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Der perfekte Baum für die Stadt

Trockene Sommer, wenig Platz, verschmutzte Luft - ein Stadtbaum muss vieles ertragen. Experte Andreas Roloff sucht den passenden Baum für die Stadt.

Andreas Roloff forscht in der Fachrichtung Forst der TU Dresden in Tharandt.
Andreas Roloff forscht in der Fachrichtung Forst der TU Dresden in Tharandt. © Daniel Schäfer

Es war im Jahr 2016 als vor dem Café Positano in Freital ein Olivenhain angelegt wurde. Vier mediterrane Olivenbäume auf der Wilsdruffer Straße - ob das gut gehen wird? Das zumindest fragte sich Baumexperte Andreas Roloff und war gespannt auf den nächsten Winter.

Der ließ nicht lange auf sich warten und die Temperaturen kletterten steil bergab. Seitdem schauen die Bäume ziemlich mitgenommen aus. Der Olivenbaum scheint trotz Klimawandel also nicht die geeignete Baumart für Freital. Was aber ist der perfekte Baum für die Zukunft der Städte?

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Klimawandel, Trockenheit, Hitzeperioden, Bodenverdichtung, Streusalz, Luftverschmutzung - ein Stadtbaum muss vieles abkönnen. Andreas Roloff forscht dazu in der Fachrichtung Forst in Tharandt.

Er ist Professor für Dendrologie. Eine Wissenschaft, die sich den Bäumen von der Wurzel bis zur Krone widmet. Traditionell ist die Forschung dazu im Wald verortet, denn dort stehen für gewöhnlich die meisten Bäume. Doch auch in der Stadt gibt es eine unglaubliche Artenvielfalt. Allein in Dresden kann man 144 verschiedene Baumarten entdecken.

Das Thema Stadtbäume liegt im Trend

Andreas Roloff hat vor 20 Jahren begonnen, Stadtbäume genauer zu erforschen. Der Grund: Immer mehr alte Bäume starben in den Parkanlagen, Straßenbäume verkümmerten wegen der trockenen Sommer. Stadtplaner wandten sich an die Dendrologie mit der Frage: Welche Bäume können wir zukünftig pflanzen?

Fast 400 heimische und nicht heimische Baumarten hat Roloff mit seinen Mitarbeitern unter die Lupe genommen. "Es war eine lange Recherchearbeit. Wir haben eine Vielzahl an Publikationen untersucht", sagt Roloff, der sonst für gewöhnlich eher draußen forscht.

Damit sich nicht jeder Gärtner oder Stadtplaner die Mühe machen muss, aus 400 Arten die richtige zu wählen, haben sie die kostenlose Webseite "Citree" erstellt. Dort kann sich jeder seinen perfekten Baum aussuchen. Soll der Baum an der Straße, im Park oder im Garten stehen? Gelbe, blaue oder rote Blüten tragen? Wie groß soll er werden? Muss er gut mit Trockenheit oder Frost umgehen können? Oder beides?

Insgesamt kann man sich durch 65 Eigenschaften klicken. Seit 2015 ist die Plattform online und werde gut angenommen. "Das ist es, worüber sich ein Forscher sehr freut. Wenn die Praktiker unsere Forschung anwenden", sagt Roloff begeistert.

Gibt es den einen Baum der Zukunft?

Dass die Einteilung der Bäume aber gar nicht so einfach sei, erklärt Andreas Roloff an einem einfachen Beispiel. Pflanze man ein und dieselbe Buche einerseits von südeuropäischen Nachfahren und andererseits von nordeuropäischen, dann gehen auch diese beiden unterschiedlich gut mit der Trockenheit um. Man könne also nicht nur nach der Art gehen, sondern muss auch auf die Herkunft der Art achten. Klingt kompliziert?

"Für uns ist es spannend", sagt Roloff. Spannend werde es auch, wenn man noch mehr Bäume hinzunähme. Mehr als 60.000 Baumarten gibt es weltweit, also noch genügend zu entdecken.

Eine Stadt voller Bäume aus der ganzen Welt

Derzeit untersucht er 50 Baumarten aus China, ob diese auch für Deutschland als Zukunftsbäume geeignet wären. Aber besteht da nicht die Gefahr, dass die ausländischen Pflanzen invasiv werden - also der heimischen Natur schaden?

Natürlich bestehe das Risiko, meint Roloff. Er zieht den Götterbaum aus China als Beispiel heran. Der Eschen ähnliche Bäum könne sich perfekt an den Klimawandel anpassen, vermehre sich aber rasant. Er gilt als invasiv und soll in Deutschland nicht mehr angepflanzt werden, weil er die heimische Fauna und Flora verdrängt.

Auch für heimische Baumarten gibt es Hoffnung

"Es wird aber nicht ohne Bäume aus anderen Klimaregionen gehen", sagt Roloff. Dazu gäbe es zu wenige geeignete regionale Arten, die sich dem Klimawandel anpassen. "Wenn wir so weitermachen, werden wir riesige Probleme kriegen."

Doch auch für die bisher hier lebenden Arten bestehe Hoffnung. So erforscht Andreas Roloff, inwieweit sich besonders junge Bäume an den Klimawandel anpassen. "Der Baum bildet in trockenen Sommern engere Jahrringe, somit sind auch die Zellwände dicker. In den nächsten Jahren wird er so unempfindlicher gegenüber Trockenstress" , erklärt Roloff. Das geschehe aber nur, wenn die Änderung nicht zu schnell vonstatten gehe.

Die Olivenbäume am Café Positano haben den Winter nur mäßig überstanden.
Die Olivenbäume am Café Positano haben den Winter nur mäßig überstanden. © Karl-Ludwig Oberthür

Für die Olivenbäume in der Wilsdruffer Straße kam sie aber zu plötzlich, die laut Roloff nun "jämmerlich" aussähen. "So schnell ist der Klimawandel auch nicht, dass wir hier jetzt Olivenbäume pflanzen müssen."

Dass das ganze Thema auch emotional aufgeladen sei, verdeutlicht Andreas Roloff am Beispiel der Rotbuche. Die habe zwar wunderschöne Blätter, sei aber leider kein Zukunftsbaum. So ein Baum werde wohl gänzlich aus dem Stadtbild verschwinden.

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Ob schön anzusehen, trockenresistent oder frosthart - den einen perfekten Zukunftsbaum will Andreas Roloff nicht nennen. Es ist wohl so, wie es jedem Forststudenten in Tharandt gelehrt wird: Es kommt darauf an, welcher Baum für welchen Zweck gedacht ist.

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