merken
PLUS Freital

Edelstahlwerk Freital investiert Millionen in neue Walzstraße

Die Anlage arbeitet effizienter, energiesparender und liefert bessere Qualität. Sie braucht aber zusätzlichen Platz.

Die neue Walzstraße kann größere Stahlelemente verarbeiten als die alten Anlagen. Das spart Zeit, Energie und Geld.
Die neue Walzstraße kann größere Stahlelemente verarbeiten als die alten Anlagen. Das spart Zeit, Energie und Geld. © Egbert Kamprath

Die Ofenklappe öffnet sich und eine rot-gelb glühende Stange wird ausgestoßen. Sofort wird es spürbar heiß in ihrer Nähe. "Bis zu 1.240 Grad warm ist das Material", erklärt Alexander Grosse und schaut zu, wie die Stange, die im Fachjargon Knüppel genannt wird, über Förderanlage weitertransportiert wird.

Grosse ist der Geschäftsführer des Freitaler Edelstahlwerks und hat eine für die Fabrik, die Angestellten und auch die Stadt Freital gute Nachricht zu verkünden: "Wir haben 24 Millionen Euro investiert, um in Zukunft qualitativ noch besseren Stahl aus Freital liefern zu können."

Anzeige
Großer Abverkauf im Campingshop
Großer Abverkauf im Campingshop

Beim Caravaning-Profi schaffer-mobil gibt es derzeit 15% Rabatt auf Lagerware.

Der Knüppel ist inzwischen in einer riesigen Anlage verschwunden, der man ansieht, dass sie nagelneu ist. Grün lackierte Stahlkolosse werden von frisch betonierten Fundamenten gehalten. "Das sind unsere sechs neuen Walzgerüste", sagt Grosse stolz.

1.200 Grad heißer Stahl wird gewalzt

Schon der nächste glühende Knüppel nähert sich. Bevor er unter die Walze kommt, wird er mit Wasser besprüht, welches mit 240 Bar aus den Düsen schießt. Auf diese Weise wird der sogenannte Zunder regelrecht abgespült. Er entsteht durch Oxidation auf der Oberfläche der Eisenstangen beim Erwärmen um Ofen und muss entfernt werden, weil sonst die Qualität des Stahls leidet. Dann rutscht der Knüppel in die Walze und kommt am anderen Ende deutlich dünner und länger wieder heraus.

Bevor auch nur ein Produkt das Edelstahlwerk Freital verlässt, durchläuft es eine Vielzahl von Arbeitsschritten. Es beginnt im Stahlwerk, wo das Material zunächst geschmolzen wird und anschließend Rohlinge, also Knüppel, entstehen. Diese Knüppel werden erst einmal abgelagert.

Im nächsten Schritt werden sie wieder erwärmt und gewalzt, dann wärmebehandelt und wieder gewalzt, bis der gewünschte Durchmesser und die gewünschte Qualität erreicht ist.

Kürzere Schmelzzeiten für den Stahl

Die Walzstraßen, gerade auch die sogenannte Vorstraße ganz am Anfang des Walzprozesses, sind dabei auf bestimmte Maße ausgelegt. Nun hat das Edelstahlwerk eine komplett neue Vorstraße aufgebaut, die ganz andere Knüppelgrößen aufnehmen kann als bisher. Erstmals können damit 17,5 Zentimeter im Durchmesser und 6,5 Meter in der Länge betragende Teile bearbeitet werden.

Das sei gegenüber den bisherigen Maßen, die im Durchmesser viel geringer waren, ein großer Vorteil, wie Alexander Grosse erklärt. "Wir können die Schmelzzeiten verkürzen, die Qualitäten verbessern, arbeiten auch noch energiesparender und verbessern unsere CO2-Bilanz."

Es war allerdings ein weiter Weg, bevor die Stahlwerker diese Woche im Beisein von Landrat Michael Geisler und Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg die Anlage per Knopfdruck offiziell in Betrieb nehmen konnten.

