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Bautzen

Frischekur für ein altes Paar

Die Stadt Bautzen will die Skulptur des Bildhauers Horst Weiße vor dem Verfall retten. Doch das Original wird nicht an den angestammten Platz  zurückkehren.

Die Skulptur „Altes Paar“ wurde jetzt  vom Sockel gehoben. Seit 1974 stand sie am Friedrich-Engels-Platz in Bautzen, jetzt wird sie restauriert.
Die Skulptur „Altes Paar“ wurde jetzt vom Sockel gehoben. Seit 1974 stand sie am Friedrich-Engels-Platz in Bautzen, jetzt wird sie restauriert. © Uwe Konjen

Bautzen. Seit 45 Jahren stand sie da, nun ist sie weg: Die Skulptur „Altes Paar“ steht nicht mehr an ihrem angestammten Platz am Rande des Friedrich-Engels-Platzes in Bautzen. Befestigt an dicken Tragegurten wurde das auf einer Bank sitzende Paar in der vorigen Woche vom Sockel geholt. Nun nimmt es der Bautzener Steinrestaurator Uwe Konjen unter seine Fittiche. Denn das Werk des bekannten Bildhauers Horst Weiße hat in all den Jahren sehr gelitten. Zahlreiche Stellen der aus Beton gegossenen Skulptur sind abgeplatzt, die Oberfläche ist zum Teil ausgewaschen.

Um den weiteren Verfall zu stoppen und das Kunstwerk noch zu retten, hatte die Stadt Bautzen bereits im vorigen Jahr beschlossen, schnell zu handeln. Nachdem sich Experten das Werk näher angeschaut hatten, war allerdings damals schon klar: Das Original wird nicht an seinen Platz in der Grünanlage vor dem Gerichtsgebäude zurückkehren. Vielmehr soll dort künftig ein Neuguss – also eine Kopie der Skulptur – stehen. Zuvor müssen die Figuren der Skulptur aber soweit restauriert werden, dass sie abgeformt werden können. Die Originalskulptur von Horst Weiße soll dann in einem Innenraum aufgestellt werden. Um die Kopie künftig besser vor der Witterung zu schützen, soll sie in der kalten Jahreszeit eine Einhausung bekommen – ähnlich wie etwa auch Johann Georg I. am Brunnen auf dem Fleischmarkt, der im Winter immer mit einem hölzernen Schutz versehen wird.

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Aufstellung gegen Widerstände

Auf jeden Fall soll das neue „Alte Paar“ noch vor dem nächsten Winter aufgestellt werden – und damit rechtzeitig zu einem besonderen Anlass. Am 3. Dezember könnte Horst Weiße nämlich seinen 100. Geburtstag feiern. Der Bildhauer war ein über Bautzen hinaus bedeutender Künstler. Aus dem Erzgebirge stammend, wo er eine Holzschnitzerei betrieb, kam er 1960 in die Spreestadt. Hier widmete er sich fortan der Bildhauerei. Das zentrale Motiv seiner künstlerischen Arbeit war der Mensch. Die elementaren Daseinsfragen waren Weißes Thema, und seine Figuren spiegeln die Auseinandersetzung mit diesen in einer reduzierten, auf das Wesentliche konzentrierten Formensprache wider. 1974 wurde seine Skulptur des alten Paares am Friedrich-Engels-Platz aufgestellt – gegen manche Widerstände, denn das Abbild der vom Leben gezeichneten Alten passte nicht ins Bild des realen Sozialismus.

Horst Weiße starb im Jahr 1993. Er gehörte zu den Gründern des Bautzener Kunstvereins. Außer dem alten Paar – das wohl bedeutendste Werk im Bautzener Stadtbild, das auch unter Denkmalschutz steht – sind von ihm noch der Marktbrunnen im Brunnenhof, die Stele „Sonne“ an der Allende-Oberschule und die „Flamme“ an der „Andena“ im Allendeviertel im öffentlichen Raum zu finden.

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