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Wie Sie Reiseschecks doch noch loswerden

Haben Sie auch noch alte „Travelers Cheques“? Die sind nicht wertlos. Trotzdem will sie SZ-Redaktuer Georg Moeritz loswerden. Ein kleines Abenteuer.

Unbegrenzt gültig, aber wer möchte sie noch haben? Reiseschecks von Thomas Cook aus der Schublade von SZ-Redakteur Georg Moeritz in Dresden.
Unbegrenzt gültig, aber wer möchte sie noch haben? Reiseschecks von Thomas Cook aus der Schublade von SZ-Redakteur Georg Moeritz in Dresden. © Georg Moeritz

Bei Horst Lichter in der Fernsehsendung „Bares für Rares“ stellen manchmal Gäste ihren Familienschmuck vor, den sie lange in der Schublade aufbewahrt haben. Dafür bekommen sie dann Bares von Händlern. Meine Schublade dagegen bewahrt nur ein paar tschechische Kronen und alte Papiere. Entwertete Sparbücher und ein Heftchen mit Reiseschecks liegen dabei. Solche „Travelers Cheques“ waren vor 20 Jahren nützlich bei Reisen nach Amerika oder Afrika. Wer noch keine Kreditkarte hatte, so wie ich, konnte damit in Übersee-Hotels bezahlen. Bei Diebstahl gab es Ersatz.

Die Reiseschecks aus meiner Schublade sind „valid indefinitely“, also unendlich lange gültig. So steht es jedenfalls in dem Heftchen, das immerhin noch fünf blaue Schecks zu je 50 US-Dollar enthält. Den Gegenwert von 250 Dollar habe ich vor vielen Jahren mal an einem Bankschalter in Dresden eingezahlt. Doch inzwischen nutze ich eine Kreditkarte. Die altmodischen Formulare, die man beim Kauf unterschreiben musste und beim Einlösen erneut, sind unüblich und unpraktisch geworden.

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Weil ich in nächster Zeit keine Überseereise vorhabe und außerdem damit rechne, dass die alten Zettel von immer weniger Hotels und Banken akzeptiert werden, will ich sie loswerden. Für meine Dollar-Schecks hätte ich gerne Euros, gerne in bar. Doch Anfragen zeigen: Das könnte schwierig werden. Die Postbank schreibt: „Wir bieten diesen Service nicht mehr an, da er wenig genutzt wurde. Wir empfehlen Ihnen eine Reisebank zum Umtausch der Reiseschecks.“ Die DKB teilt mit, bis Ende 2018 habe sie noch Travelers Cheques von American Express angenommen. Sie empfiehlt nun ebenfalls den Gang zu einer Reisebank-Filiale, wo die Auszahlung aber „kostenpflichtig“ sei.

Stiftung Warentest gibt Auskunft

Tatsächlich: Diese Bank schreibt auf ihrer Internetseite, laut einer Studie besäßen acht Millionen Bundesbürger noch Reiseschecks im Wert von rund 452 Millionen Euro. Wer einen Kaufbeleg der Reisebank mitbringe, könne die Schecks am Schalter gratis einlösen. Alle anderen müssen zwei Prozent vom Nennwert bezahlen, mindestens zehn Euro. Also mache ich mich – das war noch vor Corona – zur Reisebank am Dresdner Hauptbahnhof auf, die Schalter finde ich bei den Fernbussteigen.

Der Bank-Angestellte lässt mich aber freundlich abblitzen: Er dürfe nur Reiseschecks von American Express ankaufen. Auf meinen steht aber Thomas Cook – ausgerechnet. Weiß doch jeder, dass dieser Name für einen pleite gegangenen Reisekonzern steht. Hat sich damit die „unbegrenzte“ Gültigkeit erledigt?

Drei Banken habe ich nun schon vergeblich gefragt. Die richtige Auskunft erhalte ich erst bei der Stiftung Warentest: Die Reiseschecksparte von Thomas Cook hat mit der Pleite nichts zu tun. Sie wurde vor Jahren an das Geldinstitut Travelex im ostenglischen Peterborough verkauft.

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Travelex hat sogar Filialen an deutschen Flughäfen, aber nicht in Sachsen. In Berlin-Tegel könnte ich täglich bis 21.30 Uhr vorsprechen, doch das wird nichts mehr. Auf der deutschsprachigen Internetseite von Travelex finde ich nichts über Travelers Cheques, nur auf der englischsprachigen unten bei Quick links. Ein Formular zum Herunterladen gibt es, auf Wunsch per E-Mail auch auf Deutsch. Das schicke ich per Einschreiben ins Brexit-Land, mit den Reiseschecks, die ich unterschrieben und gelocht habe. Das Geld kommt aufs Konto: 182,42 Euro für 250 Dollar. Das ist wenig. Auch Travelex verlangt eine Gebühr – und die Briten rechnen die US-Dollars in Pfund um und danach erst in Euro.

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