen die Possendorfer in der Landesklasse, namhafte Trainer wie die Ex-Dynamos Andre Heinisch oder Volker Schlicke brachten ihre Erfahrungen ein. Nun vollzog sich bei der SG Empor ein Wechsel auf der Trainerbank, der bestens zu den Ideen und Vorstellungen des Vereins passt: Thomas Kühne beerbte Christoph Egerer als Coach.

Der 37 Jahre alte Kühne bringt reichliche Erfahrungen als Spieler mit. Seine Jugendzeit verbrachte der Kundenberater der AOK Plus in der Nachwuchsschmiede des SC Borea Dresden. Vom Jägerpark aus ging es zunächst nach Bannewitz, danach in die Oberliga zu Einheit Kamenz. Seit 2009 ist Kühne in Possendorf als Spieler aktiv, zuletzt auch als Co-Trainer der ersten Mannschaft. Zusätzlich übernahm er 2014 die D-Jugend als Trainer und begleitete deren Weg bis in die A-Jugend. „Das ist eine feine Sache. Ich kenne die Jungs nun seit Jahren, ihre Stärken und Schwächen. Nun darf ich sie auf dem Weg in den Männerfußball begleiten. Darauf freue ich mich sehr“.

Das oft als recht veraltet geltende Team der Ersten Männermannschaft wurde und wird von Jahr zu Jahr verjüngt. Zu erfahrenen Spielern wie Kapitän Rene Schmidt, Thomas Berger, Sebastian Müller oder Erik Schmidt gesellten sich Youngster wie Liven Hennig, Julius Nanning oder William Weinhold. „Wir bleiben dabei auf dem Teppich. Unser Ziel ist es, solide in der siebten Liga zu bestehen“, erklärt Kühne: „Es gab zuletzt auch einige Anfragen bezüglich des Trainerpostens, auch von höherklassigen Teams, doch ich sehe hier meine Perspektiven. Es gibt qualifizierte Übungsleiter im Nachwuchs, die Jungs sind gut ausgebildet, hier kann sich etwas entwickeln.“

Thomas Leiteritz Sportlicher Leiter der Landesklasse-Elf

Begleitet wird Kühne von Thomas Leiteritz, der nach sechs Jahren im Amt als Abteilungsleiter nun zum Sportlichen Leiter der Landesklasse-Elf gewechselt ist. „Ich bin 2012 in den Ruhestand gegangen, hatte mit dem Fußball hier in Possendorf eigentlich nicht viel zu tun. Ich war im Aufsichtsrat bei Dynamo, mein Sohn Paul spielte hier in der Jugend. Doch ich wurde angesprochen und 2014 Abteilungsleiter. Die Philosophie des Vereins gefällt mir, es ist ein tolles Zusammenleben hier bei Empor.“ Ebenfalls erwähnenswert: Der Klub hat seit Jahren keine Probleme mit dem Schiedsrichtersoll. „Und dass, obwohl wir viele Mannschaften im Spielbetrieb haben“, sagt Leiteritz.

Nun hofft man am Poisenblick auf einen baldigen Start ins neue Spieljahr. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Kühne beschreibt die Trainingsarbeit mit seiner A-Jugend während des Lockdowns: „Montags war Work-out angesagt, dienstags gab es Training per Video, am Mittwoch stand Lauftraining auf dem Programm und donnerstags die Mannschaftssitzung am Bildschirm. Wir haben die Jungs nicht allein gelassen.“ Das gehört halt zur Philosophie bei der SG Empor.

Mehr Nachrichten aus Freital lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Freital