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Schädlingsalarm im Blumentopf – drei todsichere Lösungen

Am Samstag startet Sachsens größte Haus- und Gartenmesse. Mit dabei ist Gartenberaterin Helma Bartholomay, die vorab verrät, was Pflanzen hilft.

Von Susanne Plecher
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Eklig, oder? Dieses kleine durchsichtige Tier ist eine Spinnmilbe über einem Gelege. Sie rammt ihre Stechborsten in die Blattzellen und saugt den Saft heraus.
Eklig, oder? Dieses kleine durchsichtige Tier ist eine Spinnmilbe über einem Gelege. Sie rammt ihre Stechborsten in die Blattzellen und saugt den Saft heraus. © 123rf

Die Blätter des Hibiskus sehen gelblich, schlaff und glanzlos aus und trocknen langsam ein? Über dem Petersilientopf am Küchenfenster schwirren kleine schwarze Mücken? Auf den Blattadern und Früchten des Feigenbäumchens hat sich ein weißer, wolliger Belag gebildet?

„Das sind die typischsten Schädlingsbilder an Zimmerpflanzen im Winter“, sagt Helma Bartholomay. Die Gartenberaterin aus Freital, die viele aus den Gartenforen von saechsische.de oder dem Fernsehen kennen, hat häufig mit unliebsamen Krabbeltieren und Pflanzenkrankheiten zu tun. Sie weiß, welche Hausmittel helfen und wann es nötig wird, zur Chemie zu greifen. Auf der Messe Haus, Garten und Freizeit, die am Samstag in Leipzig beginnt, referiert sie darüber.

Stressfaktoren für die Pflanzen: Lichtmangel, Heizungsluft, falsches Gießen

Die meisten Zimmer- und Kübelpflanzen kommen ursprünglich aus wärmeren Regionen mit höherer Luftfeuchte. Sie sind gestresst von kurzen Wintertagen mit trockener Heizungsluft. Das macht sie anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Besonders hart wird es für sie, wenn sie regelmäßig eisiger Luft durch das Stoßlüften ausgesetzt sind. „Davon können sie schon nach kurzer Zeit Frostschäden davontragen“, sagt Helma Bartholomay.

Was hilft? „Standortbedingungen ändern.“ Also: Schattenverträgliche Pflanzen weiter in das Zimmer hinein platzieren, Helligkeitsbedürftige auf der Fensterbank belassen, aber von Heizungsluft abschirmen, und beim Lüften die Pflanzen vorab aus der Zugluftzone nehmen.

Viele Pflanzenbesitzer meinen es zu gut und gießen zu oft – und falsch. Im Winter verbrauchen Zimmerpflanzen durch die kurzen Tage weniger Wasser. „In mäßig warmen Räumen reicht es je nach Pflanzenart meist, alle sieben bis zehn Tage einmal zu gießen – dann aber von unten in den Untersetzer“, so Bartholomay.

Schädling Nummer 1: Spinnmilben

Geht es Ihrer Topfpflanze so wie dem eingangs erwähnten Hibiskus, ist sie mit großer Wahrscheinlichkeit von Spinnmilben befallen. Die Tiere sind so winzig, dass man sie mit bloßem Auge nicht erkennen kann und meist erst an ihren zarten Spinnfäden oder den Saugschäden entdeckt.

Sie leben nur wenige Wochen, in denen sie sich stark vermehren: Je nach Art und Witterung bringen die Milben im Sommer bis zu neun Generationen hervor, an Zimmerpflanzen vermehren sie sich das ganze Jahr.

„Pflücken Sie die gelben Blätter ab und entsorgen Sie sie. Manche Pflanzen – wie den Hibiskus – kann man auch zurückschneiden“, sagt Helma Bartholomay. Da Spinnmilben trockene Wärme mögen, sollten die befallenen Pflanzen aus der Heizungsnähe entfernt und regelmäßig mit Wasser oder einem Tee aus getrockneten Brennnesseln besprüht werden. Er ist auch als Pulver für ab drei Euro erhältlich. „Der Sud wird im Verhältnis 1:20 mit Wasser verdünnt“, rät die Gärtnermeisterin.

