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Gastronom frischt seine Untermarkt-Bar auf

Robert Meinecke hat das Lokal N13 etwas umgestaltet. Er setzt auf Veranstaltungen, um die schwierige Saison gut zu meistern.

Von Ingo Kramer
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Robert Meinecke hat in seinem Restaurant N13 am Untermarkt neue Sitzecken eingebaut. Jetzt wirkt es hier gemütlicher.
Robert Meinecke hat in seinem Restaurant N13 am Untermarkt neue Sitzecken eingebaut. Jetzt wirkt es hier gemütlicher. © Nikolai Schmidt

Grauer November hin oder her: Für Sonntagabend ist das Lokal N13 am Untermarkt mit 50 Gästen ausgebucht. „Wir machen zum ersten Mal überhaupt ein All-you-can-eat-Buffet“, sagt Inhaber Robert Meinecke. Das Ganze sei spontan entstanden: „Ich habe bei Facebook eine Umfrage gemacht, was die Leute wollen.“ All you can eat hat sich durchgesetzt. Allerdings kein niveauloses Magenvollschlagen: „Es geht ums gemeinschaftliche Essen von einem schönen Buffet.“ Viele Familien mit kleinen Kindern haben Tische reserviert.

Das Buffet ist nur eine von vielen Ideen, mit denen der 32-Jährige der gastronomisch eher schlechten Jahreszeit begegnet. „Voriges Jahr habe ich im November die erste After-Work-Party gemacht, mit DJ und Tanzen im Keller.“ Das sei so gut gelaufen, dass es den Winter über monatlich stattfand. Vielleicht geht es bald auch damit weiter. „Ich bin nicht so der Planer, sondern entscheide alles eher spontan“, sagt Robert Meinecke. Über Facebook und Mundpropaganda erreicht er genug Leute, um sein Lokal zu füllen. Partys mit Feuertonnen auf dem Untermarkt hat er schon veranstaltet, auch 50er-Jahre-Partys mit amerikanischer Küche, also vor allem Burgern. Vielleicht macht er das diesen Winter wieder: „Auch da bin ich echt spontan.“

Überdies ist er seit voriger Woche stolzer Besitzer einer sogenannten „Rückprojektionsfolie“. Die hängt nun mitten im Lokal, über der Bar. Darüber kann er Fußballspiele übertragen, aber auch Filme zeigen: „Das ersetzt den kleinen Fernseher, den ich früher hatte.“ Gewünscht habe er sich so eine Folie schon länger. Obendrein hat er jetzt im November auch noch ein bisschen umgebaut. Im Barraum im Parterre gibt es nun neue Sitzecken und eine andere Deko. Robert Meinecke wollte eine Wohnzimmer-Atmosphäre haben, alles ein bisschen gemütlicher als vorher. Da er im Winter ohnehin erst 18 Uhr öffnet, brauchte er für den Umbau keinen Tag schließen. Die Möbel wurden am Morgen geliefert, den Einbau hat er tagsüber erledigt.

Im Sommer hätte er gar keine Zeit für einen Umbau gehabt. Dann hat er sieben Tage pro Woche, ab 12 Uhr mittags geöffnet. Und für konkrete Veranstaltungen wäre kein Bedarf: „Das machen wir nur im November sowie zwischen Januar und März, das sind die schwächsten Monate.“

Das N13 ist nicht das einzige Lokal, das den Winter zum Umbau nutzt oder mit Veranstaltungen die Görlitzer hinter dem Ofen hervorlockt. Das Café im Stadtpark will am 1. Dezember als Kaffee- und Weinstube neu eröffnen. Und bei einigen Gastronomen steht jetzt Brunch hoch im Kurs. „Das überlasse ich anderen, ich bin kein Frühstücksmensch“, sagt Robert Meinecke.

Er ist in Berlin geboren und in der Gastronomie aufgewachsen. Sein Vater Lutz war früher Restaurantleiter im „Französischen Hof“ auf dem Gendarmenmarkt. „Dort habe ich als kleiner Junge ab und an die Gläser gespült“, erinnert er sich. Eines Tages hatte der Vater zwei besondere Gäste: Den damaligen Besitzer des Hauses Untermarkt 13 in Görlitz und dessen Architekten. Sie kamen ins Gespräch, boten Lutz Meinecke an, sich am Untermarkt 13 mit einer Gastronomie selbstständig zu machen und in den oberen Etagen zu wohnen. 1996 hat sich Lutz Meinecke erstmals Görlitz angeschaut, zwei Jahre später zog er mit Familie an den Untermarkt und eröffnete dort sein französisches Restaurant „Le Trou“. Sohn Robert lernte Jahre später bei ihm Restaurantfachmann – und übernahm das Lokal bereits 2009, mit 23 Jahren. Seine Eltern arbeiten bis heute mit, stehen aber nicht mehr an vorderster Front.

Seit 2009 hieß das Restaurant „Nachbar“ und servierte statt französischer Küche Tapas, Kaffee und Cocktails. 2016 folgte die Umbenennung in „N13“ – und ein kleinerer Konzeptwechsel hin zu Bistro und Bar. „Da bin ich im Angebot freier, kann mehr variieren als mit dem Tapas-Konzept“, sagt Robert Meinecke. Den Kunden scheint´s zu gefallen: „2018 war mein bisher bester Sommer.“ Von touristischer Flaute war bei ihm keine Spur. Manche Touristen seien drei, vier Abende hintereinander da gewesen. Und das Wetter spielte ihm in die Hände: „Es gab kaum Regentage, die Außenterrasse war immer voll.“ Als es zu heiß war, hatte der Gastronom wieder eine Idee: „Ich habe draußen einen Ventilator aufgestellt, für frische Luft.“

Was ihn besonders freut: Das Miteinander mit den beiden Lokalen in den Nachbarhäusern in der Zeile sei sehr angenehm: „Wir sitzen oft gemeinsam draußen und quatschen viel.“ Zusammen seien sie eine richtige kleine Kneipenmeile in 1A-Lage: „Von Weitem ist das schön anzusehen.“ Und dank der spontanen Ideen wie All you can eat funktioniert es auch im Winter.