Landrat Michael Geisler (Mitte) nimmt symbolisch im Steuerraum die Anlage in Betrieb, assistiert von Geschäftsführer Alexander Grosse (li.) und Ofenmann Christian Schönberger, der die Anlage überwacht.
Landrat Michael Geisler (Mitte) nimmt symbolisch im Steuerraum die Anlage in Betrieb, assistiert von Geschäftsführer Alexander Grosse (li.) und Ofenmann Christian Schönberger, der die Anlage überwacht. © Egbert Kamprath

Walzwerkhalle erhielt Anbau

Erste Planungen entstanden schon 2018. In der dreiwöchigen Werksruhe im Sommer 2019 erfolgte bereits der Erdaushub für die Fundamente der neuen Walzstraße. Von 2019 bis ins Jahr 2020 wurde die Halle des Walzwerkes erweitert. Sie erhielt eine Lärmdämmung. Mittendrin in den Arbeiten brachte der erste Lockdown der Corona-Pandemie das Bauprojekt in zeitliche Schwierigkeiten. Plötzlich brachen Lieferketten weg, wegen geschlossener Grenzen kamen Arbeiter nicht mehr ins Land und Werkstätten blieben geschlossen.

Dennoch begann man im Mai 2020 mit dem Bau eines neuen Erwärmungsofens, 30 Meter lang und bestens dazu geeignet, den Stahl langsam und mit längeren Liegezeiten zu erhitzen. „Der Ofen ist zur Wärmerückgewinnung mit einem Rekuperator ausgestattet. Damit kann der Brennstoffverbrauch reduziert und die Emissionsmenge an Stickstoffoxiden vermindert werden“, führt Betriebsleiter Jörg Heider aus. Ein zweiter Ofen sei bereits in Planung.

Freitaler Stahl für E-Bikes und Haushaltsgeräte

Wieder rutscht ein Knüppel aus dem Ofen heraus. Wasser drauf, die Walzenelemente drehen sich, der glühende Stahl wandert durch die Anlage. Aus den 17,5 Zentimeter Durchmesser bei 6,5 Meter Länge kann man im Edelstahlwerk das Material bis auf Drahtgröße bearbeiten. Das Mindestmaß liegt bei 5,5 Millimetern und hat dann eine Länge von gut 6,5 Kilometer.

Freitals Edelstahl wird unter anderem von der Konsumgüterindustrie gekauft. Seinen Einsatz findet er in E-Bikes, in Haushaltsgeräten wie dem Thermomix, aber auch in der Automobilindustrie und in der Medizintechnik.

Für die neue Walzstraße wurde die alte Walzwerkhalle im einen Anbau erweitert.
Für die neue Walzstraße wurde die alte Walzwerkhalle im einen Anbau erweitert. © Egbert Kamprath

700 Mitarbeiter sorgen für Millionenumsatz

Die BGH Edelstahl Freital GmbH beschäftigt etwa 700 Mitarbeiter bei rund 170 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2020 und ist der größte Arbeitgeber Freitals. Die neue Walzenstraße samt Ofen ist ein Teil der neuen Investitionen im Freitaler Stahlwerk.

Weiterführende Artikel

Das sind Freitals neue Weltrekordler

Das sind Freitals neue Weltrekordler

Freital ist die Welt-Hauptstadt des Keulenwurfs - mit wachsender Bedeutung. Leichtathleten der SG Weißig 1861 halten seit Neuestem 20 Weltrekorde.

Bereits vor zwei Jahren wurde ein neuer Konverter aufgebaut, als ein Schmelzofen. Zudem investierte das Unternehmen in eine neue Rauchgasentstaubungsanlage. "Sie können stolz auf die neue Anlage sein. In diesen Zeiten zu investieren, ist eine mutige Entscheidung gewesen", sagte Landrat Michael Geisler bei der Inbetriebnahme.

Er erinnerte daran, dass in Freital viel Industrie Anfang der Neunzigerjahre verloren ging. Das Stahlwerk sei eine der wenigen erhalten gebliebenen Produktionsstätten im Bereich der Schwerindustrie im gesamten Landkreis.

Mehr zum Thema Freital