Zusätzlich können Nützlinge wie Raubmilben eingesetzt werden. Online-Händler bieten sie ab etwa acht Euro an, versenden sie aber nur bei milderen Temperaturen.

Trauermücken hinterlassen an Pflanzen Fraßschäden und verursachen Wachstumsstörungen.
Trauermücken hinterlassen an Pflanzen Fraßschäden und verursachen Wachstumsstörungen. © 123rf

Schädling Nummer 2: Trauermücken

Die etwa vier Millimeter langen dunklen Insekten, die manchmal beim Gießen auffliegen, sind selbst keine Gefahr für die Pflanzen. Oder: Nicht mehr. Im Larvenstadium sind sie über kleine Wunden oder über die Wurzeln ins Pflanzeninnere gelangt und haben dort Fraßschäden angerichtet.

Die Maden, die im Freien auch oft an faulenden Pflanzenresten im Boden leben, können Bakterien und Pilze übertragen. „Sie lieben sehr feuchte, humusreiche Erde“, sagt Helma Bartholomay. Auch Trauermücken vermehren sich schnell und viel. Deshalb sind Gelbsticker, an denen die Insekten klebenbleiben, das Erste, was man gegen den Befall tun kann. Aber das reicht meist nicht.

Um die Larven zu bekämpfen, sind parasitäre Nematoden am wirkungsvollsten. Die winzigen, durchscheinenden Rundwürmer fressen die Larven auf. Nematoden gibt es im Gartenmarkt oder bei Online-Händlern ab 4,25 Euro. Sie werden ins Gießwasser gemischt und beseitigen das Problem nach wenigen Wochen.

„Vorbeugend kann man beim nächsten Umtopfen oben eine dickere Schicht Sand auftragen“, sagt die Gartenfachfrau.

Schmierläuse scheiden weiße Wachsfäden aus, unter denen sie sich mit ihren Eiern verbergen.
Schmierläuse scheiden weiße Wachsfäden aus, unter denen sie sich mit ihren Eiern verbergen. © 123rf

Schädling Nummer 3: Schmier- oder Wollläuse

Läuse rücken Zimmerpflanzen in allen möglichen Varianten zu Leibe: Es gibt Blattläuse, Woll-, Schmier- oder Schildläuse. Am einfachsten bekommt man Blattläuse wieder los. Schon ein mehrfaches Abbrausen in der Wanne kann dafür ausreichen. Wichtig dabei: den Wurzelballen mit einer Plastiktüte zu schützen. „Reicht das nicht, schneidet man die Triebspitzen zurück, in denen sie meist sitzen“, sagt Bartholomay.

Gegen Woll- und Schmierläuse setzt sie in Innenräumen mit einer Temperatur ab 20 Grad Celsius den australischen Marienkäfer ein. Liegt die Zimmertemperatur darunter, können Florfliegenlarven erfolgreich sein. Auch diese Nützlinge sind über den Fachhandel oder Onlinehändler zu beziehen (ab etwa 10 Euro).

Schwierig wird es bei Schildläusen. Sie schützen sich mit einem festen, wachsartigen Schild vor Fressfeinden. Man kann versuchen, sie mit einer alten Zahnbürste abzubürsten oder mit einem Fitwasser-Rapsöl-Gemisch vorsichtig abzureiben. Dabei sollten auch Blumentopf und Fensterbank gereinigt werden. „Schildläuse sind sehr hartnäckig“, so Bartholomay. Sie empfiehlt in dem Fall die Verwendung eines Insektizids.

Die Haus-Garten-Freizeit und die mitteldeutsche Handwerksmesse finden vom 11. bis 19. Februar auf dem Leipziger Messegelände statt. Tageskarten kosten 14, ermäßigt 11 Euro. Kinder bis 12 Jahre: 6 Euro.

Am 11. und 12.02. gelten Kombitickets auch für die Motorradmesse.