merken

Gagfah baut neu und modernisiert

Der Chef Thomas Zinnöcker verspricht auch nach der Fusion, den Fokus auf Dresden zu legen.

© Visualisierung: Gagfah

Von Andreas Weller

Anzeige
Eine Frage der Ehre

Ist Russland immer an allem schuld? Die IHK Dresden möchte am 05.11.2019 gemeinsam mit Russland-Interessierten diskutieren und Erfahrungen austauschen.

Der Plan zur Übernahme der Gagfah mit ihren 37 000 Wohnungen in Dresden durch die Deutsche Annington kam überraschend. Gagfah-Chef Thomas Zinnöcker will keine Spekulationen aufkommen lassen, dass die Stadt für den Wohnungsgiganten an Wichtigkeit verliere. „Einer der großen sechs Standorte wird Dresden sein, hier wird die operative Gesellschaft für den Nordosten der Republik entstehen.“ Von Dresden sollen alle Wohnungen in Ostdeutschland, außer Berlin, verwaltet werden. Mehr noch, Dresden ist die Stadt mit den meisten Wohnungen. Das Ruhrgebiet hat mit mehr als 50 000 zwar die meisten Wohnungen, aber als einzelne Stadt ist Dresden der größte Standort des künftigen Gesamtkonzerns.

Thomas Zinnöcker will am liebsten Anfang 2015 mit Neubauten beginnen. Der Gagfah-Chef wird Vize-Vorsitzender der neuen Wohnungsgesellschaft.
Thomas Zinnöcker will am liebsten Anfang 2015 mit Neubauten beginnen. Der Gagfah-Chef wird Vize-Vorsitzender der neuen Wohnungsgesellschaft. © Norbert Millauer

150 neue Wohnungen pro Jahr

Insofern müssen sich laut Zinnöcker die Dresdner keine Sorgen machen. „Ich kenne die genauen Planungen der Annington nicht“, sagt Zinnöcker. „Aber die Gagfah hat für 2015 etwa 20 Millionen Euro für Reparaturen und den Erhalt im Dresdner Bestand vorgesehen.“ Dazu kommen zehn Millionen Euro für Modernisierungen und weitere 15 bis 20 Millionen Euro für den Neubau von Wohnungen.

Die Pläne dazu sind weit fortgeschritten. Demnach gibt es zwei konkrete Grundstücke, auf denen sehr schnell neue Wohnungen gebaut werden können. An der Nicolaistraße steht der marode große Block zum Abriss, stattdessen können drei Neubauten mit insgesamt 150 Wohnungen entstehen. Über die Zukunft des Areals wird bereits länger diskutiert.

Zinnöcker selbst bevorzugt allerdings einen anderen Neubau. An der Ecke Reicker Str. 120/Prohliser Str. 2a-b. Da könnten ebenfalls 150 Wohnungen auf dem jetzt leeren Gagfah-Grundstück entstehen. „Dort haben wir im Umfeld bereits Wohnungen, und es wäre etwas günstiger zu bauen“, so Zinnöcker. 15 Millionen Euro würde der einfache Neubau kosten. Die Miete, sagt Zinnöcker, könnte bei „etwas über sieben Euro“ kalt pro Quadratmeter liegen. Allerdings nur, wenn es einen Zuschuss von zehn Prozent gibt. „Wir wollen mit der Stadt reden, um vom Land eine Förderung zu bekommen.“ Gebe es diese nicht, würde die Miete entsprechend teurer werden. „Ziel ist es, eine Warmmiete unter zehn Euro zu haben“, so Zinnöcker.

An der Nicolaistraße würde der Neubau etwa 20 Millionen Euro kosten, und die Miete läge bei etwas unter acht Euro. Der Gagfah-Chef will aber eine grundsätzliche Einigung mit der Dresdner Politik. Wegen der wachsenden Bevölkerungszahl gibt es eine Wohnungsknappheit. Das Ziel der Stadt ist es, dass pro Jahr 1 000 Wohnungen entstehen. Die Gagfah habe derzeit einen Anteil von 15 Prozent am Wohnungsmarkt. „15 Prozent könnten wir auch zum Neubau beitragen“, so Zinnöcker. 150 neue Wohnungen pro Jahr seien möglich. Denn die Gagfah verfüge noch über etwa 300 unbebaute Grundstücke in der Stadt, mit insgesamt 800 000 Quadratmetern.

Vor allem Neubaupläne unterstützt die Stadt generell. Allerdings müsse jedes Vorhaben geprüft werden. „Eine Wohnungsbauförderung für Dresden als Ballungszentrum fordern wir seit gut einem Jahr vom Land“, so Rathaussprecher Kai Schulz. Deshalb teile die Stadt das Ansinnen der Gagfah wie von jedem anderen Wohnungsinvestor. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD im Land ist zumindest vage verankert, dass solch eine Förderung geplant werde. Ob es allerdings so schnell geht, wie Zinnöcker möchte, ist zu bezweifeln. „Wir könnten im Januar oder Februar 2015 mit dem Bau beginnen, dann wären die Wohnungen Ostern 2016 fertig“, sagt er.

Auf Balkone können sich 1 500 Mieter in Gagfah-Häusern in der Seevorstadt freuen. Das Unternehmen rüstet ab März an der Rosenstraße alle Wohnungen damit nach. Bisher ist pro Etage nur eine der drei Wohnungen in den Blöcken mit Balkon ausgestattet. Nun bekommen auch die anderen Balkone. Der Anbau ist kompliziert, weil die Fassaden aufgeschnitten und Heizungen verlegt werden müssen. Dies dauere vier bis sechs Wochen. Die Mietsteigerung hänge von den Kosten ab, und die stehen derzeit noch nicht konkret fest. Außerdem werden 150 Wohnungen an der Mockethaler Straße in Leuben umfangreich saniert. Die Kosten dafür liegen zwischen zwei und drei Millionen Euro.

Zu wenig Sozialarbeiter

Problematischer laufe die Betreuung der Asylbewerber. Derzeit wohnen mehr als 1 000 Flüchtlinge in Gagfah-Wohnungen, der geringere Anteil lebt in Heimen. Von den in Wohnungen untergebrachten Asylbewerbern leben 95 Prozent bei der Gagfah. „Aber die werden von zu wenigen Sozialarbeitern betreut“, so Günter Baer, Niederlassungsleiter der Gagfah in Dresden. Derzeit kümmert sich ein Sozialarbeiter um 200 Flüchtlinge. „Wenn nicht mehr Betreuer eingestellt werden, kann die Gagfah keine weiteren Wohnungen bereitstellen, weil das den sozialen Frieden gefährdet“ sagt Baer. Die Gagfah hat derzeit noch 1 200 leere Wohnungen, 250 davon hat die Stadt in ihrem Konzept zur Flüchtlingsunterbringung eingeplant. Schulz: „Auch hier sind wir darauf angewiesen, dass das Land die Kosten übernimmt.“ Von dort gebe es noch keine konkrete Aussage, ob und wann die Kosten übernommen werden und wie viele Flüchtlinge jeder Sozialarbeiter betreuen soll.